Chef-Entführer im Block-Prozess: "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint"

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Hamburg - Am 56. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) soll erneut der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) aussagen. Es ist bereits der neunte Tag seiner Zeugenaussage vor dem Hamburger Landgericht. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).
Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).  © Georg Wendt/dpa-pool/dpa

14.59 Uhr: Pause

Dr. Böttner hat keine Fragen mehr. Die Richterin veranlasst eine kurze Unterbrechung. Pause bis 15.10 Uhr.

14.50 Uhr: "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint"

"Haben Sie den Kindern schon im Auto gesagt, dass es zu ihrer Mutter geht?", fragt Böttner. "Ja", antwortet der Zeuge. "Und was haben Sie ihnen gesagt?" "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint", so B.

Für ihn habe es in diesem Moment jedoch kein Zurück mehr gegeben. Er habe darauf gehofft, dass Gegenstände im Wohnmobil, die den "Geruch von Christina" getragen hätten, den Kindern verdeutlichen würden, dass sie zu ihrer Mutter zurückgebracht werden sollten. Mit dem Wohnmobil waren die Kinder und das Team anschließend nach Süddeutschland gefahren.

"Sind Sie sicher, dass die Kinder während der gesamten Fahrt nichts gesagt haben?", hakt Böttner nach. "Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie gesagt, sie wollten nicht zu ihrer Mutter. Für mich selbst ist das auch ein sehr schwieriger Moment", sagt B. und entschuldigt sich dafür, dass er sich an so wenige Details erinnern könne.

14.40 Uhr: "Wessen Idee war das mit dem Klebeband?"

Anschließend geht es um das Klebeband, mit dem sowohl die Kinder als auch Stephan Hensel zeitweise gefesselt worden sein sollen. Nach den bisherigen Aussagen sei auch Tal S. Klebeband ausgehändigt worden, um den Vater "zu binden".

"Wessen Idee war das mit dem Klebeband?", fragt Böttner. "Ich erinnere mich nicht, wer ihm das Klebeband gegeben hat. Aber es war Teil der Ausrüstung", antwortet B. "Wofür?", hakt Böttner nach. B. weicht einer konkreten Antwort aus. Das Klebeband gehöre zu den Ausrüstungsgegenständen für eine "solche Mission".

"Wir wussten bis zum letzten Moment nicht, was genau passieren würde. Wir konnten also keine konkreten Pläne machen", so der Zeuge weiter.

Dr. Sasha Böttner vertritt den einzigen der mutmaßlichen Entführer, der seit November 2024 in Untersuchungshaft sitzt.
Dr. Sasha Böttner vertritt den einzigen der mutmaßlichen Entführer, der seit November 2024 in Untersuchungshaft sitzt.  © Georg Wendt/dpa

14.28 Uhr: Das bedeutet "Neutralisieren" für den Zeugen

Dr. Voß hat keine weiteren Fragen. Daraufhin übernimmt Dr. Sasha Böttner, der Verteidiger des in Untersuchungshaft sitzenden Tal S. (36), die Befragung.

Er geht sofort auf einen hebräischen Begriff ein, von dem sein Mandant berichtet hatte. Demnach habe B. Tal S. und einem weiteren Teammitglied – beide erfahrene Kampfsportler – den Auftrag erteilt, Stephan Hensel mit "Kraft und Macht" zu überwältigen. Böttner will wissen, welche Formulierung der Zeuge damals tatsächlich auf Hebräisch verwendet habe.

B. nennt daraufhin den hebräischen Begriff für "neutralisieren". Er habe das Wort jedoch im Sinne des Kampfsports verwendet. Dort bedeute "neutralisieren" nicht, jemandem Schaden zuzufügen. Gemeint sei vielmehr, eine Situation unter Kontrolle zu bringen – mit möglichst geringer Gewaltanwendung, etwa durch Festhalten oder Fixieren.

"Kontrollieren, ohne Schaden zuzufügen", erklärt B.

Auffällig ist dabei, dass sich B. plötzlich recht detailliert an die Situation erinnern kann. Nur wenige Minuten zuvor hatte er noch erklärt, sich an konkrete Einzelheiten seines damaligen Auftrags an Tal S. nicht mehr erinnern zu können.

14.20 Uhr: Widersprüche in der Aussage von David B.

Dr. Voß zeigt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Aus seiner Sicht bleibt die Frage offen, wie dies mit der Darstellung zusammenpasst, zumal das Team für die Entführung erst im Dezember 2023 zusammengestellt worden sein soll. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass B. zuvor ausgesagt hatte, dem Familienanwalt Dr. C. nicht vertraut zu haben.

B. antwortet zwar auf die Nachfrage, geht jedoch nicht direkt auf den Widerspruch ein. Aufgrund des großen Drucks habe man "immer Ausrüstungsgegenstände parat gehabt".

"Ich verstehe, dass man von mir erwartet, mich an genaue Daten zu erinnern. Aber so funktionieren menschliche Gedächtnisse eben nicht", sagt David B. "Ich gebe mein Bestes, um alles zu erzählen. Aber das Treffen mit Herrn C. im Hotelzimmer hat auf jeden Fall stattgefunden."

"Danke für die Einsicht, wie menschliche Gehirne funktionieren", entgegnet Voß schnippisch.

