Block-Prozess: Warum widerspricht Klara der Jugendamt-Mitarbeiterin?

Hamburg - Am Montag wurde der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (32) nach dreiwöchiger Pause fortgesetzt. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog über den ungewöhnlich kurzen 37. Verhandlungstag.

Christina Block (52) sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Am Montag stand im Mammut-Prozess gegen die Steakhouse-Erbin der 37. Verhandlungstag an.
Christina Block (52) sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Am Montag stand im Mammut-Prozess gegen die Steakhouse-Erbin der 37. Verhandlungstag an.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Im Zentrum der Verhandlung, die erst um 13 Uhr begann, stand die Zeugenaussage der Jugendamt-Mitarbeiterin Carina F.. Diese hatte die Kinder kurz nach der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 persönlich getroffen, um eine mögliche Kindeswohlgefährdung zu prüfen.

F. erklärte, dass sie bei dem Termin keinerlei Anzeichen dafür habe feststellen können. Die Kinder hätten "total ausgelassen" und "gelöst" gewirkt. Sowohl Klara als auch Theo hätten sogar über eine Neueinrichtung ihrer Zimmer im Hause der Mutter gesprochen.

Dass Klara den Termin später ganz anders dargestellt habe - die Teenagerin hatte unter anderem erklärt, dass F. ihr "nicht geholfen" habe - erklärte sich die Sozialpädagogin mit einem möglichen "großen Loyalitätskonflikt", in dem die Teenagerin gesteckt haben könnte und wegen dem sie Dinge womöglich anders geschildert habe, als sie wirklich passiert seien.

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Während Block-Verteidiger Ingo Bott die Zeugenaussage anschließend als "sehr authentisch" und "sehr glaubhaft" einordnete, zeigte sich Hensel-Anwalt Philip von der Meden irritiert vom Vorgehen des Jugendamts. Es sei bemerkenswert, dass die gewaltsame Entführung bei der Frage nach einer Kindeswohlgefährdung offenbar keine Rolle gespielt habe, bemerkte der Jurist.

Update, 16.15 Uhr: Hensel-Anwalt zeigt sich irritiert von Zeugenaussage

Nach der Verhandlung erklärte Hensel-Anwalt Philip von der Meden, dass er es "bemerkenswert" finde, dass es für die Jugendamt-Mitarbeiterin bei der Bewertung der Frage, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliege, offenbar keine Rolle gespielt habe, dass zuvor eine gewaltsame Entführung stattgefunden habe.

Zudem wiederholte der Jurist noch einmal, dass sich die Aussage von F. und die Ausführungen von Klara zu dem Treffen am 4. Januar 2024 deutlich unterscheiden würden.

Block-Anwalt Bott wiederum wiederholte, was er schon im Gerichtssaal gesagt hatte. Die Aussage von F. sei sehr glaubwürdig gewesen und würde sich in die anderen Aussagen der Jugendamt-Mitarbeiterinnen einfügen, die allesamt keine Kindeswohlgefährdung festgestellt hätten.

Update, 15.55 Uhr: Gutachterin will Aussage von Keren T. abwarten

Anschließend geht es um die anwesende Gutachterin, die eine Aussage zur seelischen Gesundheit der Kinder treffen soll.

Diese erklärt, dass sie zumindest noch die Zeugenaussage von Keren T., genannt "Olga", abwarten wolle, bevor sie ihr Gutachten abschließe. Zudem habe sie erst heute erfahren, dass sie die Aussagen der Kinder aus ihrem eigenen Gespräch mit ihnen verwenden dürfe. Zuvor hätten diese einem "Verwertungsverbot" unterlegen.

Danach verkündet die Vorsitzende Richterin mehrere Beschlüsse, ehe sie die Verhandlung für den heutigen Tag beendet. Weiter geht es am 12. März um 9.30 Uhr.

Update, 15.30 Uhr: Hensel-Anwälte bewerten Zeugenaussage ganz anders

Hensel-Anwalt Philip von der Meden hält dagegen. Das Jugendamt habe sich in dem Fall in keinster Weise mit Ruhm bekleckert, erklärt der Jurist.

Die Aussage von F., die Kinder hätten augenscheinlich einen guten Eindruck gemacht, sei keinesfalls ein Beweis, dass die Kinder durch die Entführung keinen Schaden genommen hätten.

Uecker ergänzt, dass er das Vorgehen der Jugendamt-Mitarbeiterin bei dem Termin am 4. Januar äußerst fragwürdig finde. Er könne sich nicht erklären, warum F. nicht die Möglichkeit wahrgenommen habe, allein und in Ruhe mit den Kindern über das Geschehene zu sprechen.

Nebenkläger Stephan Hensel (M.) neben seinen Anwälten Philip von der Meden (l.) und Gerd Uecker.
Nebenkläger Stephan Hensel (M.) neben seinen Anwälten Philip von der Meden (l.) und Gerd Uecker.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 15.18 Uhr: Sagen die Kinder zum Thema Gefährdung nicht die Wahrheit?

David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling, sieht es ähnlich. Alle drei Zeugenaussagen der Jugendamt-Mitarbeiterinnen hätten gezeigt, dass der Vorwurf der Kindeswohlgefährdung in keinster Weise zutreffend sei.

Man müsse sich mit dem Gedanken beschäftigen, dass die Aussagen der Kinder womöglich - bewusst oder unbewusst - nicht die Wahrheit widerspiegeln würden.

Update, 15.05 Uhr: Block-Anwalt ordnet Zeugenaussage als "sehr glaubhaft" ein

Nach der Pause ordnet Block-Anwalt Bott die Zeugenaussage der Jugendamt-Mitarbeiterin als "sehr authentisch, sehr klar, sehr glaubhaft" ein.

Er wiederholt noch einmal die Aussage von F., dass die Kinder am 4. Januar 2024 sehr gelöst und fröhlich gewirkt hätten und es keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung gegeben habe. Dieser Vorwurf müsse endgültig zu den Akten gelegt werden, so der Jurist.

Block-Anwalt Ingo Bott ordnete die Zeugenaussage der Jugendamt-Mitarbeiterin Carina F. als "sehr glaubhaft" ein.
Block-Anwalt Ingo Bott ordnete die Zeugenaussage der Jugendamt-Mitarbeiterin Carina F. als "sehr glaubhaft" ein.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 14.44 Uhr: Warum widerspricht Klara der Jugendamt-Mitarbeiterin?

Diskussionen gibt es noch mal um die unterschiedlichen Darstellungen von F. und Klara bezüglich des Aufeinandertreffens am 4. Januar 2024, die Hensel-Anwalt Philip von der Meden zuvor schon angesprochen hatte.

Die Jugendamt-Mitarbeiterin erklärt, dass eine mögliche Erklärung sei, dass Klara in einem "großen Loyalitätskonflikt" gesteckt und deshalb Dinge anders geschildert habe, als sie in Wirklichkeit passiert seien.

Anschließend wird F. aus dem Zeugenstand entlassen und es folgt eine zehnminütige Pause.

Update, 14.32 Uhr: Kinder sollen laut F. "total ausgelassen" gewirkt haben

Jetzt kommt Bott noch mal auf den Termin am 4. Januar 2024 zu sprechen. Auf seine Nachfrage wiederholt F., dass die Kinder einen "total ausgelassenen" Eindruck gemacht hätten und auch die Interaktion mit der Mutter völlig unauffällig gewesen sei.

Anschließend spricht Bott F. noch einmal auf die Mail mit dem Protokoll des Termins an, die die Jugendamt-Mitarbeiterin an Christina Block geschickt hatte. F. betont, dass das "nicht ungewöhnlich" sei, dass beteiligte Personen solche Protokolle zur Verfügung gestellt bekämen.

Auf Nachfrage von Hensel-Anwalt Uecker erklärt F. allerdings, dass dem Vater das Protokoll nicht zugeschickt worden sei, nur der Mutter.

Update, 14.25 Uhr: Diskussion zwischen Bott und Hildebrandt geht weiter

Bott führt seine Befragung vor und hält F. einige E-Mails vor, an denen die Jugendamt-Mitarbeiterin allerdings gar nicht unmittelbar beteiligt war.

Hildebrandt schreitet ein und ermahnt den Anwalt, zulässige Fragen zu Tatsachen oder Empfindungen zu stellen. "Ist das jetzt eine Gelbe Karte, oder was?", erwidert Bott bissig, woraufhin Hildebrandt antwortet: "Das ist ihre Empfindung."

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt musste bei der Befragung von Carina F. durch Block-Anwalt Ingo Bott am Montag mehrfach einschreiten.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt musste bei der Befragung von Carina F. durch Block-Anwalt Ingo Bott am Montag mehrfach einschreiten.  © Marcus Brandt/dpa-Pool/dpa

Update, 14.07 Uhr: Block-Anwalt wird von Vorsitzender Richterin ermahnt

Block-Anwalt Ingo Bott startet mit seiner Befragung der Jugendamt-Mitarbeiterin und spricht F. auf Geschehnisse und Umgangsvereinbarungen in den Jahren 2016 und 2017 an.

Er wird von der Vorsitzenden Richterin ermahnt, dass es in der Verhandlung um die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 gehe.

Bott lässt sich nicht beirren und spricht F. auf ein Gespräch mit der ältesten Block-Tochter Johanna im Jahr 2017 an. Diese habe damals entgegen der damaligen Umgangsvereinbarung nicht Weihnachten mit ihrem Vater Stephan Hensel feiern wollen. Den Grund erinnere F. nicht mehr.

Ein von der Jugendamt-Mitarbeiterin vorgeschlagenes Gespräch zur Klärung habe nicht stattgefunden, weil Hensel keine Zeit gehabt habe. Letztlich habe Johanna Weihnachten dann doch mit ihrem Vater verbracht, nachdem sie von ihrer Mutter dazu ermutigt worden sei.

Update, 13.54 Uhr: Zweiter Hensel-Anwalt hinterfragt Vorgehen von F.

Hensels zweiter Anwalt Gerd Uecker möchte wissen, ob es nicht irgendwelche Richtlinien für ein Gespräch mit Kindern gebe, deren Wohl gefährdet sein könnte.

F. antwortet ein wenig schwammig, woraufhin Uecker nachlegt, warum die Jugendamt-Mitarbeiterin die Kinder nicht konkret zu ihrem Zustand befragt habe. F. erwidert, dass sie doch mit den Kindern gesprochen und es keine Anzeichen für eine Gefährdung gegeben habe.

Anschließend geht es um eine Mail, die F. an Christina Block geschickt hat. In dieser stellte die Jugendamt-Mitarbeiterin der Steakhouse-Erbin das Protokoll des Termins zur Verfügung. Dies sei aber nicht vor der endgültigen Veröffentlichung des Protokolls passiert, versichert F.

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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