Über 50 Pferde gestorben! Tierschützer knöpfen sich irres Rennen vor

Pardubice (Tschechische Republik) - Am Sonntag starb bei einem traditionsreichen Pferderennen im tschechischen Pardubitz das Pferd Stuke. Der Jockey Martin Liška musste schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in Pardubice. Tierschützer wollen den Spuk nun beenden.

1984 stürzte dieser Jockey mit seinem Pferd in den Taxis-Graben. (Archivbild)
1984 stürzte dieser Jockey mit seinem Pferd in den Taxis-Graben. (Archivbild)  © IMAGO / Galoppfoto

Die Velká Pardubická ist ein traditionelles Pferderennen über fast sieben Kilometer auf der Pferderennbahn im ostböhmischen Pardubice in Tschechien und gilt als eines der härtesten Hindernisrennen der Welt.

Es wurde erstmals 1874 ausgetragen und fand seitdem, außer zwischen 1938 und 1945, an jedem zweiten Oktobersonntag des Jahres statt. So auch am vergangenen Wochenende.

Eines der 31 Hindernisse gilt bei diesem Rennen als besonders "mörderisch": der Taxis-Graben. In diesem starb am Sonntag das Pferd Stuke.

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Ein Twitter-User hat erzürnt Aufnahmen des fatalen Sturzes auf X (ehemals Twitter) geteilt.

Schon bei der Qualifikation für die diesjährige Velká Pardubická kam es zu schweren Stürzen, wie hier bei Tereza Polesná und ihrem Pferd Royal. Gino.
Schon bei der Qualifikation für die diesjährige Velká Pardubická kam es zu schweren Stürzen, wie hier bei Tereza Polesná und ihrem Pferd Royal. Gino.  © IMAGO / CTK Photo

Mehr als zwei Dutzend Pferde verendeten im Taxis-Graben

Der Taxis-Graben sieht auf diesem Foto gar nicht so gefährlich aus. Aber die Kombination aus hoher Hecke und tiefem Graben wird einigen Pferden zum Verhängnis. (Archivbild)
Der Taxis-Graben sieht auf diesem Foto gar nicht so gefährlich aus. Aber die Kombination aus hoher Hecke und tiefem Graben wird einigen Pferden zum Verhängnis. (Archivbild)  © JOE KLAMAR / AFP

Der Taxis-Graben (auch als Taxis Ditch bekannt) war ursprünglich ein zwei Meter tiefer Wassergraben von 5,10 Metern Breite, der sich direkt hinter einer 1,40 Meter hohen Hecke befand.

Ein Sprung über dieses Hindernis, das nach Prinz Egon von Thurn und Taxis (1832 bis 1892) benannt wurde, gilt als einer der schwierigsten Sprünge der Welt. Schon beim Erbauen soll es kritische Stimmen gegeben haben, dass dies zu gefährlich sei. Für Pferd und Reiter. Aber seine Durchlaucht Thurn und Taxis persönlich bestand auf dem Bau.

Erst 1994 wurde dieses Hindernis, welches auch die Jockeys das Fürchten lehrte und nur einmal im Jahr gesprungen wird, etwas abgemildert.

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Laut Turf-Times wurde die Grabentiefe auf einen Meter reduziert und die Sprungkante gemildert.

Tatsächlich führte das zu weniger Stürzen. Aber für Stuke war es trotzdem fatal.

Allein an diesem Graben starben, inklusive Stuke, 27 Pferde. Also im Schnitt alle fünf bis sechs Jahre ein Pferd. Das ganze Rennen forderte bereits über 50 Pferdeleben. Einige Pferde brachen sich das Genick oder mussten aufgrund schwerer Verletzungen eingeschläfert werden.

Wie grotesk das Rennen ist, zeigte die Ausgabe des Rennens im Jahr 1909. Da gab es keinen Gewinner, weil von den drei gestarteten Pferden keines das Ziel erreichte.

10.000 Personen haben eine Petition unterschrieben

2006 stürzte der tschechische Jockey Michal Köhl auf seinem deutschen Pferd Brambusch nach dem "Taxis Ditch" schwer. (Archivbild)
2006 stürzte der tschechische Jockey Michal Köhl auf seinem deutschen Pferd Brambusch nach dem "Taxis Ditch" schwer. (Archivbild)  © MICHAL CIZEK / AFP

Tierschützern war die Velká Pardubická schon immer ein Dorn im Auge. Aber nachdem bereits 2020 das Pferd Sottovento im Taxis-Graben sein Leben verloren hatte, starteten Aktivisten eine Petition, dass der berüchtigte Taxis-Graben aus der Rennstrecke genommen wird. Diese Petition wurde nun erneuert.

Laut der tschechischen Blesk haben bereits 10.000 Personen die Petition unterschrieben. Aber ob da wirklich ein Umdenken vonseiten der Veranstalter stattfinden wird, ist fraglich.

Nicht nur, weil der "Taxis Ditch" als nationales Symbol Tschechiens betrachtet werden kann, sondern weil "Taxis" ein Markenkern des Rennens ist.

Jaroslav Müller, der Direktor des Rennvereins, ist sich außerdem sicher, dass die Stürze nicht durch die Beschaffenheit des Taxis-Grabens entstanden, sondern "höchstwahrscheinlich menschliche Faktoren und eine Reihe unglücklicher Ereignisse eine Rolle spielten".

Ob die Pferde das auch so sehen, ist leider unklar.

Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / CTK Photo, IMAGO / Galoppfoto

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