Anwalt ruft im Block-Prozess: "Ich bestreite, dass der Zeuge einen Sachverstand hat"

Hamburg - Am Montag wird der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Am 32. Verhandlungstag soll als einziger Zeuge der Kinderpsychologe Dr. Stefan R. aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Christina Block (52) zusammen mit Partner und mitangeklagtem Gerhard Delling (66) am Montag auf dem Weg zum Gericht.
Christina Block (52) zusammen mit Partner und mitangeklagtem Gerhard Delling (66) am Montag auf dem Weg zum Gericht.  © Markus Scholz/dpa

Update, 12.20 Uhr: Mittagspause

"Könnte es nicht auch sein, dass Greta von ihrer Mutter beeinflusst worden ist?", will die Staatsanwältin wissen und bezog sich dabei auf Rs. Aussage, die zweitälteste Tochter von Block und Hensel als "authentische" Zeugin einzustufen.

"Das kann sein; den Eindruck hatte ich aber nicht. Was sie geschildert hat, hatte nichts damit zu tun, was die Mutter hier erlitten hat", antwortete der Psychologe.

Die Staatsanwältin beharrte darauf, dass weder der Psychologe noch das Jugendamt vor der Entführung mit Theo und Klara gesprochen hätten. Daraufhin widersprach der Verteidiger von Gerhard Delling: "Das Jugendamt hat vor 2021 regelmäßig mit den Kindern gesprochen", erklärte Dr. Rieks.

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.

Update, 12.05 Uhr: "Für mich war das jetzt auch ehrlicherweise nicht so etwas Besonderes"

Die Staatsanwaltschaft fragte, ob nicht gerade die Umstände der Rückkehr für eine Beurteilung wichtig gewesen seien.

"Das mag sein, dass es für Sie unverständlich ist, dass ich mich nicht vertieft habe, aber Sie müssen bedenken, dass ich zig Fälle teils ähnlicher Art betreue. Für mich war das jetzt auch ehrlicherweise nicht so etwas Besonderes", so der Zeuge.

Update, 12 Uhr: Anzeichen einer Traumatisierung konnte der Zeuge nicht feststellen

Anzeichen einer Traumatisierung habe er aus seinen Beobachtungen heraus nicht feststellen können. "Aber man muss dazu sagen, dass die Kinder ja nicht mit mir gesprochen haben – das hätte meine Einschätzung natürlich erleichtert", erklärte R.

Erste deutliche Signale wie starke Verängstigung oder Angststarre habe er nicht wahrgenommen.

Er betonte: "Ich prüfe immer sorgfältig, welche Seite ich unterstütze. Ich lehne etwa 20 Prozent der Anfragen ab, wenn ich merke, dass keine kindessensiblen Motive zugrunde liegen." Bei Frau Block sei dies jedoch nicht der Fall gewesen.

Nach den Besuchen im Januar habe er nur noch kurz Kontakt zu Block und Delling gehabt. Bei beiden habe – "verständlicherweise" – Entsetzen und Empörung darüber geherrscht, dass die Kinder nun wieder in Dänemark sind.

Update, 11.45 Uhr: Zeuge will von einer gewaltsamen Entführung nichts gewusst haben

Nun geht es um die Zeit nach der Entführung. Dr. R. sei am 3. Januar 2024 von Gerhard Delling angerufen und gebeten worden, vorbeizukommen.

"Ich wurde von Frau Block gebeten, die Kinder anzusprechen. Ich wusste dann, in welchem Zimmer sie waren, habe mich vorgestellt und ihnen angeboten, mit mir zu sprechen. Das wollten sie aber nicht – besonders das Mädchen war sehr zurückhaltend, der Junge nicht so sehr", so der Zeuge.

Er habe dann gefragt, ob er irgendetwas tun könne. Klara soll geantwortet haben: "Nach Dänemark kannst du uns ja sicherlich nicht fahren." Außerdem habe sie gesagt, sie vermisse ihre jüngere Halbschwester, die Tochter von Hensel und seiner neuen Partnerin Astrid Have.

Später am Tag sei er erneut vorbeigekommen. Die Situation sei nun "völlig anders als noch wenige Stunden zuvor" gewesen: Beide Kinder hätten mit ihrer Mutter auf dem Sofa gesessen und "fröhlich" Kleidung bestellt. "Sie wirkten gelöster, besonders Theo zeigte sich aufgeschlossener als seine Schwester", so R.