14.05 Uhr: Wie passt das mit der "Golden Data" zusammen?

Dr. Voß versucht mühsam, die aus seiner Sicht bestehenden Widersprüche in B.s Aussagen zu klären. Es geht um die "Golden Data", womit die Information gemeint ist, dass die Kinder am Silvesterabend 2023 mit ihrem Vater das Feuerwerk im Hafen von Gråsten angucken werden, und die der Auslöser für die anschließende Entführung gewesen sein soll.

Die Information sei von Keren T. gekommen, diese habe sie wiederum von Christina Block erhalten. An mehr könne er sich nicht erinnern.

Weiter will Dr. Voß ein Treffen im Hotelzimmer des Zeugen B. aufklären. Es geht um ein Treffen mit seinem Mandanten, dem angeklagten Block-Anwalt Dr. Andreas C., und dessen Sohn im November 2023, bei dem bereits Equipment für die spätere Entführung wie Masken gezeigt worden sein sollen.

"Wie passt das zeitlich zu der späteren Informationsgewinnung der 'Golden Data'?", will Voß wissen.

"Bis zur 'Golden Data' war nicht klar, wie wir vorwärtsgehen würden. Ich möchte Sie daran erinnern, dass ich mehrfach gesagt habe, dass ein enormer Druck bestand seitens Dr. C und auch von Christina", wiederholt B.

Auch Eugen Block (85) hätte Druck ausgeübt, er wollte die Kinder vor Weihnachten wieder zurück in Hamburg sehen, da er schon Geschenke für seine Enkel gehabt habe.

13.45 Uhr: Anwältin vermutet nach der Mittagspause eine Beeinflussung

Mit deutlicher Verzögerung wird der Prozess nach der Mittagspause mit einer Frage der Anwältin Gül Pinar fortgesetzt. Sie habe beobachtet, wie Gerd Uecker direkt nach der Verkündung der Mittagspause das Gespräch mit dem Zeugenbeistand Dr. Kruse suchte. Sie verlangt Aufklärung.

"Ich vermute eine Beeinflussung", so Pinar. Die Richterin fragt Dr. Kruse, ob es eine Beeinflussung gab? "Nein, selbst wenn es so wäre, könnte ich dem standhalten", so B.

Anschließend erhält Uecker Gelegenheit zur Stellungnahme. Dieser kündigt an, dass er seine Frage gerne auch noch einmal direkt an den Zeugen richten könne. Es sei um einen Sicherheitsbericht des angeklagten Sicherheitsunternehmers gegangen, dem Mandanten von Gül Pinar.

"Das hatte ich vermutet", so Pinar. "Ich beantrage eine Unterbrechung." Als die Richterin dem nicht zustimmt, folgt ein kurzes aber sehr lautes Wortgefecht. Pinar soll in der nächsten Pause die Gelegenheit erhalten, einen Antrag zu stellen. Man sei jetzt mitten in der Zeugenbefragung.

12.23 Uhr: Mittagspause

Dr. Voß's Befragung wird für die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr unterbrochen.

Christina Block mit ihren Anwälten auf den Weg in die Mittagspause. Die Steakhaus-Erbin soll heute "sehr angeschlagen" sein.
Christina Block mit ihren Anwälten auf den Weg in die Mittagspause. Die Steakhaus-Erbin soll heute "sehr angeschlagen" sein.  © Daniel Bockwoldt/dpa

12.15 Uhr: Chef-Entführer wollte aufhören

David B. gibt an, zwischenzeitlich habe er "aufhören" wollen, dies sei jedoch nicht geduldet worden. "Doch sie sagten 'Nein'", so B. Er und sein Team sollten weitermachen.

"Dr. C. war mehrfach derjenige, der uns gedrängt hat und uns immer wieder gefragt hat: Wann werden die Kinder zurück sein?", so B. Auch Christina Block habe in dieser Hinsicht Druck ausgeübt.

12.03 Uhr: "Da wussten wir, dass etwas ganz falsch gelaufen ist"

Dr. Voß fragt weiter, was der Zeuge damit gemeint habe, als er von einer "schlechten Beratung" durch Dr. C. gesprochen hat.

David B. hatte zuvor angegeben, Anfang Januar 2024 festgestellt zu haben, dass er von Dr. C. "schlecht beraten" worden sei. Nun möchte Voß wissen, worin dieser "schlechte Rat" konkret bestanden habe.

Der Zeuge erklärt, ihnen sei gesagt worden, dass sie, wenn sie die Kinder nach Deutschland zurückbrächten, keinen Ärger mit dem deutschen Staat bekommen würden. Zudem sei ihnen mitgeteilt worden, dass der "erste Entführungsversuch" keine größeren negativen Auswirkungen gehabt habe; aufgrund dessen habe man dieser Einschätzung vertraut.

Aus ihrer Perspektive sei die Entführung zunächst nicht als gescheitert anzusehen gewesen – bis zu dem Moment, als Christina Block ihnen mitgeteilt habe, dass "etwas sehr falsch" gelaufen sei und sie sofort Kontakt zu Dr. C aufnehmen müsse. "Daraus schloss ich, dass sein Rat kein guter war", so der Israeli.

"Als Christina aufgefordert wurde, die Kinder zurück nach Hamburg zu bringen, da wussten wir, dass etwas ganz falsch gelaufen ist", so B.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa-pool/dpa

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