Block-Prozess: Mutmaßlicher Chef-Entführer sagt weiter aus
Hamburg - Nachdem der letzte Termin am vergangenen Donnerstag krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt werden musste, wurde der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) am Montag fortgesetzt. Überraschend wurde am 30. Verhandlungstag die Zeugenaussage von David B. (68) fortgesetzt. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.
Zunächst hatte das Gericht lediglich die Vernehmung einer Mitarbeiterin des angeklagten Sicherheitsunternehmers P. angekündigt, die kurz nach der Entführung von Theo und Klara in der Silvesternacht 23/24 engagiert worden war.
Diese Befragung nahm jedoch nahezu den gesamten Prozesstag in Anspruch.
Die Mitarbeiterin erklärte unter anderem, sie und ihre Kollegen seien entgegen anderslautender Behauptungen nicht bewaffnet gewesen.
Ihre Aufgabe habe vom 2. bis zum 5. Januar 2024 vor allem darin bestanden, zu kontrollieren, wer die Grundstücke von Eugen Block und Christina Block in Hamburg betrete, und diese unter anderem vor der anwesenden Presse zu schützen.
Die Vernehmung von David B. begann erst gegen 14 Uhr. Sie konzentrierte sich vor allem auf seinen Kontakt zu Dr. August Hanning, dem Ex-Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes.
B. betonte dabei erneut, dass die "Mission" sowohl bei seinem eigenen Auftrag als auch bereits beim mutmaßlich ersten Entführungsversuch durch Mitarbeitende der Firma "System 360 Grad" im Jahr 2022 darin bestanden habe, die Block-Kinder zurück nach Deutschland zu holen.
Update, 15.59 Uhr: Familienanwalt sollte sich bei Stephan Hensel entschuldigen
In dem Notizbuch findet sich zudem ein "11-Punkte-Plan", mit dem B. nach eigener Aussage die Konflikte zwischen Stephan Hensel und der Familie Block habe lösen wollen.
B. schildert, er habe Christina Block als eine "gute Person" wahrgenommen, die bereit gewesen sei, alles zu tun, was sinnvoll erscheine, um eine Einigung zu erzielen und die Probleme zu lösen. Dennoch habe sie zunächst gezögert, sich später jedoch auf den Plan eingelassen. Dr. C. sei dem Vorschlag gegenüber ebenfalls offen gewesen, habe jedoch angemerkt, "dass die andere Seite – der Vater der Kinder – dies nicht akzeptieren werde".
Auf die Frage der Richterin, was aus dem Vereinbarungsvorschlag geworden sei, spricht B. von einem "großen, großen Punkt". Er habe wirklich gewollt, dass der Plan erfolgreich sei. Damit dieser gelingt habe er jedoch Dr. C. erklärt, dass dieser direkt mit Stephan Hensel sprechen und den Kontakt zu ihm suchen müsste.
B. sagt, er habe Dr. C. darauf hingewiesen, dass Stephan Hensel den Familienanwalt als denjenigen ansehe, der ihn aus der Familie und der Firma [die Block-Gruppe] "entfernt" habe, und dass seine Wut auf Dr. Andreas C. Teil des gesamten Konflikts sei. Er habe ihm geraten, sich bei Hensel zu entschuldigen.
Zu seiner Überraschung habe dieser sich dazu bereit erklärt. Beide seien anschließend in eine Stadt nahe der dänischen Grenze gefahren. Stephan Hensel habe jedoch nicht mit ihm sprechen wollen.
Die Hauptverhandlung ist beendet und wird am Dienstag um 9.30 Uhr fortgesetzt.
Update, 15.47 Uhr: "Der Patriarch" rief an
Im Eintrag vom 5. Mai 2023 taucht auch das Wort "der Patriarch" auf – so wird Eugen Block von vielen der Beteiligten genannt. B. will Eugen Block im April oder Mai 2023 kennengelernt haben.
"Stehen diese Notizen in Zusammenhang mit einem Treffen mit Eugen Block?", fragt die Richterin. "Das ist eine Zusammenfassung eines Meetings, das ich mit Dr. Andreas C. hatte. Es kann gut sein, dass ich Eugen Block am selben Tag kennengelernt habe", antwortet B.
