New Jersey - Erst war es nur Müdigkeit, dann Atemnot, schließlich Halsschmerzen. Was für die heute 30-jährige Lindsay Kassab wie eine harmlose Infektion begann, entpuppte sich als tödliche Gefahr. Als die Ärzte endlich die richtige Diagnose stellten, war es fast zu spät. Ihr Blutbild war so dramatisch, dass Mediziner ihr erklärten, sie sei eine "tickende Zeitbombe".
Alles begann während der Corona-Pandemie. Lindsay fühlte sich ständig erschöpft und hatte kaum noch Energie. Zunächst vermuteten die Ärzte ein Pfeiffersches Drüsenfieber. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die oft starke Müdigkeit verursacht. Später erklärten Ärzte ihre Beschwerden mit Long Covid oder Angstzuständen.
Doch Lindsays Zustand verschlechterte sich weiter. "Ich konnte kaum eine Treppe hochgehen, ohne danach völlig außer Atem zu sein", erzählt sie.
Der Wendepunkt kam 2021 bei einem geplanten Urlaub in Miami. Kurz vor der Abreise bekam sie starke Halsschmerzen. Ärzte diagnostizierten eine Streptokokken-Infektion – eine bakterielle Entzündung im Hals, die oft mit Antibiotika behandelt wird.
Es wurde jedoch nicht besser, sondern sogar schlimmer.
Ihr Körper war plötzlich von einem Ausschlag bedeckt, die Lymphknoten schwollen auf die Größe von Golfbällen an. "Ich konnte nicht einmal mehr schlucken", erinnert sie sich. Im Krankenhaus erhielt sie zunächst die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber und wurde wieder nach Hause geschickt. Doch Lindsay spürte, dass etwas nicht stimmte. Wenige Tage später brachte ihre Mutter sie erneut in die Notaufnahme.
Noch bevor weitere Untersuchungen abgeschlossen waren, kam ein Arzt mit den Ergebnissen ihrer Blutuntersuchung zurück. "Sie sagten mir, ich sei eine tickende Zeitbombe." Lindsay wurde Leukämie diagnostiziert.
Ein harter Kampf zurück
Es folgten 118 Tage am Stück im Krankenhaus. Sie erhielt mehrere Chemotherapien, und weil die erste Behandlung nicht ausreichend wirkte, benötigte sie zusätzlich eine Knochenmarktransplantation. Außerdem musste sie sich einer Ganzkörperbestrahlung unterziehen.
Wegen der Corona-Regeln durfte sie während dieser Zeit meist nur einen Besucher empfangen. Ihre Mutter kündigte sogar ihren Job und war jeden Tag an ihrer Seite.
Doch Lindsay gab nicht auf. Obwohl Ärzte ihr wenig Hoffnung machten und sogar bezweifelten, dass sie später einmal Kinder bekommen könnte, kämpfte sie sich zurück und nahm ihre Follower dabei mit.
Heute, fast fünf Jahre nach ihrer Diagnose, gilt sie als krebsfrei. Sie hat die Liebe ihres Lebens gefunden und geheiratet. Dazu erwarten die beiden ihr erstes Kind und sie fühlt sich fitter als jemals zuvor. "Die Diagnose war praktisch ein Todesurteil", sagt sie heute. "Aber ich wollte keine Statistik sein."