Hamburg - Am Montag steht im Fall Christina Block (52) bereits der 46. Prozesstag an. Nach Einschätzung des Strafverteidigers Gerhard Strate (76) hätte der Prozess wegen des Vorwurfs der Kindesentführung jedoch deutlich kürzer ausfallen können: Im Podcast "Ein echter Krimi: Der Fall Block" erklärte der Berater von Eugen Block (85) im Gespräch mit Host Michael Maske, das Verfahren wäre seiner Ansicht nach "in zehn Tagen" abzuschließen gewesen. Auch sonst übt der Rechtsanwalt deutlich Kritik am laufenden Verfahren und rüttelt zudem an der Verteidigung von Christina Block selbst.
Diese hatte in ihrer Einlassung behauptet, die mutmaßlichen Entführer rund um David B. (68) seien ursprünglich für die IT-Sicherheit des "Grand Elysée"-Hotels in Hamburg engagiert worden.
Strate widerspricht dieser Darstellung: "Das war eigentlich auch auf der Hand liegend, dass der eigentliche Zweck der Beauftragung von Herrn B. und seiner Truppe nicht in der Bekämpfung von irgendwelchen Cyber-Angriffen bestand, sondern natürlich in dem Einsatz hier für die Kinder."
Gleichzeitig nimmt der 76-Jährige die Steakhouse-Erbin auch in Schutz: "Sie mag möglicherweise in ihrer Aussage am Anfang die falschen Akzente gesetzt haben. Aber ich gehe nicht davon aus, dass […] von ihrer Seite die Unwahrheit herübergekommen ist."
Strate stellt vor allem den Verbrechensvorwurf infrage. Zwar sei es nachvollziehbar, dass die Staatsanwaltschaft die Tatbestände zunächst als Verbrechen eingestuft habe, deren weitere Verfolgung halte er jedoch für überzogen: "Es ist doch völlig klar, […] dass Christina Block es als Mutter dieser Kinder natürlich nie und nimmer gewollt hat, dass diesen irgendwie Gewalt angetan wird."
Auch zum viel diskutierten mutmaßlichen Treffen am 28. Dezember 2023 zwischen Block und den mutmaßlichen Entführern – wenige Tage vor der Entführung der jüngsten Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 – äußerte sich Strate: "Das mag es gegeben haben. Ich sehe da gar kein Problem drin." Blocks Verteidiger Ingo Bott (42) hatte hingegen bestritten, dass ein solches Treffen überhaupt stattgefunden habe.
Entscheidend seien aus Strates Sicht die sogenannten Qualifikationsmerkmale einer möglichen Straftat – etwa eine Gefährdung der körperlichen oder seelischen Gesundheit. Diese seien kaum belegbar: "Dass sie möglicherweise Gegenteiliges gewollt hat, liegt nicht im Ansatz vor", so Strate weiter.
Anwalt: "Eugen Block ist eine Legende, deshalb hatte man auch nicht gewagt, ihn anzuklagen"
Strate selbst hat kein Mandant im laufenden Prozess vor dem Hamburger Landgericht, tritt aber im Hintergrund und gelegentlich in öffentlichen Statements im Namen von Eugen Block als Berater des Chefs der Steakhouse-Kette auf.
Der "Patriarch" tritt dabei als Zeuge im Verfahren auf, machte jedoch schon früh von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Dennoch ist er im Prozess gegen seine Tochter immer wieder Thema: Wie viel wusste er wirklich? Hat am Ende sogar er selbst die Entführung in Auftrag gegeben?
Dazu sagte Strate im Podcast: "Eugen Block ist eine Legende, deshalb hatte man auch nicht gewagt, ihn anzuklagen. […] Das war einfach eine noble Geste der Staatsanwaltschaft, die aber natürlich auch ihre Gründe hat: Es liegt nicht so viel gegen ihn vor und ich meine aber auch gegen seine Tochter nicht."
Ob Eugen Block mehr wusste, als er öffentlich sagt, könne er nicht beurteilen. Gleichzeitig betonte Strate jedoch, dass Block "auf der Höhe seiner Verstandeskräfte und wirklich immer mit hoher Urteilskraft bei der Sache" sei. Der Anwalt geht zudem davon aus, dass der Unternehmer nicht erneut angeklagt werden wird.
Wie ist das Verhältnis zwischen Vater und Tochter?
Das Verhältnis zwischen Eugen und Christina Block beschreibt Strate als grundsätzlich intakt, aber nicht spannungsfrei.
"Ich glaube, dass Vater und Tochter sich innig lieben. Ich glaube aber auch, dass beide sehr eigenständige Persönlichkeiten sind und nicht unbedingt immer einer Meinung", so der Strafverteidiger.
Christina Block hatte sich bereits Ende Januar vor Gericht öffentlich von ihrem Vater distanziert und erklärt: "Mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört und sich, wie so oft, über mich hinweggesetzt. Im Übrigen sind auch seine jetzigen Aktivitäten nicht mit mir abgestimmt", erklärte sie damals bitter.
Nach Einschätzung Strates spielen diese familiären Differenzen für das Verfahren selbst keine entscheidende Rolle. Im Gegenteil: Die Vorwürfe gegen die Familie würden Vater und Tochter in der Sache eher wieder vereinen.