Von einer gewaltsamen Entführung habe er nichts gewusst. Frau Block habe ihm lediglich erzählt, sie habe einen Anruf erhalten, in dem man ihr gesagt habe, sie könne ihre Kinder abholen. Mehr sei zu diesem Zeitpunkt kein Thema gewesen. Erst kurz vor dem Prozess habe er erfahren, was genau passiert sei.

Update, 11.30 Uhr: Block und der Zeuge warteten an einer Tankstelle auf die Kinder

Die Richterin zeigt Fotos, die den Kinderpsychologen R. am 8. und 9. November 2022 vor einem Hotel in Sønderborg zeigen.

Demnach reiste der Kinderpsychologe R. zusammen mit Christina Block nach Dänemark und übernachtete dort gemeinsam mit Blocks Mutter, Bruder und einer deutschen Polizistin. Ziel sei es gewesen, dass Block in Ruhe mit ihren Kindern sprechen konnte, um zu klären, ob diese in Dänemark bleiben wollten, so der Zeuge.

R. schilderte, dass sie an einer Tankstelle auf die Kinder warteten. "Aber sie kamen nicht aus dem Haus", so der Zeuge. Als plötzlich Polizei mit Blaulicht eintraf, entschieden sie, wieder nach Deutschland zurückzufahren. Auf Nachfrage erklärte R., dass er nicht wisse, warum die Polizei erschien, dass er aber wusste, dass die Kinder Notfallknöpfe bei sich trugen.

Update, 11.10 Uhr: "Ich bestreite, dass der Zeuge einen Sachverstand hat"

Dr. Philip von der Meden, Anwalt von Stephan Hensel, unterbricht die Befragung und beanstandet, dass der Psychologe nicht als Sachverständiger geladen sei und daher bestimmte Fragen anders beantworten müsse. Nach längerer Diskussion ruft er schließlich: "Ich bestreite, dass der Zeuge einen Sachverstand hat." Lautes Raunen im Saal.

Die Richterin rügt den Anwalt: "Das ist eine polemische Äußerung." Viele Verteidiger protestierten, woraufhin die Vorsitzende klarstellte: "Die Aussage ist von seiner Meinungsfreiheit gedeckt".

Update. 11.05 Uhr: Älteste Tochter soll "Komplizin" ihres Vaters gewesen sein

"War es für Sie eine feststehende Tatsache, dass Herr Hensel die Kinder entfremdet hat?", fragt die Richterin nach der Pause. "Zumindest beeinflusst", antwortete R. Die im Raum stehenden Gewaltvorwürfe habe niemand, auch Institutionen wie das Jugendamt, bestätigen können.

Zudem hätten die Aussagen der Kinder, die beim Familiengericht vorgelegt wurden, ergeben, dass diese nicht "erlebnisorientiert" seien, sondern einem Narrativ folgten.

Die zweitälteste Tochter von Block und Hensel, Greta, die dauerhaft bei ihrer Mutter in Hamburg lebt, habe ihm zudem "authentisch" erklärt, dass die Vorwürfe nicht stimmen. Außerdem habe ihre ältere Schwester Johanna versucht, sie dahingehend zu beeinflussen, dass auch sie diese Vorwürfe äußere.

Dies habe den Psychologen dazu veranlasst, Johanna als "Komplizin" ihres Vaters einzustufen. Ältere Geschwister beeinflussten jüngere oft, so R.

Als Grundlage für Johannas mutmaßliches Handeln sieht R. die "Rivalität zwischen Mutter und Tochter", die 2021 auch zu Johannas freiwilligem Umzug zu ihrem Vater nach Dänemark geführt haben soll.

Update, 10.50 Uhr: "Rückholungskonzept" sah Transport in Kleinbus vor

Die Richterin zitiert nun Auszüge aus dem von R. verfassten "Rückholungskonzept", in dem unter anderem ein "Kleinbus" vorgesehen war, mit dem die Kinder nach der dänischen Grenze transportiert werden sollten. "Damit sich die Kinder bewegen können, das ist in einem Pkw kaum möglich", erläuterte der Zeuge.

Auf die Frage der Richterin, ob die Rückführung auf der Vorstellung beruht habe, dass die Kinder von der Mutter zurückgebracht würden, antwortete R.: "Ja, alles unter der Voraussetzung, dass die Kinder mitwollen."