In dem Treffen sei es darum gegangen, dass eines der Verfahren in Dänemark verloren worden sei und es nun auch einen neuen Anwalt gebe. In der Mitte des Meetings habe Dr. C. einen Telefonanruf vom "Patriarchen" erhalten – also von Eugen Block –, weshalb dieses Wort auch in B.s Notizbuch vermerkt sei.
Update, 15.17 Uhr: "Wenn sie das sagt, wird das ganz sicher wahr sein"
Unter anderem findet sich in dem Notizbuch auch Christina Blocks Handschrift. Nach eigener Aussage habe Block dort den Kontakt zu Thorsten M. von der Sicherheitsfirma "System 360 Grad" eingetragen.
"Ich erinnere mich nicht mehr, aber wenn sie das sagt, wird das ganz sicher wahr sein", erklärt B.
"System 360 Grad" ist die Sicherheitsfirma von Hanning, die mutmaßlich den ersten Entführungsversuch in Dänemark unternommen haben soll. Von Anfang an sei die Mission gewesen, die Kinder aus Dänemark zurückzubringen, betonte B. erneut.
Update, 14.46 Uhr: Notizbuch von David B. wird an die Wand geworfen
Nun geht es um "einen weiteren Entführungsversuch" im Jahr 2022, der laut B. fehlgeschlagen sei und von dem ihm Dr. Hanning berichtet habe. Die Richterin fragt nach: Habe Hanning ihm erklärt, was die beteiligten Personen vor Ort konkret getan hätten?
"Ich erinnere mich nicht daran", antwortet B. Er wisse nur noch, dass einige der Beteiligten ehemalige Polizisten gewesen seien, die inzwischen für deutsche Sicherheitsfirmen arbeiteten. Der Auftrag sei laut seinen Erinnerungen von der Familie Block erteilt worden.
Bezüglich Dr. Hanning hakt die Richterin weiter nach und bezieht sich dabei auf Notizen aus Bs Notizbuch, das 2024 von der Polizei auf dem Bauernhof in Süddeutschland sichergestellt worden war.
Die entsprechenden Einträge werden für alle Verfahrensbeteiligten per Projektor an eine Wand geworfen. Viele der Einträge hätten aber gar nichts mit dem Block-Fall zu tun, sondern mit der Lettland/Hanning-Geschichte.
Update, 14.21 Uhr: Ex-BND-Chef ist Israel "berühmt"
Es geht weiter. Die Richterin greift eine frühere Aussage B.s auf, in der er erklärt hatte, Dr. August Hanning sei in Israel "berühmt" gewesen. "Inwiefern berühmt?", will Richterin Hildebrandt wissen.
B. antwortet: "Er war der Leiter des BND, und er war befreundet mit dem Leiter derselben Institution in Israel." Daher sei Hanning auch in seinem Freundeskreis bekannt gewesen, so der Ex-Mossad-Agent.
In diesem Zusammenhang habe er auch den Inhaber des Bauernhofes in Süddeutschland kennengelernt, Herrn V, auf dessen Hof im Januar 2024 die Block-Kinder nach der Entführung gebracht worden sind. V. sei ein Bekannter von Hanning gewesen.
Anschließend kommt die Richterin auf das Wohnmobil zu sprechen, mit dem Theo und Klara nach Süddeutschland gebracht worden sind "Ich campe gerne, und ich hatte den Traum, mit einem Wohnmobil durch Europa zu reisen", erklärt B. den Besitz dessen.
"Woher hatten Sie das Wohnmobil denn?", fragt die Richterin, die dabei leicht genervt wirkt, weil sie B. vieles "aus der Nase ziehen" müsse. "Ich habe Herrn V. gebeten, mir eines zu besorgen", antwortet der Zeuge.
Wie das Wohnmobil schließlich nach Hamburg gekommen sei, könne er nicht genau sagen. "Ich glaube, es war Sandra", sagt B. und meint damit mutmaßlich die Tochter von Herrn V. Wann genau das gewesen sei, erinnere er nicht. Das Wohnmobil war in der Nähe des "Grand Elysée"-Hotel ausgebaut worden.
