Anwalt im Block-Prozess: "So verhält man sich nicht, wenn man sich versteckt"

Hamburg - Im Prozessmarathon im Fall Christina Block (52) stand am 39. Verhandlungstag ein eher wortkarger sowie genervter Zeuge im Mittelpunkt, der die Gemüter einiger Verteidiger deutlich erhitzte. Vor allem Dr. Marko Voß, Anwalt des angeklagten Familienanwalts, warf ihm vor, "nur Widersprüche zu produzieren". TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am Dienstag.
Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am Dienstag.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Auch zwischen Ingo Bott und dem Zeugen Matthias H. (43) kam es zeitweise zu Spannungen.

Als der Polizist Fragen mit dem Hinweis abwehrte, nicht mehr zuständig gewesen zu sein, entgegnete Bott: "Wir haben hier auch schon sehr engagierte Mitarbeiterinnen des ASD erlebt, die sich auch später noch mit ihren Fällen beschäftigt haben." Der Zeuge reagierte scharf: "Werfen Sie mir vor, nicht engagiert zu sein? Passen Sie auf, was Sie sagen."

Besondere Diskussionen löste erneut die Frage aus, ob die Anfang Januar 2024 – also kurz nach der Entführung der jüngsten Block-Kinder – von Eugen Block (85) engagierten Sicherheitskräfte bewaffnet gewesen seien oder nicht.

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Die Zeugin und Sicherheitsbeamtin Patricia W. (52) hatte bereits Ende Januar 2026 dazu vor Gericht ausgesagt: Sie habe am 1. Januar 2024 dem angeklagten Sicherheitsunternehmer den Auftrag erhalten, zwei Wohnhäuser – die von Eugen und Christina Block in Hamburg – zu sichern. Ziel sei gewesen, "Scherereien" zu verhindern und Unbefugte vom Gelände fernzuhalten; bewaffnet seien sie und ihr Team definitiv nicht gewesen.

In einem Vermerk des heutigen Zeugen aus dem Jahr 2025 – als eineinhalb Jahre nachdem Einsatz im Haus von Frau Block – findet sich jedoch der Hinweis, Patricia W. habe ihm gegenüber erklärt, sie und ihr Team seien bewaffnet gewesen. Kontrolliert habe er das damals aber nicht: "Das war für mich auf einem privaten Grundstück kein Thema".

Nebenklagevertreter Philip von der Meden (42) sagte dazu, dass es nicht entscheidend sei, ob jemand bewaffnet gewesen sei oder nicht, sondern wie die Kinder die Situation im Haus ihrer Mutter wahrgenommen hätten.

Update, 16 Uhr: 39. Verhandlungstag beendet

Pünktlich um 16 Uhr wird die Verhandlung unterbrochen. Der Prozess wird am Donnerstag, 19. März, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15.25 Uhr: Verhalten gleiche einer "Schulhofbande"

Nach der Pause wird die Inaugenscheinnahme fortgesetzt. Dabei werden weitere Überwachungsbilder gesichtet sowie zusätzliche Dokumente, darunter auch inzwischen teils inaktive Social-Media-Accounts der mutmaßlichen Entführer.

Dazu erklärt David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, das Social-Media-Verhalten der mutmaßlichen Entführer spreche deutlich gegen die Annahme, es habe sich um eine "hochprofessionelle, geheimdienstlich gesteuerte" Gruppe gehandelt. Jegliche Erwägung in diese Richtung sei "hinfällig".

Mit Blick auf Spekulationen, es könne sich um ehemalige Mossad-Agenten handeln, entgegnet Rieks, der Online-Auftritt wirke vielmehr wie der einer "Schulhofbande".

Update, 14.50 Uhr: "Auf den Fotos sieht man ganz deutlich, wie es wirklich war"

Jetzt ergreift Bott erneut das Wort und weist darauf hin, dass auch der in Untersuchungshaft sitzende Tal S. mehrfach unvermummt auf den Aufnahmen zu sehen sei.

Dieser hatte Ende Januar seine frühere Aussage korrigiert und ebenso wie David B. von dem Treffen kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 berichtet, bei dem Block den späteren Entführern dafür gedankt haben soll, "ihre Kinder zu retten".

Bott betont als Strafverteidiger und als Mensch, dass er nachvollziehen könne, warum Tal S. für seinen eigenen Vorteil oder den seiner Freunde so gehandelt habe. "Nur eine Sache wird dadurch nicht richtiger, dass man sie wiederholt – auch wenn sieben Leute etwas wiederholen. Auf den Fotos sieht man ganz deutlich, wie es wirklich war."

Der Verteidiger von Tal S. betont daraufhin: "Ob es ein Treffen mit Vermummten gab – das lässt sich aus diesen Bildern nicht entnehmen."

Es folgt eine zehnminütige Pause.

