Terror-Vorwurf im Urlaub: Deutscher Familienvater sitzt plötzlich in türkischer Haft
Von Aleksandra Bakmaz und Svenja Huck
Ulm - Ein Ulmer sitzt in der Türkei in Haft. Für die Familie des seit Mitte August in der Türkei inhaftierten Ferdi Soylu ist die Ungewissheit schwer auszuhalten.
"Wir hoffen, dass er schnell freigelassen wird", sagte sein Bruder Sebahattin Soylu. Der 46-Jährige sitzt nach Angaben seines Anwalts wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in einem Gefängnis in Ankara.
Ferdi Soylu war am 8. August mit seiner Familie auf dem Landweg in die Türkei eingereist. Nach Angaben seines Bruders wurde ihm an der Grenze mitgeteilt, dass er sich wegen eines gegen ihn bestehenden Vorwurfs innerhalb einer Woche bei der Staatsanwaltschaft in Ankara melden müsse.
Am 14. August sei Soylu daraufhin nach Ankara gereist und habe sich dort persönlich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Im Beisein seines Anwalts habe er eine Aussage gemacht. Danach habe die Familie die Nachricht bekommen, dass er inhaftiert worden sei.
Nach Angaben des Anwalts geht es um den Vorwurf, Soylu sei in den Jahren 2012 und 2013 Mitglied des Ulmer Vereins "Feza" gewesen.
Die türkischen Behörden gehen demnach davon aus, dass der Verein Verbindungen zur Gülen-Bewegung hatte, die in der Türkei als terroristische Organisation eingestuft wird.
Inhaftierter arbeitet als Ingenieur in Ulm
Für die Familie ist der Vorwurf nicht nachvollziehbar. Es habe lediglich einen Bezug zu dem Ulmer Verein gegeben, weil eine Tochter dort vor Jahren Nachhilfe bekommen habe, sagte sein Bruder.
Ferdi Soylu lebe seit rund 25 Jahren in Deutschland und sei seit mehr als zehn Jahren deutscher Staatsbürger. Er arbeitet als Ingenieur bei einem IT-Unternehmen in Ulm.
Der Anwalt hat nach eigenen Angaben gegen die Inhaftierung Einspruch eingelegt. Das Auswärtige Amt weiß von dem Fall und betreut den Mann konsularisch, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte.
Nach Angaben des Anwalts wurde bislang keine Anklageschrift erstellt. Über den Einspruch gegen den Haftbefehl sei noch nicht entschieden worden. "Mehr als Warten geht gerade nicht."
Titelfoto: Bildmontage: -/Familie Soylu/dpa, Marcus Brandt/dpa

