Block-Prozess: Warum widerspricht Klara der Jugendamt-Mitarbeiterin?
Hamburg - Es geht weiter: Am Montag (13 Uhr) wird der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (32) nach dreiwöchiger Pause fortgesetzt. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog über den ungewöhnlich kurzen 37. Verhandlungstag.
Update, 16.04 Uhr: Hensel-Anwalt zeigt sich irritiert von Zeugenaussage
Nach der Verhandlung erklärte Hensel-Anwalt Philip von der Meden, dass er es "bemerkenswert" finde, dass es für die Jugendamt-Mitarbeiterin bei der Bewertung der Frage, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliege, offenbar keine Rolle gespielt habe, dass zuvor eine gewaltsame Entführung stattgefunden habe.
Zudem wiederholte der Jurist noch einmal, dass sich die Aussage von F. und die Ausführungen von Klara zu dem Treffen am 4. Januar 2024 deutlich unterscheiden würden.
Block-Anwalt Bott wiederum wiederholte, was er schon im Gerichtssaal gesagt hatte. Die Aussage von F. sei sehr glaubwürdig gewesen und würde sich in die anderen Aussagen der Jugendamt-Mitarbeiterinnen einfügen, die allesamt keine Kindeswohlgefährdung festgestellt hätten.
Update, 15.55 Uhr: Gutachterin will Aussage von Keren T. abwarten
Anschließend geht es um die anwesende Gutachterin, die eine Aussage zur seelischen Gesundheit der Kinder treffen soll.
Diese erklärt, dass sie zumindest noch die Zeugenaussage von Keren T., genannt "Olga", abwarten wolle, bevor sie ihr Gutachten abschließe. Zudem habe sie erst heute erfahren, dass sie die Aussagen der Kinder aus ihrem eigenen Gespräch mit ihnen verwenden dürfe. Zuvor hätten diese einem "Verwertungsverbot" unterlegen.
Danach verkündet die Vorsitzende Richterin mehrere Beschlüsse, ehe sie die Verhandlung für den heutigen Tag beendet. Weiter geht es am 12. März um 9.30 Uhr.
Update, 15.30 Uhr: Hensel-Anwälte bewerten Zeugenaussage ganz anders
Hensel-Anwalt Philip von der Meden hält dagegen. Das Jugendamt habe sich in dem Fall in keinster Weise mit Ruhm bekleckert, erklärt der Jurist.
Die Aussage von F., die Kinder hätten augenscheinlich einen guten Eindruck gemacht, sei keinesfalls ein Beweis, dass die Kinder durch die Entführung keinen Schaden genommen hätten.
Uecker ergänzt, dass er das Vorgehen der Jugendamt-Mitarbeiterin bei dem Termin am 4. Januar äußerst fragwürdig finde. Er könne sich nicht erklären, warum F. nicht die Möglichkeit wahrgenommen habe, allein und in Ruhe mit den Kindern über das Geschehene zu sprechen.
Update, 15.18 Uhr: Sagen die Kinder zum Thema Gefährdung nicht die Wahrheit?
David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling, sieht es ähnlich. Alle drei Zeugenaussagen der Jugendamt-Mitarbeiterinnen hätten gezeigt, dass der Vorwurf der Kindeswohlgefährdung in keinster Weise zutreffend sei.
Man müsse sich mit dem Gedanken beschäftigen, dass die Aussagen der Kinder womöglich - bewusst oder unbewusst - nicht die Wahrheit widerspiegeln würden.
Update, 15.05 Uhr: Block-Anwalt ordnet Zeugenaussage als "sehr glaubhaft" ein
Nach der Pause ordnet Block-Anwalt Bott die Zeugenaussage der Jugendamt-Mitarbeiterin als "sehr authentisch, sehr klar, sehr glaubhaft" ein.
Er wiederholt noch einmal die Aussage von F., dass die Kinder am 4. Januar 2024 sehr gelöst und fröhlich gewirkt hätten und es keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung gegeben habe. Dieser Vorwurf müsse endgültig zu den Akten gelegt werden, so der Jurist.
Update, 14.44 Uhr: Warum widerspricht Klara der Jugendamt-Mitarbeiterin?
Diskussionen gibt es noch mal um die unterschiedlichen Darstellungen von F. und Klara bezüglich des Aufeinandertreffens am 4. Januar 2024, die Hensel-Anwalt Philip von der Meden zuvor schon angesprochen hatte.
Die Jugendamt-Mitarbeiterin erklärt, dass eine mögliche Erklärung sei, dass Klara in einem "großen Loyalitätskonflikt" gesteckt und deshalb Dinge anders geschildert habe, als sie in Wirklichkeit passiert seien.