Update, 14.27 Uhr: Weiter gehts mit Bildern aus dem "Grand Elysée", "macht alles keinen Sinn"

Weiterhin werden Screenshots der Überwachungskameras aus dem Block-Hotel "Grand Elysée" vom 28. Dezember 2023 bis Anfang Januar 2024 in Augenschein genommen – diesmal werden sie für alle sichtbar an die Wand projiziert und nicht nur vorgelesen. Auf allen Bildern ist der Empfang des Hotels zu sehen.

Auf einigen sind auch die mutmaßlichen Entführer zu sehen. Es sei "ganz wichtig, was wir hier sehen", unterbricht Bott die Inaugenscheinnahme und kommt wieder auf das "vermeintlich meine Mandantin belastende" Treffen am 28. Dezember 2023, bei diesem sollen sich manche der mutmaßlichen Entführer nach Aussage von David B. "plötzlich" vermummt haben.

"Auf keinem dieser Bilder bedeckt jemand sein Gesicht. So verhält man sich nicht, wenn man sich versteckt. Das macht doch gar keinen Sinn. Niemand hat behauptet – nicht mal B. –, dass es ein Betretungsverbot für meine Mandantin gegeben hat. Wäre auch seltsam gewesen. Sie hätte jederzeit vorbeikommen und einen der Israelis sehen oder sprechen können."

Update, 14.09 Uhr: Screenshots werden in Augenschein genommen

Jetzt werden im Rahmen eines Beweisantrags einzelne Screenshots in Augenschein genommen. Es handelt sich um Chats zwischen dem angeklagten Sicherheitsbeamten und seiner Mitarbeiterin Patricia W. vom Anfang Januar 2024, als sie beauftragt war, das Haus von Christina Block in Hamburg zu sichern – während Theo und Klara nach der Entführung an Silvester 2023/24 für einige Tage wieder bei ihrer Mutter waren.

In den Nachrichten fallen unter anderem Sätze wie: "Bitte auch im Keller die Schlösser hereindrücken, damit die Kids nicht durchs Fenster gehen." Bott betont dazu, dass diese Chats nichts mit seiner Mandantin zu tun hätten und diese auch keine Kenntnis von deren Inhalten gehabt habe.

Update, 13.50 Uhr: "Das ist doch nicht zu glauben!"

Danach schweift Bott kurz von der Zeugenaussage ab und betont erneut, dass das Treffen der mutmaßlichen Entführer rund um Chef-Entführer David B. (68) Ende Dezember 2023 im Beisein von Frau Block im Hotel "Grand Elysée" nicht stattgefunden haben könne.

"Meine Mandantin soll dort eine Generalvollmacht erteilt haben, obwohl B. selbst gesagt hat, dass sie das 'wo, wie und wann' nicht wusste" Die Aussagen der Israelis dazu hätten weder Hand noch Fuß. "Um etwas zu planen, braucht man einen Vorsatz – und für einen Vorsatz muss man etwas wollen und dafür etwas wissen. Meine Mandantin wusste von nichts. Konnte sie gar nicht, weil es da nichts gab", so Bott weiter.

Er kommt dann doch noch einmal auf den Zeugen zurück: "Dieser hat einmal mehr gezeigt, dass es die strafrechtlichen Vorwürfe einfach nicht gibt." Hier geht der Verteidiger nochmal auf die Route ein, die in seinen Augen einen Umweg darstellt, wieder ein Widerspruch zu dem wie er seine Mandantin kennengelernt habe: "Sie ist eine Frau, die alles hinterfragt, jeden Tag 30 E-Mails schreibt, und dann lässt sie die Leute stundenlang durch die Pampa fahren?"

Anwalt Dr. Marko Voß betonte in seiner Stellungnahme, dass Matthias H. der Zeuge gewesen sei, der am "meisten gemauert" habe – "und das, obwohl er der ehemalige Ermittlungsleiter ist". Voß kritisierte, dass die Kammer viele andere Zeugen ermahnt habe, auf Wahrheit und Vollständigkeit zu achten, beim heutigen Zeugen jedoch nicht. "Und dann stellt sich die Frage: 'Warum wird denn so gefragt?'", so Voß, der noch einmal die seiner Meinung nach "dilettante Art" der Ermittlungen hervorhob.

Delling-Anwalt Dr. David Rieks betonte, dies sei eine Zeugenaussage, die auch über die Mittagspause hinweg nachwirke und zum 3. Januar 2024 sagte er: "Der Ermittlungsleiter des LKA sagt, die Straftat des Kindsvaters habe keine Rolle gespielt? Das ist doch nicht zu glauben, dass man da hinfährt, ohne zu fragen, wo die Kinder eigentlich hingehören."

