Block-Prozess: Kurzer Auftritt von Ex-Anwalt, Beschluss sorgt für Unmut
Hamburg - Verhandlungstag 75: Am Montag wird der Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) nach mehr als drei Wochen Pause fortgesetzt. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
11 Uhr: Erneute Unterbrechung nach Gerichtsbeschluss
Dr. Marko Voß, Verteidiger des Familienanwalts Dr. Andreas C., bittet um das Wort und betont, dass er den Beschluss für rechtswidrig halte, wenn die Begründung die Verzögerungen durch Block-Anwalt Bott seien. Er selbst habe nie für eine Verzögerung mit etwaigen Anträgen oder ähnlichem gesorgt.
Im nächsten Atemzug erklärt Voß, dass er zwei Anträge im Petto habe, die er nun gerne verlesen würde - da am heutigen Verhandlungstag noch reichlich Zeit sei. Hildebrandt ist verwirrt und verweist auf den soeben verkündeten Gerichtsbeschluss.
Anwalt David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, sieht in dem Beschluss eine "erhebliche Beschränkung des Verteidigungsrechts". Die Verteidiger erheben daraufhin eine Gegenvorstellung, die Kammer muss den Beschluss daher noch einmal prüfen. 15 Minuten Pause.
10.49 Uhr: Kammer will das Verfahren beschleunigen und verkündet Beschluss
Als nächstes verkündet Richterin Hildebrandt den Beschluss, dass Beweisanträge und Beweisermittlungsäntrage zukünftig schriftlich und nicht mehr mündlich in der Hauptverhandlung gestellt werden müssten.
Grund sei, dass das Verfahren so beschleunigt werden solle. Dabei erinnert die Richterin auch an den mutmaßlichen Mit-Entführer Tal S., der bereits seit fast zwei Jahren in U-Haft sitze. Besonders Bott bekommt sein Fett weg, nachdem er vor einiger Zeit 18 Anträge angekündigt und dann nur drei gestellt hatte.
10.43 Uhr: Ingo Bott spricht von einer Kampagne gegen seine Mandantin
Nach dem kurzen, aber durchaus denkwürdigen Auftritt des ehemaligen Block-Vertrauten gibt es auf Bitte von Pinar eine kurze Pause.
Anschließend gibt Pinar eine kurze Erklärung zu den viel diskutierten IT-Asservate ab. Danach ergreift Bott das Wort und kommt noch einmal auf die vermeintliche Verwahrlosung der Kinder durch seine Mandantin zu sprechen. Dies seien Behauptungen von Stephan Hensel, die schlichtweg nicht der Wahrheit entsprächen.
Der Anwalt spricht in diesem Kontext von einer "Kampagne" gegen seine Mandantin. Dokumente, die Teil der Selbstleseliste seien, würden jedoch zeigen, dass es keinerlei Hinweise auf eine derartige Verwahrlosung der Kinder gebe.
10.23 Uhr: Befragung von Otmar Kury nach wenigen Minuten schon zu Ende
Die Kammer ist zurück und verkündet den Beschluss, dass die Übergabe des Fragerechts an Anwältin Pinar durch die Vorsitzende Richterin der Strafprozessordnung entspreche und daran nichts zu beanstanden sei.
Pinar könnte nun ihre Fragen stellen, verzichtet darauf allerdings - sie geht offensichtlich davon aus, dass Kury ohnehin nichts dazu sagen würde.
Stattdessen stellt Richterin Hildebrandt nun einige Fragen an den Zeugen zum 5. Januar, die dieser bis auf ganz wenige Ausnahmen mit dem Verweis auf seine Schweigepflicht nicht beantworten kann/will.
Bevor er daraufhin entlassen wird, lässt es sich Kury allerdings nicht nehmen, noch einmal zu betonen, dass seine ehemalige Mandantin unschuldig sei. Anschließend verlässt er den Saal.
10.10 Uhr: Wilde Diskussionen im Gerichtssaal
Anschließend kommt es zu wilden Diskussionen, ob der Jurist nun überhaupt befragt werden könne. Gül Pinar hätte theoretisch auch noch Fragen zum 5. Januar, doch Block-Anwalt Ingo Bott grätscht dazwischen und betont, dass Kury aus den genannten Gründen ein Zeugnisverweigerungsrecht habe und die Übertragung des Fragerechts an die Juristin durch die Richterin deshalb unzulässig sei.
Kury wird direkt wieder herausgeschickt, damit die Prozessbeteiligten den Einwand von Bott diskutieren können. Die Kammer zieht sich anschließend erneut zur Beratung zurück.
10 Uhr: Blocks Ex-Anwalt Otmar Kury erinnert an seine Schweigepflicht
Blocks Ex-Anwalt ist nun da und beantwortet zunächst die Fragen der Richterin zu seiner Person. Etwas großspurig erzählt der Jurist, dass er in einer Villa in Hamburg wohne und seine Kanzlei direkt an der Alster liege.
Bevor die eigentliche Befragung beginnt, schiebt Kury zudem ein, dass er zu den Ereignissen am 2. Januar 2024 nichts sagen könne, da er nach erneuter Prüfung schon zu diesem Zeitpunkt ein Anwaltsmandat für Frau Block gehabt habe und deshalb an seine Schweigepflicht gebunden sei.
9.50 Uhr: Sohn des Familienanwalts widerspricht Chef-Entführer David B.
Anschließend verliest Hildebrandt die schriftliche Erklärung, die Bastian C. im Juli 2026 eingereicht habe. In dieser widerspricht C. der Darstellung des mutmaßlichen Chef-Entführers David B.
Dieser hatte ausgesagt, dass es ein Treffen zwischen ihm, seiner rechten Hand Keren T. alias "Olga", Familienanwalt C. und dessen Sohn im Hotel "Grand Elysée" gegeben habe. Bei diesem sei es angeblich um die Vorbereitungen der Rückholung der Kinder gegangen. Bastian C. bestreitet in dem kurzen Statement, dass es dieses Treffen je gegeben habe.
9.41 Uhr: Verhandlung läuft
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt eröffnet die heutige Verhandlung mit ordentlich Verspätung. Zuvor ließ der in U-Haft sitzende mutmaßliche Mit-Entführer Tal S. ein wenig auf sich warten.
Bevor Kury in den Zeugenstand muss, geht es zunächst um eine Erklärung des Sohnes des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C. Alle Prozessbeteiligten stimmen zu, dass diese in der Hauptverhandlung verlesen werden soll. Die Kammer zieht sich für eine kurze Beratung zurück und verkündet anschließend den entsprechenden Beschluss.
9.29 Uhr: Stephan Hensel auch mal wieder vor Ort
Block-Ex Stephan Hensel ist heute auch mal wieder vor Ort. Als Nebenkläger ist er nicht verpflichtet, an jeder Verhandlung teilzunehmen.
In den vergangenen Wochen war er dem Prozess des Öfteren ferngeblieben.
9.24 Uhr: Großer Andrang im Zuschauerraum
Die Aussicht auf die Aussage des ehemaligen Block-Vertrauen scheint in der Öffentlichkeit auf großes Interesse zu stoßen.
Wenige Minuten vor Prozessbeginn ist der Zuschauerraum von Saal 237 nahezu komplett gefüllt. Unter den heutigen Beobachtern sind augenscheinlich auch eine oder mehrere Schulklassen.
9 Uhr: So geht es am Montag weiter
Wie das Gericht vorab mitteilte, ist Otmar Kury, der ehemalige Anwalt von Christina Block, am Montag als Zeuge geladen - auf Antrag von Gül Pinar, der Verteidigerin des mitangeklagten Sicherheitsunternehmers Andreas P.
Wichtig: Die Steakhouse-Erbin hat ihren ehemaligen Anwalt nicht von dessen Schweigepflicht entbunden. Kury wird entsprechend nur zu ausgewählten Themen Stellung beziehen können.
8.45 Uhr: Recap vom 74. Verhandlungstag
Der 74. Verhandlungstag stand ganz im Zeichen von Stellungnahmen, Verkündungen und Beweisanträgen. Unter anderem wurde der Befangenheitsantrag von Block-Verteidiger Ingo Bott gegen die Vorsitzende Richterin abgelehnt.
Zudem ergriff Mit-Entführer Tal S. nochmals selbst das Wort. "Es tut mir leid für die Kinder, die durch das gesamte Ereignis stark leiden. Und es tut mir leid für Frau Block", erklärte der Israeli, der die Steakhouse-Erbin als "arme Mutter" bezeichnete.
S. wiederholte darüber hinaus, dass er die Kinder nicht habe entführen, sondern sie vor ihrem vermeintlich gefährlichen Vater habe retten wollen.
Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa