Wochenlang unschuldig in Haft: 16-Jährige wiegt nur noch 20 Kilo und stirbt
Kōbe (Japan) - Schockierender Zwischenfall in Japan: Eine erst 16 Jahre alte Jugendliche wurde fast drei Wochen unschuldigerweise in Untersuchungshaft festgehalten. Nachdem sie entlassen wurde, hungerte sie auf 20 Kilo Körpergewicht runter - und verstarb kurz darauf. Jetzt hat ihre Mutter Klage gegen den Staat eingereicht.
Wie Masahiro Sasaki, Anwalt der trauernden Mutter, der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, soll der in den Akten "Runa" genannten Teenagerin gedroht worden sein, dass sie in eine Erziehungsanstalt käme und ihre Mutter nicht wiedersehe.
Der 16-Jährigen war im vergangenen Jahr vorgeworfen worden, eine Patientin in einem Pflegeheim, in dem sie arbeitete, misshandelt zu haben. Obwohl sie und ihre Familie die Begebenheit ganz anders schilderten, wurde die Jugendliche für 18 Tage in Haft gehalten - der Kontakt zu ihren Angehörigen wurde untersagt!
"Du hast es getan, oder etwa nicht? Gib es schon zu!", sollen die Beamten sie laut ihren Tagebucheinträgen zu einem Geständnis gedrängt haben. Als Runa schließlich entlassen wurde, war sie traumatisiert, wog fünf Monate später nur noch 20 Kilogramm - und verstarb schließlich laut der Klage ihrer Mutter an Auszehrung.
"Meine Tochter war nicht wiederzuerkennen, als sie starb", sagte diese bei einer Pressekonferenz am Mittwoch: "Ich will wissen, was mit ihr passiert ist, warum sie festgenommen und inhaftiert wurde und warum sie sterben musste."
Geisel-Justiz ist verbreitetes Problem in Japan
Laut der Klage, die in der Großstadt Kōbe eingereicht wurde, litt die 16-Jährige nach der Haft unter einem posttraumatischen Syndrom, extremem Stress und einer Essstörung. Als Entschädigung werden von ihrer Familie 100 Millionen Yen (rund 540.000 Euro) gefordert.
Der Fall um Runa gilt als neustes Beispiel sogenannter Geisel-Justiz in Japan. Dabei werden Verdächtige lange festgehalten und zu falschen Geständnissen gedrängt. Im als sehr streng geltenden japanischen Justizsystem wird die Unschuldsvermutung Kritikern zufolge nicht immer gewahrt.
Titelfoto: 123RF/bohbeh
