Chef-Entführer im Block-Prozess: "Frau Block sagt leider nicht die Wahrheit"

Hamburg - Bereits zum fünften Mal wird der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) am heutigen Dienstag im Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) aussagen. Er ist der einzige Zeuge, der für den 31. Verhandlungstag geladen ist. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42).
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42).  © Marcus Brandt/dpa

Update, 12.10 Uhr: "Es gab keine Idee, ihn zu verletzen"

Die Vorsitzende Richterin konfrontiert B. mit der Aussage des Angeklagten Tal S., der berichtet hatte, B. habe ihm gesagt, er solle im Notfall "Kraft" anwenden und im Rahmen einer vorherigen Planung auch Klebeband mit sich führen.

B. erklärt dazu: "Ich kann mir vorstellen, dass er sich damit auf die Immobilisation von Herrn Hensel bezog."
Der Zeuge betont: "Er sollte eigentlich nur den Moment festhalten, der notwendig war, um die Kinder in das Auto zu bringen. Es gab keine Idee, ihn zu verletzen."

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.45 Uhr.

Update, 11.50 Uhr: "Höllenmäßig viel Druck"

Die Richterin fragt, ob und wann über die Operation in der Silvesternacht 23/24 mit der Familie Block gesprochen wurde. "ich erinnere mich an keinen genauen Zeitpunkt, aber es war höllenmäßig viel Druck von Herr Dr C., dass die Kinder vor Weihachten zurück sein müssen", so B.

"Ab dem Moment, wo wir die goldenen Daten hatten, machte es für mich Sinn, dass eine Operation geplant werden kann, um die Kinder zurückzubringen", so der Zeuge weiter. Bei den "goldenen Daten" handelt es sich um die Info, dass Theo und Klara zusammen mit ihrem Vater am Hafen in Gråsten das Feuerwerk angucken würden.

B. betont, dass dies nie geplant gewesen sei, "in das Haus zu gehen oder jemanden von der Schule wegzuholen. Das war wirklich die letzte Möglichkeit, die auf dem Tisch lag."

Wer Christina Block genau informiert habe, wisse er nicht mehr. "Dass uns diese Daten von Christina zur Verfügung gestellt wurden, ist aber sicher. In dem Zuge hat sie uns auch die Gegenstände für die Kinder gegeben", so B. Im Flucht-Wohnmobil waren Kleidung und ein paar alte Spielsachen der beiden jüngsten Block-Kinder

Die Übergabe der Gegenstände und Informationen habe wenige Tage vor der Entführung stattgefunden. Der Zeuge gibt auch an, dass er der Unternehmerin versprechen musste, dass keine Gewalt angewendet werden würde.

B. betont, dass Christina Block das Vorgehen nicht als Entführung ansah – ein Begriff, der im Gespräch mit ihr übrigens nie verwendet worden sei, sondern nur im Zusammenhang mit dem, was Stephan Hensel getan habe.

Einzelheiten des Plans seien ihr nicht mitgeteilt worden, es sei jedoch klar gewesen, dass die Kinder in ein Auto gebracht würden. B. erinnert sich außerdem, dass Christina Block mehrmals darauf hingewiesen habe, "dass keine schwarzen Hüte auf die Köpfe gesetzt werden sollten".

Besprochen worden sei laut B. jedoch die Art der Kommunikation. "Es sollte ein Mobiltelefon geben, das auf sie in einem Zimmer im Hotel liegt." Auf die Nachfrage der Richterin, wie Christina Block in das Zimmer hätte gelangen sollen, antwortete B.: "Daran erinnere ich mich nicht, das war Keren."

Update, 11.30 Uhr: "Gab es einen Auftraggeber oder war das Eigeninitiative?"

Anschließend spricht die Vorsitzende Richterin B. auf den Vorwurf der falschen Verdächtigung an. Dabei geht es um mutmaßliche Kinderpornografie-Vorwürfe gegen Stephan Hensel sowie einen seiner Anwälte.

"Ich weiß, dass mir das vorgeworfen wird, aber ich weiß auch, dass ich das bestritten habe", so der Zeuge.

B. gab an, ein Herr Delling habe ihm von einem Gerücht über einen Anwalt aus dem Umfeld von Stephan Hensel erzählt, das Kinderpornografie betroffen habe. Auf die Nachfrage der Richterin, was genau ihm von Herr Delling berichtet worden sei, antwortete B.: "Ich erinnere mich nicht mehr."

Die Richterin hakte weiter nach: "Warum haben Sie recherchiert? Gab es einen Auftraggeber oder war das Eigeninitiative?" "Keiner hat mich aufgefordert, diese Nachforschungen anzustellen", so B.

"Aber warum haben sie genau dieses Gerücht überprüft, wo Sie doch gerade gesagt haben, dass Sie nichts überprüft haben?", fragt die Richterin. Der Zeuge: "Wenn ich so etwas höre, habe ich das getan, was jeder getan hätte!"

Update, 11.21 Uhr: Richterin kritisiert Zeugen

Die Vorsitzende Richterin zeigt sich unzufrieden mit den Antworten von David B. Dieser habe nur vage dargelegt, worauf er sein Handeln gestützt habe, obwohl sich die Befürchtungen gegenüber Stephan Hensel nie konkret bestätigt hätten.

Kritisch merkt die Richterin zudem an, dass der Zeuge in seiner heutigen Aussage hinter seinen Angaben bei der polizeilichen Vernehmung im November 2025 zurückbleibe.

"Er erinnert sich im November an Dinge, die Jahre zurückliegen, kann hier aber nicht einmal mehr wiedergeben, was er vor zwei Monaten bei der Polizei gesagt hat?", so die Richterin.

David B. erklärte daraufhin, er werde nun "sein Bestes" geben, um die Fragen korrekt zu beantworten. "Christina befürchtete, dass Stephan die Kinder nehmen und verschwinden würde. Das war die Eskalation."

Update, 11.06 Uhr: Chef-Entführer - "Frau Block sagt leider nicht die Wahrheit"

Es geht nochmal um die von David B. angesprochene "Eskalation" nach der Beerdigung. Die Richterin hält dem Zeugen vor: "Frau Block sagt, von einer Entführung sei nie die Rede gewesen. Was sagen Sie dazu?"

David B: "Ich sage, dass Frau Block leider nicht die Wahrheit sagt!"

Grundlage der zunehmenden Eskalationen seien immer wieder wachsende Befürchtungen von Christina Block gewesen, Stephan Hensel könne der Familie schaden. B. räumte vor Gericht ein, diese Befürchtungen nicht überprüft zu haben – auch wenn sie für ihn nachvollziehbar erschienen seien.

Zugleich erklärte B., man habe Daten gesammelt, wonach die Kinder in Dänemark das Haus nur selten verlassen hätten. Die Richterin: "Für mich ist es eine ziemlich weite Annahme, dass Herr Hensel dem Hotel schaden könnte, nur weil die Kinder nicht oft aus dem Haus gehen."

Update, 10.47 Uhr: "Er beantwortet keine Frage mehr spontan" - Anwalt des Chef-Entführers muss sich umsetzen

Die Pause ist vorbei. Die Richterin bittet den israelischen Anwalt von David B. (der 68-Jährige hat einen deutschen und einen israelischen Rechtsbeistand bei sich), sich hinter den Zeugen zu setzen. Es gebe Beobachtungen seitens der Kammer, dass B. sich vor jeder Frage mit seinem israelischen Anwalt abstimme.

"Das ist auch ein Problem in der Kommunikation, mittlerweile wird keine Frage mehr spontan beantwortet", so auch Rechtsanwalt Dr. Voss, Verteidiger des Familienanwalt der Blocks, Dr. Andreas C.

Update, 10.32 Uhr: Wollte Stephan Hensel sich rächen?

Die Richterin hakt weiter nach: "Welche Gefahr soll denn von Herrn Hensel ausgegangen sein, als er in Hamburg gesichtet worden ist?" "Es bestand die Vermutung, dass er sich rächen wollte", so B. und bleibt weiter wage.

Es folgt eine kurze Pause.

Update, 10.28 Uhr: "Warum war eine Überwachung einer Trauerfeier notwendig?"

In seiner vorherigen Aussage hatte B. berichtet, dass er mit seinem Team auch bei der Beerdigung von Christina Blocks Mutter, Christa Block, im Juli 2023 anwesend war. "Warum war eine Überwachung einer Trauerfeier notwendig?", fragt die Vorsitzende Richterin.

B. erklärte, es habe Befürchtungen gegeben, Stephan Hensel könne sowohl zur Beerdigung als auch zu dem anschließenden Empfang erscheinen. Man sei daher gebeten worden, die Trauerfeier und den Empfang abzusichern.

"Was sollte das für eine Sicherung sein? Sie haben uns doch erklärt, dass Sie eine Firma für Cyber-Sicherheit haben", hakte die Richterin weiter nach.

B. entgegnete, es habe sich um eine Observation gehandelt. Nach Annahme der Familie Block habe die Sorge bestanden, Hensel könne dem Ruf der Familie sowie dem Hotel schaden. Zudem habe man gewusst, dass das Hotel nur unzureichend gesichert gewesen sei.

Weiter führte B. aus, Christina Block habe sich gewünscht, dass die Kinder ihre Großmutter noch besuchen könnten, als diese schwer krank gewesen sei, und später auch an der Beerdigung teilnehmen sollten. Man habe diese Wünsche gekannt.

Nachdem Stephan Hensel sich geweigert habe, die Kinder reisen zu lassen, habe Christina Block sehr verunsichert reagiert. B. erklärte, sie habe berichtet, Hensel sei kurz zuvor in Hamburg gesehen worden, was bei ihr ein starkes Unwohlsein ausgelöst habe.

"Christina Block hat uns gebeten, ihr zu helfen", so B.

Update, 10.15 Uhr: "Der Mann, der die Kinder nach Hause bringen wird"

Die Vorsitzende Richterin fragt nach, ob B. wisse, inwieweit der mitangeklagte Familienanwalt Dr. Andreas C. seitens "des Patriarchen" unter Druck gestanden habe. Dies habe Dr. C. ihm gegenüber mehrfach zum Ausdruck gebracht, so B.

"Er hat oft erzählt, dass er das Problem mit den Kindern lösen müsse und die Verantwortung gegenüber dem Patriarchen übernommen habe, alles wieder in Ordnung zu bringen", so der Zeuge.

In diesem Zusammenhang erinnert B. das Gericht daran, dass Dr. C. ihn bei Eugen Block als den Mann vorgestellt habe, "der die Kinder nach Hause bringen wird". Dr. C. habe zudem wiederholt gesagt: "Ich stehe unter Druck, ich muss gleich zum Patriarchen. Er fragt immer: 'Wann werden die Kinder zurück sein?'"

Der Zeuge verweist auch erneut auf seine frühere Aussage, dass Eugen Block erklärt haben soll, die Kinder müssten spätestens vor Weihnachten wieder zu Hause sein, da er bereits Geschenke für sie gekauft habe.

Der angeklagte Sicherheitsunternehmer mit einer Botschaft für die Pressefotografen. Im Hintergrund: Stephan Hensel (51, l), Vater der Block-Kinder und Ex-Mann der Unternehmerin.
Der angeklagte Sicherheitsunternehmer mit einer Botschaft für die Pressefotografen. Im Hintergrund: Stephan Hensel (51, l), Vater der Block-Kinder und Ex-Mann der Unternehmerin.  © Georg Wendt/dpa

Update, 10.05 Uhr: "Must-have: 100.000 Dollar"

Anschließend rückt erneut der sogenannte "11-Punkte-Plan" in den Fokus. Nach eigener Aussage wollte David B. damit die Konflikte zwischen Stephan Hensel und der Familie Block lösen.

David B. erklärt, der Plan sei unter anderem mit Blick auf "den Patriarchen" [Eugen Block] der Familie entstanden. Ziel sei es gewesen, eine Vereinbarung zu formulieren, mit der sich alle Beteiligten wohlfühlen und die letztlich auch bestätigt werden könne.

In den Notizen finden sich zudem Stichpunkte wie "Must-have: 100.000 Dollar" und "Kinder unterstützen". Auf Nachfrage erläutert David B., er habe angeboten, Stephan Hensel für die Zeit finanziell zu entschädigen, in der sich die Kinder bei ihm in Dänemark aufgehalten hätten.

"Als ich diese Vereinbarung erstellt habe, hatte ich zwei Dinge im Kopf: den Inhalt der Vereinbarung selbst – und wie ich die Parteien davon überzeugen könnte, sie zu akzeptieren", so David B. Man habe über viele Monate Informationen gesammelt und festgestellt, dass die Situation stark emotional aufgeladen gewesen sei. Ziel sei eine Lösung gewesen, die vor allem den Kindern diene und mit der sich beide Elternteile einverstanden erklären könnten.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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