Gerhard Delling (66, r.) mit seinem Anwalt Dr. David Rieks.
Gerhard Delling (66, r.) mit seinem Anwalt Dr. David Rieks.  © Marcus Brandt/dpa

Update, 13.36 Uhr: "Hätten wir jedes Mal einen Espresso getrunken [...] hätten wir einen Herzinfarkt"

Mit fünf Minuten Verspätung geht es nach der Pause mit den Stellungnahmen der Verteidiger zu der Zeugenaussage weiter.

Block-Anwalt Ingo Bott spricht von einer "diffusen und verschwommenen Zeugenaussage" und einem Zeugen der das meiste "en détail" nicht mehr erinnerte. "Hätten wir jedes Mal einen Espresso getrunken als er das gesagt hat, hätten wir jetzt einen Herzinfarkt".

Deutlich sei jedoch geworden, dass seine Mandantin am 3. Januar 2024 entgegen der Aussage des Zeugen eine Begutachtung und Kontaktaufnahme mit den Kindern ermöglicht habe – wenn auch "situationsabhängig" und stets sensibel für das Kindeswohl. "Sie hat also genau das ermöglicht, was Herr Hensel seit viereinhalb Jahren verweigert: eine Begutachtung der Kinder", betonte Bott.

Update, 12.10 Uhr: Mittagspause

Die Zeugenbefragung von Matthias H. ist beendet. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.

Update, 12.07 Uhr: Anwalt geht Zeugen an

Nach den Fragen des Familienanwalts von Stephan Hensel, Gerd Uecker ("Wussten Sie, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht schon am 2. Januar 2024 vom dänischen Gericht allein dem Vater übertragen wurde?" – "Ich erinnere mich nicht aktiv"), übernimmt erneut der Anwalt des Block-Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Marko Voß.

Sichtlich aufgebracht wirft er dem Zeugen vor, "derart viele Widersprüche zu produzieren". Die Richterin ermahnt ihn, keine Vorwürfe an den Zeugen zu richten; das sei nicht seine Aufgabe und "deplatziert".

Erneut geht es um die angebliche Bewaffnung der Sicherheitsbeamten, von der keiner der anderen vor Ort eingesetzten Polizisten etwas gesehen oder gehört haben will.

"Erst sagen Sie, Sie haben darüber mit niemandem außer Frau W. gesprochen, und dann sagen Sie, es habe eine Nachbesprechung gegeben, in der die Bewaffnung Thema war – erklären Sie das mal", so Voß. "Es gab keine richtige Nachbesprechung, aber man redet natürlich mit seinen Kollegen über den Einsatz."

Update, 11.45 Uhr: Es geht nochmal um die Bewaffnung

Jetzt geht es noch einmal um die Bewaffnung der Sicherheitsbeamten, die am 3. Januar 2024 mit der "äußeren Gebäudesicherung" des Hauses von Christina Blocks beauftragt waren.

Die Anwältin des Sicherheitsunternehmers hält dem wortkargen Zeugen seinen eigenen Vermerk aus dem Juli 2025 vor, den er im Auftrag der Staatsanwaltschaft gefertigt habe. "Warum dann erst?" – "Weil er gefehlt hat", so der Zeuge.

Darin heißt es: "Man wolle eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei gewährleisten, zumal sie verdeckt Waffen trügen."

"Sie – die Polizei?", hakt die Anwältin noch einmal nach, ob damit nicht auch gemeint sein könnte, dass die Polizei bewaffnet war. "Nee 'sie', die Mitarbeiter", so der Zeuge.

"Warum denken Sie, war die Bewaffnung eineinhalb Jahre später Thema für die Staatsanwaltschaft?", will die Anwältin weiter wissen. "Das habe ich nicht weiter hinterfragt", so der Zeuge.

Auch am 39. Verhandlungstag war die Stimmung in Saal 237 teilweise wieder sehr angespannt.
Auch am 39. Verhandlungstag war die Stimmung in Saal 237 teilweise wieder sehr angespannt.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 11.30 Uhr: "Warum schütteln Sie den Kopf?"

Danach stellt der Anwalt von Gerhard Delling (66) seine Fragen; die Vernehmung fällt jedoch kurz aus, weil sich der Zeuge kaum an etwas erinnert. Es folgt die Befragung durch die Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers.

"Haben Sie etwas vom Einsperren vernommen? Dass die Kinder eingesperrt wurden?" – "Nein."
"Andere Delikte in diese Richtung?" – "Nein."
"Dass Sicherheitskräfte polizeiliche Maßnahmen verhindert hätten?" – "Nein".

Der Zeuge wirkt zunehmend genervt und antwortet häufig nur noch einsilbig. Zwischendurch wendet er sich an den Anwalt des Familienanwalts und fragt: "Warum schütteln Sie den Kopf?" Dieser entgegnet: "Wie ich meinen Kopf bewege, ist meine Sache. Sie sind hier als Zeuge – vergessen Sie das nicht."

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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