Grausames Video: Polizisten ersticken nackten, unbewaffneten schwarzen Mann!

Rochester - Zwei Monate, bevor der Tod von George Floyd weltweit Proteste durch die Bewegung "Black Lives Matter" auslöste, kam es im US-Bundesstaat New York zu einem unfassbaren Vorfall. Ein Video, welches erst jetzt von der Familie veröffentlicht wurde, zeigt, wie Polizisten dem nackten, unbewaffneten schwarzen Mann Daniel Prude (41) auf der Straße die Luft abschnüren. An den Folgen stirbt der Amerikaner sieben Tage später.

Daniel Prude liegt auf der Straße, nackt. Die Polizisten stehen um ihn herum, nachdem sie ihm einen "Spuckschutz" aufgezogen haben.
Daniel Prude liegt auf der Straße, nackt. Die Polizisten stehen um ihn herum, nachdem sie ihm einen "Spuckschutz" aufgezogen haben.  © Facebook/Screenshot/FreeThePeopleRoc

Es ist der 23. März 2020. Joe Prude macht sich Sorgen. Sein Bruder benimmt sich merkwürdig. Er rennt nackt durch die Straßen der Stadt Rochester. Es ist offensichtlich, dass er professionelle Hilfe benötigt. Also ruft Joe die Polizei. Denn was hätte schon schiefgehen können, bei einem unbewaffneten, nackten Mann?

Alles, wie sich später herausstellen würde. Der 23. März ist der Tag, an dem zahlreiche Körperkameras der Polizisten, die Daniel Prude wohlbehalten nach Hause bringen sollten, Aufnahmen machen, die die Welt schockieren. 

Doch warum werden diese erst jetzt veröffentlicht?

Wie die Webseite apnews berichtet, gab die Familie von Daniel erst am Mittwoch eine Pressekonferenz, bei der sie das Video des Todes von Daniel sowie schriftliche Berichte der Polizei der Öffentlichkeit präsentierten. Diese hatten sie durch eine Anfrage nach öffentlichen Aufzeichnungen erhalten.

Sie verlangen Gerechtigkeit, denn die beteiligten Beamten des Einsatzes sind nach wie vor noch im Dienst.

Das Video wurde bei der Facebook-Seite Free The People Roc veröffentlicht, welche sich für die Rechte von dunkelhäutigen Menschen einsetzt. 

Was genau ist auf den Bildern zu sehen?

Der Beamte drückt den Kopf von Daniel gewaltsam mit seinem Knie auf den Straßenboden.
Der Beamte drückt den Kopf von Daniel gewaltsam mit seinem Knie auf den Straßenboden.  © Facebook/Screenshot/FreeThePeopleRoc

Das Video zeigt die Geschehnisse jenes 23. März aus der Sicht der aktiven Körperkameras der Polizisten. Zwölf Minuten lang können die Zuschauer sehen, wie diese mitten in der Nacht auf der verlassenen Straße den nackt herumrennenden Daniel stoppen.

Die Einsatzkräfte fordern den Mann auf, sich auf den Boden und die Hände auf den Rücken zu legen. Der 41-Jährige erscheint aufgewühlt, schreit, nicht alles ergibt einen Sinn. "Gib mir deine Waffe, ich brauche sie", ruft er.

Kurz darauf ziehen die Beamten ihm eine weiße "Spuckhaube" über den Kopf, eine Vorrichtung, die sie vor dem Speichel eines Häftlings schützen sollte. Zu dieser Zeit befand sich der Staat New York in den Anfängen der Coronavirus-Pandemie.

Daniel verlangt, dass sie es entfernen. Dann drücken die Beamten den Kopf von ihm auf die Straße. Ein weißer Offizier sagt: "Beruhigen Sie sich", und "hören Sie auf zu spucken".

Ein anderer Beamter legt ein Knie auf seinen Rücken."Versucht, mich umzubringen!" sagt Daniel, wobei seine Stimme unter der Kapuze gedämpft und gequält klingt.

Daniel Prude kann nicht atmen

Die Sanitäter vor Ort müssen Daniel Prude wiederbeleben. Doch er stirbt an den Folgen des grausamen Einsatzes.
Die Sanitäter vor Ort müssen Daniel Prude wiederbeleben. Doch er stirbt an den Folgen des grausamen Einsatzes.  © Facebook/Screenshot/FreeThePeopleRoc

Wenig später bettelt der nackte Mann, dass die Polizisten aufhören sollen. Seine Rufe schlagen schnell in Wimmern und Grunzen um. Erst als er sich nicht mehr bewegt und verstummt, scheinen die Offiziere besorgt zu sein. Sie bemerken, dass Wasser aus Daniels Mund kommt.