Anschließend wird F. aus dem Zeugenstand entlassen und es folgt eine zehnminütige Pause.
Update, 14.32 Uhr: Kinder sollen laut F. "total ausgelassen" gewirkt haben
Jetzt kommt Bott noch mal auf den Termin am 4. Januar 2024 zu sprechen. Auf seine Nachfrage wiederholt F., dass die Kinder einen "total ausgelassenen" Eindruck gemacht hätten und auch die Interaktion mit der Mutter völlig unauffällig gewesen sei.
Anschließend spricht Bott F. noch einmal auf die Mail mit dem Protokoll des Termins an, die die Jugendamt-Mitarbeiterin an Christina Block geschickt hatte. F. betont, dass das "nicht ungewöhnlich" sei, dass beteiligte Personen solche Protokolle zur Verfügung gestellt bekämen.
Auf Nachfrage von Hensel-Anwalt Uecker erklärt F. allerdings, dass dem Vater das Protokoll nicht zugeschickt worden sei, nur der Mutter.
Update, 14.25 Uhr: Diskussion zwischen Bott und Hildebrandt geht weiter
Bott führt seine Befragung vor und hält F. einige E-Mails vor, an denen die Jugendamt-Mitarbeiterin allerdings gar nicht unmittelbar beteiligt war.
Hildebrandt schreitet ein und ermahnt den Anwalt, zulässige Fragen zu Tatsachen oder Empfindungen zu stellen. "Ist das jetzt eine Gelbe Karte, oder was?", erwidert Bott bissig, woraufhin Hildebrandt antwortet: "Das ist ihre Empfindung."
Update, 14.07 Uhr: Block-Anwalt wird von Vorsitzender Richterin ermahnt
Block-Anwalt Ingo Bott startet mit seiner Befragung der Jugendamt-Mitarbeiterin und spricht F. auf Geschehnisse und Umgangsvereinbarungen in den Jahren 2016 und 2017 an.
Er wird von der Vorsitzenden Richterin ermahnt, dass es in der Verhandlung um die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 gehe.
Bott lässt sich nicht beirren und spricht F. auf ein Gespräch mit der ältesten Block-Tochter Johanna im Jahr 2017 an. Diese habe damals entgegen der damaligen Umgangsvereinbarung nicht Weihnachten mit ihrem Vater Stephan Hensel feiern wollen. Den Grund erinnere F. nicht mehr.
Ein von der Jugendamt-Mitarbeiterin vorgeschlagenes Gespräch zur Klärung habe nicht stattgefunden, weil Hensel keine Zeit gehabt habe. Letztlich habe Johanna Weihnachten dann doch mit ihrem Vater verbracht, nachdem sie von ihrer Mutter dazu ermutigt worden sei.
Update, 13.54 Uhr: Zweiter Hensel-Anwalt hinterfragt Vorgehen von F.
Hensels zweiter Anwalt Gerd Uecker möchte wissen, ob es nicht irgendwelche Richtlinien für ein Gespräch mit Kindern gebe, deren Wohl gefährdet sein könnte.
F. antwortet ein wenig schwammig, woraufhin Uecker nachlegt, warum die Jugendamt-Mitarbeiterin die Kinder nicht konkret zu ihrem Zustand befragt habe. F. erwidert, dass sie doch mit den Kindern gesprochen und es keine Anzeichen für eine Gefährdung gegeben habe.
Anschließend geht es um eine Mail, die F. an Christina Block geschickt hat. In dieser stellte die Jugendamt-Mitarbeiterin der Steakhouse-Erbin das Protokoll des Termins zur Verfügung. Dies sei aber nicht vor der endgültigen Veröffentlichung des Protokolls passiert, versichert F.
Update, 13.40 Uhr: Hensel-Anwalt konfrontiert F. mit Darstellung von Klara
Hensel-Anwalt Philip von der Meden konfrontiert die Jugendamt-Mitarbeiterin mit dem Umstand, dass Klara den Termin am 4. Januar im Anschluss ganz anders dargestellt habe. Sie hatte unter anderem erklärt, dass F. ihr "nicht geholfen" habe.
Von der Meden findet auch verwunderlich, dass vor dem Termin nicht konkreter Thema gewesen sei, dass es sich um eine mögliche Entführung handeln könnte. "Es ging nur darum, die Kinder in Augenschein zu nehmen", erklärt F.
Update, 13.32 Uhr: Keine Anzeichen für Kindeswohlgefährdung laut Carina F.
Ziel des Termins sei es gewesen, "die Kinder in Augenschein zu nehmen" und eine mögliche Kindeswohlgefährdung zu überprüfen. Anzeichen dafür habe es laut F. an diesem Tag aber "überhaupt nicht" gegeben.
Sie habe weder Verletzungen noch andere augenscheinliche Hinweise für eine Notlage der Kinder feststellen können. Die Interaktion zwischen den Kindern sei "positiv" und "ausgelassen" gewesen. Klara habe sogar über eine Neueinrichtung ihres Zimmers in dem Haus gesprochen, bei Theo sei es ähnlich gewesen.
Klara habe lediglich einmal gesagt, dass sie gern mit ihrem Vater sprechen würde, dies aber gerade nicht möglich sei.
Update, 13.22 Uhr: Jugendamt-Mitarbeiterin spricht über den 4. Januar
Jetzt geht es direkt um den Termin am 4. Januar 2024, als F. im Haus der Familie Block auf die kurz zuvor entführten Kinder getroffen sei. Sie habe den Termin wahrgenommen, obwohl sie für den Fall nicht mehr zuständig gewesen sei, weil sie die Familie aus den Vorjahren eben bereits gekannt habe.
Die Jugendamt-Mitarbeiterin berichtet, dass sie sich zu den spielenden Kindern (Klara, Theo und Greta) "gesellt" habe. Dabei spricht sie von einem "netten Beisammensein".
Ob sie den Kindern Fragen gestellt habe, will Hildebrandt wissen. "Bestimmt", antwortet F., kann sich an einzelne Fragen aber nicht erinnern. Auch, wie die Kinder nach Hamburg gekommen seien, sei kein Thema gewesen.
Update, 13.14 Uhr: Carina F. wurde 2016 für den Fall Block/Hensel zuständig
Die Sozialpädagogin erklärt auf Nachfrage von Hildebrandt, dass sie die Zuständigkeit für den Fall Block/Hensel im Jahr 2016 übernommen und diese bis 2021 gehabt habe.
F. berichtet von "sehr detailliert ausgehandelten Umgangsregelungen" zwischen Block und Hensel. Gleichzeitig erklärt sie, dass die beiden Parteien bereits zerstritten gewesen seien und "sich sehr viel in Gerichtssälen getroffen" hätten.
Update, 13.06 Uhr: Verhandlungstag beginnt mit der Befragung von Carina F.
Um 13.06 Uhr eröffnet die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt mit wenigen Minuten Verspätung den Verhandlungstag.
Es geht sofort mit der Befragung von Carina F. (47), der Jugendamt-Mitarbeiterin, los.
Update, 12.50 Uhr: Zuschauerraum in Saal 237 recht gut gefüllt
Nachdem das Interesse an dem Prozess zuletzt etwas nachgelassen hatte, ist der Andrang trotz des angesetzten Kurztermins heute wieder etwas größer.
Der Zuschauerraum in Saal 237 ist recht gut gefüllt, viele Beobachter erwarten die Zeugenaussage der Jugendamt-Mitarbeiterin offenbar mit Spannung.
Update, 12.30 Uhr: So geht es am Montag weiter
Für Prozessbeteiligte und Zuschauer geht es am Montag außergewöhnlich spät los. Die Verhandlung beginnt nicht, wie sonst, bereits um 9.30 Uhr, sondern erst um 13 Uhr.
Dann steht die Befragung einer Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamtes auf dem Programm, die bisher noch nicht als Zeugin gehört wurde. Die Frau hatte kurz nach der Entführung im Haus der Mutter mit den Kindern gesprochen.
Weitere Zeugenbefragungen sind laut Gericht für Montag nicht geplant.
Update, 12.15 Uhr: Recap vom 36. Verhandlungstag
Am 36. Verhandlungstag Anfang Februar war die Befragung vom mutmaßlichen Chef-Entführer David B. fortgesetzt worden. An seinem inzwischen achten Tag im Zeugenstand räumte B. ein, "elektronische Spionage" betrieben beziehungsweise beauftragt zu haben.
Laut seiner Aussage sei eine Person namens Martin A. für die Überwachung des Hauses der Familie Hensel in Dänemark zuständig gewesen. Mehr als "Teile von Passwörtern" habe man jedoch nicht entschlüsseln können.
Empört zeigte sich B. über die Zeugenaussage von Alon K., der angegeben hatte, nichts mit der Entführung zu tun zu haben. K. hatte zudem von einem zufälligen Treffen mit B. in Berlin gesprochen.
"Ich habe ihn nicht zum ersten Mal in Berlin getroffen und das Treffen war auch nicht zufällig, sondern geplant. Ich habe ihn zuvor mehrfach getroffen und das erste Mal war in Tel Aviv", widersprach B. der Darstellung von K. vehement.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa