17 Stunden Qual-Verhör: Polizei zwingt unschuldigen Mann zu Mord-Geständnis

Fontana (Kalifornien/USA) - Dieser unfassbare Vorfall sorgt für Entsetzen. Thomas Perez Jr. soll seinen eigenen Vater ermordet haben - nach einem 17-stündigen Qual-Verhör presste ihm die Polizei ein Geständnis ab. Doch der Mord fand nie statt. Nun bekam der Geschädigte eine enorme Entschädigung zugesprochen.

Das Verhör ging 17 Stunden lang. Am Ende sagte der gebrochene Mann, was die Polizei von ihm hören wollte.
Das Verhör ging 17 Stunden lang. Am Ende sagte der gebrochene Mann, was die Polizei von ihm hören wollte.  © Fontana Police Department via Jerry Steering

Am 7. August 2018 rief Thomas Perez Jr. bei der Polizei an, um seinen damals 71-jährigen Vater als vermisst zu melden. Was folgte, war der blanke Albtraum, berichtet die Zeitung "San Bernardino Sun".

Plötzlich fand sich Perez in einem winzigen Verhörraum wieder, wurde von Ermittlern der Polizei von Fontana 17 Stunden lang verhört - ohne Anwalt, unter Missachtung jeglicher Grundrechte.

Während des Verhörs drohten die Beamten, den Hund des Unschuldigen töten zu lassen. Schließlich sei das Tier ja jetzt ein Streuner, sagten sie.

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Die Polizisten brachten Labrador Margosha gar in die Verhörzelle, damit sich Perez von seinem geliebten Hund verabschieden könne. "Dein Hund ist jetzt weg, vergiss ihn", drohte ein Ermittler.

"Wie kannst du da sitzen und sagen, du wüsstest nicht, was passiert ist, während dein Hund dich ansieht und weiß, dass du deinen Vater umgebracht hast?", sagte ein Polizist.

"Sieh dir deinen Hund an. Sie weiß es, weil sie durch das ganze Blut gelaufen ist", fügte der andere Detective an.

Nach Stunden der Qual legte der Unschuldige ein Geständnis ab

Hier verabschiedet sich Thomas Perez Jr. von seinem geliebten Hund.
Hier verabschiedet sich Thomas Perez Jr. von seinem geliebten Hund.  © Fontana Police Department via Jerry Steering

Später behaupteten die Beamten, dass man eine Leiche gefunden habe. Sie sagten ihm, dass der Vater jetzt "im Leichenschauhaus mit einem Etikett an den Zehen liegt". Und überhaupt seien die Beweise gegen ihn überwältigend.

Zudem sei es ganz normal, dass er sich nicht an die Tat erinnern könne, schließlich komme es häufig vor, dass der menschliche Verstand versuche, unangenehme Erinnerungen zu unterdrücken, sagten die Ermittler laut Gerichtsunterlagen.

Perez war so verzweifelt, dass er anfing, sich die Haare auszureißen, sich selbst schlug und wirre Geräusche von sich gab. Er riss sich das Hemd vom Leib, während die Horror-Polizisten auf ein Geständnis drängten.

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Nach Stunden der Qual gab der gebrochene Mann die vermeintliche Bluttat zu. Er habe seinen Vater im Streit mit einer Schere erstochen und ihm den Kopf mit einer Bierflasche eingeschlagen, sagte er.

Horror-Polizisten weiterhin im Dienst

Der Unschuldige gibt eine Tat zu, die niemals passiert ist.
Der Unschuldige gibt eine Tat zu, die niemals passiert ist.  © Fontana Police Department via Jerry Steering

Nach dem Geständnis, als er kurzzeitig alleine im Verhörraum war, versuchte sich der völlig unschuldige Mann mit dem Kordelzug seiner Hose zu erhängen. Thomas Perez Jr. wurde in Handschellen abgeführt und in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wo er die nächsten 72 Stunden unter Beobachtung stand.

Dann kam die Wahrheit ans Licht: Perez' Vater war nicht tot. Er war kurzfristig zu Besuch bei seiner Tochter in Nordkalifornien und vergaß sein Handy zu Hause.

Doch die Polizei ignorierte offenbar diesen Fakt, stattdessen durchsuchten sie das Haus des Beschuldigten, um nach weiteren Beweisen für den Angriff auf eine nunmehr "unbekannte Person" zu suchen.

"In den 40 Jahren, in denen ich die Polizei verklagt habe, habe ich noch nie ein derartiges Ausmaß an vorsätzlicher Grausamkeit durch die Polizei erlebt", sagte Anwalt Jerry Steering, der auf Polizeibrutalität spezialisiert ist. "Sie haben Tom Perez ein falsches Geständnis entlockt, ihm verschwiegen, dass sein Vater lebt und wohlauf ist, und ihn in der Psychiatrie eingesperrt, weil sie ihn in den Selbstmord trieben."

Der Anwalt hat die Details des Albtraum-Verhörs publik gemacht und für seinen Mandanten eine beträchtliche Entschädigung erwirkt - 900.000 US-Dollar (umgerechnet 830.000 Euro).

Drei der betroffenen Beamten sind weiterhin bei der Polizei von Fontana beschäftigt. Ein weiterer Beamter ist in den Ruhestand getreten.

Titelfoto: Fontana Police Department via Jerry Steering

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