Daraufhin nehmen sie ihm die Kapuze und die Handschellen ab. Man kann sehen, wie die Sanitäter ihn wiederbeleben, bevor er in einen Krankenwagen geladen wird. Sieben Tage später stirbt er.

Ein Gerichtsmediziner kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem Tod von Daniel um einen Mord handelte, da die Beamten den Atemstillstand aufgrund von körperlicher Ruhigstellung verursacht hatten.

Daniel stammte aus Chicago und war gerade zu einem Besuch mit seinem Bruder in Rochester eingetroffen. Schon zuvor sorgte sein Verhalten für Probleme, unter anderem wurde er aus dem Zug geworfen.

Am 22. März wurde Daniel gegen 19 Uhr aufgrund von Selbstmordgedanken in Gewahrsam genommen, etwa acht Stunden vor der Begegnung mit den Beamten, die zu seinem Tod führte. Sein Bruder sagte, er sei nur wenige Stunden im Krankenhaus gewesen, bevor er erneut nach Hause kam. Gegen 3 Uhr nachts alarmierte Joe den Notruf.

Daniel hatte das Haus verlassen. Daraufhin rückten die Beamten aus, wenig später begannen die oben beschrieben Aufzeichnungen, die zu der Erstickung des Amerikaners führten.

Aktivisten fordern, die Beamten zur Verantwortung zu ziehen

Die 87-jährige Sally Sommers nimmt an einer Demonstration nach dem Tod von George Floyd teil. Floyd verstarb nach der Festnahme durch die Polizei. Ein weißer Polizist kniete auf dem Hals des Mannes, welcher mehrmals darauf aufmerksam machte, dass er nicht atmen könne. Er starb später im Krankenhaus.
Die 87-jährige Sally Sommers nimmt an einer Demonstration nach dem Tod von George Floyd teil. Floyd verstarb nach der Festnahme durch die Polizei. Ein weißer Polizist kniete auf dem Hals des Mannes, welcher mehrmals darauf aufmerksam machte, dass er nicht atmen könne. Er starb später im Krankenhaus.  © Jerry Holt/Star Tribune/AP/dpa

Die Stadt stellte ihre Ermittlungen zu dem Vorfall ein, als das Büro von Generalstaatsanwältin Letitia James im April mit eigenen Ermittlungen begann. 

Nach New Yorker Recht werden Todesfälle von unbewaffneten Personen in Polizeigewahrsam oft dem Büro des Generalstaatsanwalts übergeben, anstatt von örtlichen Beamten bearbeitet zu werden.

Rochesters Bürgermeisterin Lovely Warren sagte bei einer Pressekonferenz, dass sie zu keinem Zeitpunkt Informationen vorenthalten wollten. Ein Beamter schrieb, dass sie Daniel Prude den "Spuckschutz" aufgesetzt hatten, weil er ständig in die Richtung der Beamten spuckte und sie wegen des Coronavirus besorgt waren.

Nun fordern Aktivisten, dass die beteiligten Beamten wegen Mordes strafrechtlich verfolgt werden und dass sie aus der Abteilung entfernt werden. "Die Polizei hat uns immer wieder gezeigt, dass sie nicht in der Lage ist, mit Personen umzugehen, die psychische Probleme haben." 

"Diese Beamten sind darauf trainiert zu töten und nicht zu deeskalieren. Diese Beamten sind darauf trainiert, sich lustig zu machen, anstatt Herrn Daniel Prude zu unterstützen", sagte Ashley Gantt vom Free the People ROC bei der Pressekonferenz mit Prudes Familie.

Daniel Prude war Vater von fünf Kindern

Seitdem gab es in der Stadt Rochester einige Demonstrationen.

Daniel Prude war Vater von fünf erwachsenen Kindern und hatte im letzten Jahr in einem Lagerhaus gearbeitet. Er sei durch den Tod seiner Mutter und zweier Brüder in den letzten Jahren traumatisiert worden sein.

In seinen letzten Monaten pendelte er zwischen seiner Wohnung in Chicago und der seines Bruders in Rochester hin und her, weil er ihm nahe sein wollte. Zwei Tage vor seinem Tod, so äußerte sich seine Tante, sei er noch völlig normal gewesen.

Sie wisse zwar nicht, was ihn dazu gebracht hatte, sich so zu benehmen, "aber ich weiß, dass er es nicht verdient hatte, von der Polizei umgebracht zu werden", sagte sie. Die Familie bittet nun auf GoFundMe um Spenden.

Titelfoto: Facebook/Screenshot/FreeThePeopleRoc

Mehr zum Thema Black Lives Matter:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0