Auch wisse er nicht mehr, wie die Decken für die Kinder ins Wohnmobil gelangt seien. "Dafür war ich nicht zuständig, das war Keren", so B.
Update, 14.05 Uhr: David B. sagt weiter aus
Die erneute Zeugenbefragung von David B. (68) beginnt. Der Chef der israelischen IT-Sicherheitsfirma "Cyber Cupula" hatte bereits an drei vergangenen Prozessterminen ausgesagt.
Die Richterin steigt sofort wieder ein und fragt B. nach seinem Kontakt zu Dr. August Hanning, dem ehemaligen BND-Chef, und warum der Zeuge Alon S. ihm Hanning überhaupt vorgestellt habe.
B. antwortet: "Er wurde mir vor ungefähr drei Jahren zuerst als Kunde vorgestellt, weil es ein Problem in einer früheren Position von ihm gegeben haben soll." Es sei um Ländereien in Lettland gegangen.
Aufgrund von technischer Probleme wird die Befragung prompt wieder unterbrochen. Es folgen 15 Minuten Pause.
Update, 13.54 Uhr: Fortsetzung verzögert sich
Die Fortsetzung des Prozesses verzögert sich wieder aufgrund der zusätzlichen Sicherheitskontrollen.
Update, 13.09 Uhr: Christina Block erhält Brief von "Demonstrierenden"
Christina Block erhielt noch vor Prozessbeginn einen Brief von Demonstrierenden vor dem Gerichtsgebäude. Dabei handelt es sich um Mitglieder des Vereins "Familienschutz Leana für Gerechtigkeit und gegen Willkür", die heute einen Infostand vor dem Hamburger Landgericht aufgebaut hatten, bis die Polizei ihn auflöste.
Zuvor sollen die Mitglieder auch von der vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt scharf kritisiert worden sein, wie TAG24 vor Ort erfuhr. Immer wieder halten Bürgerinnen und Bürger Plakate vor dem Gerichtsgebäude hoch, um Christina Block ihre Unterstützung zu zeigen und auf Themen wie die Entfremdung von Kindern aufmerksam zu machen.
Allerdings sind solche nicht angemeldeten Aktionen vor dem Gericht strafbar und werden in der Regel schnell von der Polizei beendet.
Update. 12.18 Uhr: "Die Polizei hat nicht für Recht und Ordnung gesorgt"
Rechtsanwältin Gül Pinar sprach von einem "ganz besonderen Tag für ihren Mandanten": "Ich glaube, alle konnten mitbekommen, dass die Polizei vor Ort nicht für Recht und Ordnung gesorgt hat, sondern stattdessen nur externe Dienstleister."
Die Mitarbeiterin seines Mandanten habe im Falle von zum Beispiel aufdringlichen Pressevertreter die Polizei rufen müssen. Gleichzeitig betonte Pinar, dass nichts Verbotenes geschehen sei und nichts vor der Polizei verheimlicht worden sei.
Auch der Verteidiger von Gerhard Delling, Dr. David Rieks, betonte, dass die Aussage der Zeugin heute endgültig bestätigt habe, dass dieser nicht dazu beigetragen habe, die Kinder einzusperren. Die Sicherheitsmaßnahmen dienten demnach nicht der Einsperrung der Kinder, sondern ihrem Schutz vor dem Andrang der Presse.
Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.50 Uhr.
Update, 11.55 Uhr: "Mythen in diesem Verfahren zu entzaubern"
Die Zeugenbefragung ist beendet. Es folgen Stellungnahmen der Verteidiger.
Der Nebenklagevertreter erklärte, die Aussage der Zeugin habe zentrale Widersprüche in der Darstellung von Herrn P. aufgezeigt. So sei etwa eine mögliche Fluchtgefahr der Kinder über die Fenster im Keller für die Zeugin kein Thema gewesen, und P. habe behauptet, erst nach 16 Uhr am 2. Januar von der Rückführung der Kinder erfahren zu haben.
Die Zeugin hingegen habe ausgesagt, dass bereits bei der Beauftragung klar gewesen sei, dass die Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Hamburg zurückkehren würden.
Laut Block-Anwalt Ingo Bott diene die Aussage von W. dazu, "Mythen in diesem Verfahren zu entzaubern", insbesondere den Vorwurf, es sei darum gegangen, die Kinder im Haus von Frau Block festzuhalten.
Update, 11.08 Uhr: Zeugin ist noch nicht bezahlt worden
Die Zeugin berichtet weiter von einem weiteren "wieder sehr spontanen" Auftrag von Eugen Block, übermittelt durch Herr P.; kurz vor Weihnachten 2023 sollte sie ein Geschenk des Chefs der Block-Gruppe an seine Enkelkinder in Dänemark überbringen.
Vor Ort habe sie geklingelt und geklopft und auch Augenkontakt mit zwei weiblichen Bewohnern gehabt. Man habe ihr jedoch nicht die Tür geöffnet. Sie habe das Geschenk abgestellt, ein Foto davon gemacht und sich anschließend auf den Rückweg nach Deutschland gemacht.
Während einer Pause bei einer Tankstelle sei ihr von Herrn P. per Anruf deutlich gemacht worden, dass sie den Auftrag nicht korrekt ausgeführt habe und "der Kunde [Eugen Block]" überhaupt nicht zufrieden sei und sie zurückfahren müsse, um das Geschenk erneut zuzustellen.
Sie sei also noch einmal zum Gebäude gefahren, habe wieder geklopft und geklingelt und sei schließlich von der dänischen Polizei dem Gelände verwiesen und befragt worden. Die Beamten hatten das Geschenk in der Zwischenzeit bereits mit auf die Wache genommen und geöffnet. Woraufhin die Zeugin das Geschenk wieder mit nach Deutschland genommen hat.
Der Auftrag sei bislang noch nicht bezahlt worden, da "noch keine Endabrechnung erfolgen konnte", so die Zeugin.
Update, 10.50 Uhr: "Damit die Kids nicht abhauen können"
Der Nebenklagevertreter hielt der Zeugin eine mutmaßliche Nachricht vor, die sie an Herrn P. geschrieben haben soll. Darin habe sie von Schlössern an den Fenstern, auch im Keller, berichtet – "damit die Kids nicht abhauen können".
An eine solche Nachricht könne sie sich jedoch nicht erinnern: "Das kann ich ja von außen gar nicht sehen, ob die Schlösser zu sind", erklärte die Zeugin.
Update, 10.35 Uhr: "Das habe ich zu 100 Prozent nicht gesagt"
Die Staatsanwaltschaft hakt nochmal nach und hält der Zeugin eine Aussage des ehemaligen LKA-Chefs vor, der behauptet haben soll, dass W. während des Einsatzes bei Frau Block eine verdeckte Waffe getragen habe.
Die Zeugin ist baff: "Das habe ich zu 100 Prozent nicht gesagt, weil ich auch gar keine Waffe getragen habe!"
Update, 10.20 Uhr: Trug die Zeugin eine Waffe?
Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft erklärte die Zeugin, dass es im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit gelegentlich vorkomme, dass sie eine Schusswaffe trage. Bei der Beauftragung im Zusammenhang mit der Familie Block sei dies jedoch nicht notwendig gewesen.
Es folgt eine kurze Pause bis 10.30 Uhr.
Update, 10.08 Uhr: Rechtsanwalt Kury wollte mit den Kindern wegfahren
Ihr Auftrag von P. sei es gewesen, im Haus abzuwarten, bis die Polizei eintreffe, und dafür zu sorgen, dass die Übergabe entsprechend ablaufe. Rechtsanwalt Kury habe sich jedoch nicht daran gehalten, sondern habe das Haus mit Theo und Klara verlassen und sei mit ihnen in seinem Auto davongefahren.
"Er ist etwa zehn bis 15 Meter gefahren und wurde dann von der Polizei abgefangen", so die Zeugin.
Update, 9.57 Uhr: Woher wusste die Zeugin, wann die Kinder kommen
Die Vorsitzende Richterin will wissen, woher die Information stammte, wann genau die Kinder am 2. Januar zurückkehren würden. Die Zeugin erklärte, sie habe erst zehn Minuten zuvor vom angeklagten Sicherheitsunternehmer davon erfahren.
