Block-Prozess: Mutmaßlicher Chef-Entführer sagt weiter aus

Hamburg - Nachdem der letzte Termin am vergangenen Donnerstag krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt werden musste, wurde der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) am Montag fortgesetzt. Überraschend wurde am 30. Verhandlungstag die Zeugenaussage von David B. (68) fortgesetzt. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) kommt am 30. Verhandlungstag zusammen mit ihrem Partner Gerhard Delling (66) beim Hamburger Landgericht an. Der Ex-Sportmoderator ist wegen Beihilfe ebenfalls angeklagt.
Christina Block (52) kommt am 30. Verhandlungstag zusammen mit ihrem Partner Gerhard Delling (66) beim Hamburger Landgericht an. Der Ex-Sportmoderator ist wegen Beihilfe ebenfalls angeklagt.  © Christian Charisius/dpa

Zunächst hatte das Gericht lediglich die Vernehmung einer Mitarbeiterin des angeklagten Sicherheitsunternehmers P. angekündigt, die kurz nach der Entführung von Theo und Klara in der Silvesternacht 23/24 engagiert worden war.

Diese Befragung nahm jedoch nahezu den gesamten Prozesstag in Anspruch.

Die Mitarbeiterin erklärte unter anderem, sie und ihre Kollegen seien entgegen anderslautender Behauptungen nicht bewaffnet gewesen.

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Ihre Aufgabe habe vom 2. bis zum 5. Januar 2024 vor allem darin bestanden, zu kontrollieren, wer die Grundstücke von Eugen Block und Christina Block in Hamburg betrete, und diese unter anderem vor der anwesenden Presse zu schützen.

Die Vernehmung von David B. begann erst gegen 14 Uhr. Sie konzentrierte sich vor allem auf seinen Kontakt zu Dr. August Hanning, dem Ex-Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes.

B. betonte dabei erneut, dass die "Mission" sowohl bei seinem eigenen Auftrag als auch bereits beim mutmaßlich ersten Entführungsversuch durch Mitarbeitende der Firma "System 360 Grad" im Jahr 2022 darin bestanden habe, die Block-Kinder zurück nach Deutschland zu holen.

Update, 15.59 Uhr: Familienanwalt sollte sich bei Stephan Hensel entschuldigen

In dem Notizbuch findet sich zudem ein "11-Punkte-Plan", mit dem B. nach eigener Aussage die Konflikte zwischen Stephan Hensel und der Familie Block habe lösen wollen.

B. schildert, er habe Christina Block als eine "gute Person" wahrgenommen, die bereit gewesen sei, alles zu tun, was sinnvoll erscheine, um eine Einigung zu erzielen und die Probleme zu lösen. Dennoch habe sie zunächst gezögert, sich später jedoch auf den Plan eingelassen. Dr. C. sei dem Vorschlag gegenüber ebenfalls offen gewesen, habe jedoch angemerkt, "dass die andere Seite – der Vater der Kinder – dies nicht akzeptieren werde".

Auf die Frage der Richterin, was aus dem Vereinbarungsvorschlag geworden sei, spricht B. von einem "großen, großen Punkt". Er habe wirklich gewollt, dass der Plan erfolgreich sei. Damit dieser gelingt habe er jedoch Dr. C. erklärt, dass dieser direkt mit Stephan Hensel sprechen und den Kontakt zu ihm suchen müsste.

B. sagt, er habe Dr. C. darauf hingewiesen, dass Stephan Hensel den Familienanwalt als denjenigen ansehe, der ihn aus der Familie und der Firma [die Block-Gruppe] "entfernt" habe, und dass seine Wut auf Dr. Andreas C. Teil des gesamten Konflikts sei. Er habe ihm geraten, sich bei Hensel zu entschuldigen.

Zu seiner Überraschung habe dieser sich dazu bereit erklärt. Beide seien anschließend in eine Stadt nahe der dänischen Grenze gefahren. Stephan Hensel habe jedoch nicht mit ihm sprechen wollen.

Die Hauptverhandlung ist beendet und wird am Dienstag um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Stephan Hensel (51) zusammen mit seinem Anwalt Christoph Henckel (l.)
Stephan Hensel (51) zusammen mit seinem Anwalt Christoph Henckel (l.)  © Marcus Brandt/dpa

Update, 15.47 Uhr: "Der Patriarch" rief an

Im Eintrag vom 5. Mai 2023 taucht auch das Wort "der Patriarch" auf – so wird Eugen Block von vielen der Beteiligten genannt. B. will Eugen Block im April oder Mai 2023 kennengelernt haben.

"Stehen diese Notizen in Zusammenhang mit einem Treffen mit Eugen Block?", fragt die Richterin. "Das ist eine Zusammenfassung eines Meetings, das ich mit Dr. Andreas C. hatte. Es kann gut sein, dass ich Eugen Block am selben Tag kennengelernt habe", antwortet B.

In dem Treffen sei es darum gegangen, dass eines der Verfahren in Dänemark verloren worden sei und es nun auch einen neuen Anwalt gebe. In der Mitte des Meetings habe Dr. C. einen Telefonanruf vom "Patriarchen" erhalten – also von Eugen Block –, weshalb dieses Wort auch in B.s Notizbuch vermerkt sei.

Update, 15.17 Uhr: "Wenn sie das sagt, wird das ganz sicher wahr sein"

Unter anderem findet sich in dem Notizbuch auch Christina Blocks Handschrift. Nach eigener Aussage habe Block dort den Kontakt zu Thorsten M. von der Sicherheitsfirma "System 360 Grad" eingetragen.

"Ich erinnere mich nicht mehr, aber wenn sie das sagt, wird das ganz sicher wahr sein", erklärt B.

"System 360 Grad" ist die Sicherheitsfirma von Hanning, die mutmaßlich den ersten Entführungsversuch in Dänemark unternommen haben soll. Von Anfang an sei die Mission gewesen, die Kinder aus Dänemark zurückzubringen, betonte B. erneut.

Update, 14.46 Uhr: Notizbuch von David B. wird an die Wand geworfen

Nun geht es um "einen weiteren Entführungsversuch" im Jahr 2022, der laut B. fehlgeschlagen sei und von dem ihm Dr. Hanning berichtet habe. Die Richterin fragt nach: Habe Hanning ihm erklärt, was die beteiligten Personen vor Ort konkret getan hätten?

"Ich erinnere mich nicht daran", antwortet B. Er wisse nur noch, dass einige der Beteiligten ehemalige Polizisten gewesen seien, die inzwischen für deutsche Sicherheitsfirmen arbeiteten. Der Auftrag sei laut seinen Erinnerungen von der Familie Block erteilt worden.

Bezüglich Dr. Hanning hakt die Richterin weiter nach und bezieht sich dabei auf Notizen aus Bs Notizbuch, das 2024 von der Polizei auf dem Bauernhof in Süddeutschland sichergestellt worden war.

Die entsprechenden Einträge werden für alle Verfahrensbeteiligten per Projektor an eine Wand geworfen. Viele der Einträge hätten aber gar nichts mit dem Block-Fall zu tun, sondern mit der Lettland/Hanning-Geschichte.

Update, 14.21 Uhr: Ex-BND-Chef ist Israel "berühmt"

Es geht weiter. Die Richterin greift eine frühere Aussage B.s auf, in der er erklärt hatte, Dr. August Hanning sei in Israel "berühmt" gewesen. "Inwiefern berühmt?", will Richterin Hildebrandt wissen.

B. antwortet: "Er war der Leiter des BND, und er war befreundet mit dem Leiter derselben Institution in Israel." Daher sei Hanning auch in seinem Freundeskreis bekannt gewesen, so der Ex-Mossad-Agent.

In diesem Zusammenhang habe er auch den Inhaber des Bauernhofes in Süddeutschland kennengelernt, Herrn V, auf dessen Hof im Januar 2024 die Block-Kinder nach der Entführung gebracht worden sind. V. sei ein Bekannter von Hanning gewesen.

Anschließend kommt die Richterin auf das Wohnmobil zu sprechen, mit dem Theo und Klara nach Süddeutschland gebracht worden sind "Ich campe gerne, und ich hatte den Traum, mit einem Wohnmobil durch Europa zu reisen", erklärt B. den Besitz dessen.

"Woher hatten Sie das Wohnmobil denn?", fragt die Richterin, die dabei leicht genervt wirkt, weil sie B. vieles "aus der Nase ziehen" müsse. "Ich habe Herrn V. gebeten, mir eines zu besorgen", antwortet der Zeuge.

Wie das Wohnmobil schließlich nach Hamburg gekommen sei, könne er nicht genau sagen. "Ich glaube, es war Sandra", sagt B. und meint damit mutmaßlich die Tochter von Herrn V. Wann genau das gewesen sei, erinnere er nicht. Das Wohnmobil war in der Nähe des "Grand Elysée"-Hotel ausgebaut worden.

Auch wisse er nicht mehr, wie die Decken für die Kinder ins Wohnmobil gelangt seien. "Dafür war ich nicht zuständig, das war Keren", so B.

Update, 14.05 Uhr: David B. sagt weiter aus

Die erneute Zeugenbefragung von David B. (68) beginnt. Der Chef der israelischen IT-Sicherheitsfirma "Cyber Cupula" hatte bereits an drei vergangenen Prozessterminen ausgesagt.

Die Richterin steigt sofort wieder ein und fragt B. nach seinem Kontakt zu Dr. August Hanning, dem ehemaligen BND-Chef, und warum der Zeuge Alon S. ihm Hanning überhaupt vorgestellt habe.

B. antwortet: "Er wurde mir vor ungefähr drei Jahren zuerst als Kunde vorgestellt, weil es ein Problem in einer früheren Position von ihm gegeben haben soll." Es sei um Ländereien in Lettland gegangen.

Aufgrund von technischer Probleme wird die Befragung prompt wieder unterbrochen. Es folgen 15 Minuten Pause.

Update, 13.54 Uhr: Fortsetzung verzögert sich

Die Fortsetzung des Prozesses verzögert sich wieder aufgrund der zusätzlichen Sicherheitskontrollen.

Update, 13.09 Uhr: Christina Block erhält Brief von "Demonstrierenden"

Christina Block erhielt noch vor Prozessbeginn einen Brief von Demonstrierenden vor dem Gerichtsgebäude. Dabei handelt es sich um Mitglieder des Vereins "Familienschutz Leana für Gerechtigkeit und gegen Willkür", die heute einen Infostand vor dem Hamburger Landgericht aufgebaut hatten, bis die Polizei ihn auflöste.

Zuvor sollen die Mitglieder auch von der vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt scharf kritisiert worden sein, wie TAG24 vor Ort erfuhr. Immer wieder halten Bürgerinnen und Bürger Plakate vor dem Gerichtsgebäude hoch, um Christina Block ihre Unterstützung zu zeigen und auf Themen wie die Entfremdung von Kindern aufmerksam zu machen.

Allerdings sind solche nicht angemeldeten Aktionen vor dem Gericht strafbar und werden in der Regel schnell von der Polizei beendet.

Christina Block mit dem ihr überreichten Brief am Montagmorgen vor dem Hamburger Landgericht.
Christina Block mit dem ihr überreichten Brief am Montagmorgen vor dem Hamburger Landgericht.  © Citynewstv

Update. 12.18 Uhr: "Die Polizei hat nicht für Recht und Ordnung gesorgt"

Rechtsanwältin Gül Pinar sprach von einem "ganz besonderen Tag für ihren Mandanten": "Ich glaube, alle konnten mitbekommen, dass die Polizei vor Ort nicht für Recht und Ordnung gesorgt hat, sondern stattdessen nur externe Dienstleister."

Die Mitarbeiterin seines Mandanten habe im Falle von zum Beispiel aufdringlichen Pressevertreter die Polizei rufen müssen. Gleichzeitig betonte Pinar, dass nichts Verbotenes geschehen sei und nichts vor der Polizei verheimlicht worden sei.

Auch der Verteidiger von Gerhard Delling, Dr. David Rieks, betonte, dass die Aussage der Zeugin heute endgültig bestätigt habe, dass dieser nicht dazu beigetragen habe, die Kinder einzusperren. Die Sicherheitsmaßnahmen dienten demnach nicht der Einsperrung der Kinder, sondern ihrem Schutz vor dem Andrang der Presse.

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.50 Uhr.

Update, 11.55 Uhr: "Mythen in diesem Verfahren zu entzaubern"

Die Zeugenbefragung ist beendet. Es folgen Stellungnahmen der Verteidiger.

Der Nebenklagevertreter erklärte, die Aussage der Zeugin habe zentrale Widersprüche in der Darstellung von Herrn P. aufgezeigt. So sei etwa eine mögliche Fluchtgefahr der Kinder über die Fenster im Keller für die Zeugin kein Thema gewesen, und P. habe behauptet, erst nach 16 Uhr am 2. Januar von der Rückführung der Kinder erfahren zu haben.

Die Zeugin hingegen habe ausgesagt, dass bereits bei der Beauftragung klar gewesen sei, dass die Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Hamburg zurückkehren würden.

Laut Block-Anwalt Ingo Bott diene die Aussage von W. dazu, "Mythen in diesem Verfahren zu entzaubern", insbesondere den Vorwurf, es sei darum gegangen, die Kinder im Haus von Frau Block festzuhalten.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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