Zur Erinnerung: Die Kinder waren in der Silvesternacht 23/24 nach der Grenze tatsächlich mit einem Wohnmobil nach Süddeutschland gebracht worden.

Es folgt eine kurze Pause.

Update, 10.40 Uhr: "'Niemandsland' ist nicht meine Formulierung"

Anschließend geht es um Notizen von Christina Block. Darin hatte sie festgehalten, der Kinderpsychologe habe ihr geraten, mit den Kindern zunächst "eine gewisse Zeit im Niemandsland" zu verbringen, bevor sie nach Hamburg zurückkehrten.

"'Niemandsland' ist nicht meine Formulierung", stellte R. klar. Es könne jedoch hilfreich sein, wenn eine Rückführung nicht durch das "verteufelte" Elternteil erfolge, sondern durch ein anderes vertrautes Familienmitglied, etwa die Großeltern. Er habe zudem zu gemeinsamen Aktivitäten geraten – etwa Freizeitparkbesuchen oder Geburtstagsfeiern –, also zu Situationen, "die nichts mit dem elterlichen Konflikt zu tun haben".

Mit Blick auf eine mögliche Fluchtgefahr der Kinder habe er Frau Block geraten, bei einer Rückkehr auf deren Sicherheit zu achten, etwa Türen geschlossen zu halten und sie nachts nicht herauszulassen. "Kinder könnten noch das Narrativ des anderen beeinflussenden Elternteils im Kopf haben. Es gibt Fälle, in denen Kinder eine Stimme im Hinterkopf haben, die ihnen sagt: 'Lauf weg'."

Update, 10.34 Uhr: Entführung war für den Zeugen nie ein Thema

Für den Psychologen habe es nie zur Disposition gestanden, dass Christina Block ihre Kinder entführen könnte. "Das war für mich gar nicht vorstellbar – vielleicht war ich nachträglich an dieser Stelle unaufmerksam –, aber für mich hatte Frau Block sowohl das Aufenthaltsbestimmungsrecht als auch das Sorgerecht", so der Zeuge.

Dass man sich auf einem rechtmäßigen Weg befinde, sei ihm zudem mehrfach von Christina Block selbst sowie von ihrem Anwalt, Dr. Andreas C., versichert worden.

Stephan Hensel (51), Ex-Mann von Christina Block und Vater ihrer Kinder, zusammen mit seinem Anwalt, Dr. Philip von der Meden (42).
Stephan Hensel (51), Ex-Mann von Christina Block und Vater ihrer Kinder, zusammen mit seinem Anwalt, Dr. Philip von der Meden (42).  © Georg Wendt/dpa

Update, 10.19 Uhr: "Ich habe Frau Block als eingeschüchtert erlebt"

Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für Christina Block habe er Kontakt zu mehreren Beteiligten gehabt, darunter zu Gerhard Delling und dem mitangeklagten Familienanwalt der Familie Block, Dr. Andreas C. "Ich bin vielen Personen begegnet, die verzweifelt nach Wegen gesucht haben, die Situation positiv zu lösen", so der Zeuge.

Es sei auch zu einem Telefonat mit Eugen Block (65) gekommen. Zudem habe er Kontakt zu dem ehemaligen Polizeibeamten Thorsten M. von der Sicherheitsfirma "System 360 Grad" gehabt. Diese Firma soll die Unternehmerin bereits 2022 damit beauftragt haben, die Kinder aus Dänemark zurückzuholen.

Mit Unterstützung von Thorsten M. und weiteren Polizeibeamten sei er zudem einmal gemeinsam mit Frau Block nach Dänemark gereist, um sie "zu stabilisieren" und ihr beizustehen. "Ich habe Frau Block als eingeschüchtert erlebt", sagt der Psychologe. Sie habe den Wunsch gehabt, ihre Kinder noch einmal zu sprechen, um zu klären, ob sie tatsächlich nicht mehr nach Hause wollten. "Allein hat sie sich das jedoch nicht zugetraut", so R.

Man habe vor allem Angst vor dem Verhalten von Stephan Hensel (51) gehabt. Im Vorfeld habe Frau Block ihm unter anderem von aggressivem und "aufbrausendem" Verhalten ihres Ex-Mannes berichtet.

Titelfoto: Markus Scholz/dpa

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