Dieser habe in Kontakt mit Eugen Block gestanden. Woher die Information ursprünglich gekommen sei, wisse sie jedoch nicht. Theo und Klara seien schließlich in einem grünen Viersitzer angekommen, der unmittelbar in die Garage gefahren sei. Später habe sie "eine von Frau Blocks Töchtern" noch einmal im Garten gesehen. Wie viele Kinder sich insgesamt im Haus aufgehalten haben, könne sie jedoch nicht genau sagen.
Der Auftrag habe am 5. Januar 2024 "relativ hektisch" geendet. Sie habe einen Anruf des ehemaligen LKA-Chefs erhalten, der sie darüber informiert habe, dass die Polizei kommen werde, um die Kinder abzuholen.
Update, 9.49 Uhr: "Welcher Innenminister?"
Herr P. habe im Rahmen der Beauftragung zugesichert, dass das Hauptziel darin bestand, die Presse fernzuhalten. "Und man fragt sich natürlich, warum so viel Presse erwartet wird", so die Zeugin. Ihr Chef habe daraufhin erklärt, man sei davon ausgegangen, dass die Kinder von Frau Block zeitnah nach Hause zurückkehren würden: "So hieß es damals", so die Zeugin.
Zudem hätten Rechtsanwalt Kury sowie der Innenminister bestätigt, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei Frau Block liege. Die Vorsitzende Richterin hakte nach: "Das verstehe ich nicht – welcher Innenminister?"
"Mir wurde gesagt, dass der Innenminister Kenntnis darüber habe, dass die Kinder zurückkommen. Verstanden habe ich das damals auch nicht", so die Zeugin.
Update, 9.40 Uhr: Block wollte Polizei und Jugendamt zunächst nicht einlassen
Die Zeugin berichtete, dass Christina Block zunächst nicht gewollt habe, dem Jugendamt und der Polizei am 3. Januar 2024 Zutritt zu gewähren. Die gesamte Situation sei noch zu aufgewühlt gewesen, sie habe sich mental nicht stabil gefühlt und Zeit gebraucht, damit ihre Kinder zur Ruhe kommen könnten.
W. beschrieb Christina Block in dieser Situation als "emotional angespannt und sichtlich belastet".
Vor dem Besuch von Polizei und Jugendamt seien unter anderem Gerhard Delling, Rechtsanwalt Otmar Kury, der angeklagte Familienanwalt Dr. Andreas C. sowie ein Familienpsychologe vor Ort gewesen.
Update, 9.17 Uhr: Der Prozess beginnt
Der Prozess startet mit der Zeugenbefragung der Mitarbeiterin des angeklagten Sicherheitsunternehmers, die kurz nach der Entführung von Theo und Klara in der Silvesternacht 23/24 engagiert worden war.
Die Zeugin Patricia W. (52) berichtete, sie habe am 1. Januar 2024 von ihrem Kooperationspartner, dem Angeklagten P., den Auftrag erhalten, zwei Wohnobjekte zu schützen. Dabei habe es sich um die Häuser von Eugen Block und Christina Block in Hamburg gehandelt. Aufgabe der Sicherheitskräfte sei es gewesen, "Schererein" zu verhindern und Unbefugten den Zutritt zum Gelände zu verwehren.
Der Auftrag habe am 2. Januar 2024 begonnen. In diesem Zusammenhang habe sie auch das Haus der Unternehmerin sowohl außen als auch innen überprüft. Zuvor habe sie Gerhard Delling (66) empfangen und durch das Haus geführt.
Hauptauftraggeber sei Eugen Block gewesen. Dessen ausdrücklicher Wunsch sei es gewesen, an den Türen für "Frieden und Ruhe" zu sorgen, um zusätzlichen "emotionalen Stress" zu vermeiden. Freunde, Lieferanten oder andere Besucher seien daher kontrolliert empfangen worden. Paketsendungen seien teilweise von den Sicherheitskräften entgegengenommen worden.
Update, 9 Uhr: David B. wird heute weiter aussagen
Eigentlich sollte der Prozess heute auf Bitten der Rechtsanwältin Gül Pinar eine halbe Stunde früher beginnen. Zusätzliche Sicherheitskontrollen vor Saal 237 verzögern jedoch den Ablauf und lassen darauf schließen, dass der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) heute erneut aussagen wird.
Seine Zeugenvernehmung war im Dezember aus terminlichen Gründen unterbrochen worden.
Update, 8.40 Uhr: So geht es am Montag weiter
Inzwischen sind Teile der Aussage von Keren T., von Christina Block stets "Olga" genannt, die unter anderem der BILD-Zeitung vorliegen, an die Öffentlichkeit gelangt.
Demnach war die Entführung der Block-Kinder offenbar lange vorbereitet und eng mit der Unternehmerin abgestimmt. Nach Darstellung von T. habe Block bereits vorab von der Aktion gewusst, konkrete Hinweise zum Aufenthaltsort der Kinder geliefert und am Silvesterabend über codierte Nachrichten kommuniziert.
Als zentrale Figur im Hintergrund benennt T. den Familienanwalt Dr. Andreas C. Er habe massiven Druck ausgeübt, rechtliche Risiken heruntergespielt und ein gewaltsames Vorgehen bewusst in Kauf genommen. Dabei habe er wiederholt betont, der Druck komme "von oben".
Mit diesem "oben" sei nach Darstellung von T. Eugen Block (85) gemeint, den sie durchgehend als "den Patriarchen" bezeichnet haben soll. Zwar habe es keinen direkten Kontakt gegeben, doch sei er als maßgeblicher indirekter Auftraggeber wahrgenommen worden, dessen Zufriedenheit für alle Beteiligten entscheidend gewesen sei.
Ob und wann Keren T. vor Gericht als Zeugin aussagen wird, ist bislang offen. Eine Aussage ist jedoch wahrscheinlich, nachdem auch ihr ehemaliger Chef, David B. (68), nach seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft nur kurz darauf als Zeuge vor Gericht ausgesagt hatte.
Für Montag ist die Vernehmung einer Mitarbeiterin des angeklagten Sicherheitsunternehmers angesetzt. Die für Donnerstag geladenen Zeugen – darunter die Sekretärin von Eugen Block – wurden hingegen kurzfristig verschoben.
Update, 8.30 Uhr: Recap von Dienstag, dem 13. Januar 2026
Der 29. Verhandlungstag begann mit einer Überraschung: Die bislang als flüchtig geltende Keren T. ist nach Angaben der Vorsitzenden Richterin bereits am 8. und 12. Januar von der Staatsanwaltschaft vernommen worden.
Sie galt als enge Vertraute von Christina Block sowie als rechte Hand von David B. (68), dem mutmaßlichen Chef der Entführer. Inhalt ihrer Aussagen sind bislang unklar, das Vernehmungsprotokoll liege dem Gericht noch nicht vor.
Anschließend sagten zwei ehemalige Mitarbeiter des Hotels "Grand Elysée" aus. Sie schilderten übereinstimmend "seltsame" Vorkommnisse während ihrer Dienstzeit, darunter Anweisungen, David B. und dessen Mitstreitende unter falschen Namen einzuchecken.
Zudem berichteten sie von einem Anruf Christina Blocks, in dem sie kurzfristig um Bargeld in Höhe von 5000 beziehungsweise 10.000 Euro gebeten haben soll. Block bestätigte, sich an eine Bargeldforderung im Frühjahr 2023 zu erinnern.
Ein solches Vorgehen habe es zuvor nie gegeben; an die genauen Umstände könne sie sich heute nicht mehr erinnern. Das Geld habe sie jedoch nach zwei bis drei Stunden in derselben Stückelung vollständig zurückgezahlt.
"Extrem überrascht" habe sie dagegen, dass angeblich Namen für Hotelgäste ausgedacht worden seien. Von entsprechenden Absprachen zwischen dem mitangeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. und der Empfangschefin habe sie nichts gewusst.
Titelfoto: Christian Charisius/dpa
