Block-Prozess: Kinderpsychologe erstellte "Rückführungskonzept"
Hamburg - Am Montag wird der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Am 32. Verhandlungstag soll als einziger Zeuge der Kinderpsychologe Dr. Stefan R. aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.
Update, 10.50 Uhr: "Rückholungskonzept" sah Transport in Kleinbus vor
Die Richterin zitiert nun Auszüge aus dem von R. verfassten "Rückholungskonzept", in dem unter anderem ein "Kleinbus" vorgesehen war, mit dem die Kinder nach der dänischen Grenze transportiert werden sollten. "Damit sich die Kinder bewegen können, das ist in einem Pkw kaum möglich", erläuterte der Zeuge.
Auf die Frage der Richterin, ob die Rückführung auf der Vorstellung beruht habe, dass die Kinder von der Mutter zurückgebracht würden, antwortete R.: "Ja, alles unter der Voraussetzung, dass die Kinder mitwollen."
Zur Erinnerung: Die Kinder waren in der Silvesternacht 23/24 nach der Grenze tatsächlich mit einem Wohnmobil nach Süddeutschland gebracht worden.
Es folgt eine kurze Pause.
Update, 10.40 Uhr: "'Niemandsland' ist nicht meine Formulierung"
Anschließend geht es um Notizen von Christina Block. Darin hatte sie festgehalten, der Kinderpsychologe habe ihr geraten, mit den Kindern zunächst "eine gewisse Zeit im Niemandsland" zu verbringen, bevor sie nach Hamburg zurückkehrten.
"'Niemandsland' ist nicht meine Formulierung", stellte R. klar. Es könne jedoch hilfreich sein, wenn eine Rückführung nicht durch das "verteufelte2 Elternteil erfolge, sondern durch ein anderes vertrautes Familienmitglied, etwa die Großeltern. Er habe zudem zu gemeinsamen Aktivitäten geraten – etwa Freizeitparkbesuchen oder Geburtstagsfeiern –, also zu Situationen, "die nichts mit dem elterlichen Konflikt zu tun haben".
Mit Blick auf eine mögliche Fluchtgefahr der Kinder habe er Frau Block geraten, bei einer Rückkehr auf deren Sicherheit zu achten, etwa Türen geschlossen zu halten und sie nachts nicht rauszulassen. "Kinder könnten noch das Narrativ des anderen beeinflussenden Elternteils im Kopf haben. Es gibt Fälle, in denen Kinder eine Stimme im Hinterkopf haben, die ihnen sagt: 'Lauf weg'."
Update, 10.34 Uhr: Entführung war für den Zeugen nie ein Thema
Für den Psychologen habe es nie zur Disposition gestanden, dass Christina Block ihre Kinder entführen könnte. "Das war für mich gar nicht vorstellbar – vielleicht war ich nachträglich an dieser Stelle unaufmerksam –, aber für mich hatte Frau Block sowohl das Aufenthaltsbestimmungsrecht als auch das Sorgerecht", so der Zeuge.
Dass man sich auf einem rechtmäßigen Weg befinde, sei ihm zudem mehrfach von Christina Block selbst sowie von ihrem Anwalt, Dr. Andreas C., versichert worden.
Update, 10.19 Uhr: "Ich habe Frau Block als eingeschüchtert erlebt"
Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für Christina Block habe er Kontakt zu mehreren Beteiligten gehabt, darunter zu Gerhard Delling und dem mitangeklagten Familienanwalt der Familie Block, Dr. Andreas C. "Ich bin vielen Personen begegnet, die verzweifelt nach Wegen gesucht haben, die Situation positiv zu lösen", so der Zeuge.
Es sei auch zu einem Telefonat mit Eugen Block (65) gekommen. Zudem habe er Kontakt zu dem ehemaligen Polizeibeamten Thorsten M. von der Sicherheitsfirma "System 360 Grad" gehabt. Diese Firma soll die Unternehmerin bereits 2022 damit beauftragt haben, die Kinder aus Dänemark zurückzuholen.
Mit Unterstützung von Thorsten M. und weiteren Polizeibeamten sei er zudem einmal gemeinsam mit Frau Block nach Dänemark gereist, um sie "zu stabilisieren" und ihr beizustehen. "Ich habe Frau Block als eingeschüchtert erlebt", sagt der Psychologe. Sie habe den Wunsch gehabt, ihre Kinder noch einmal zu sprechen, um zu klären, ob sie tatsächlich nicht mehr nach Hause wollten. "Allein hat sie sich das jedoch nicht zugetraut", so R.
Man habe vor allem Angst vor dem Verhalten von Stephan Hensel (51) gehabt. Im Vorfeld habe Frau Block ihm unter anderem von aggressivem und "aufbrausendem" Verhalten ihres Ex-Mannes berichtet.
Update, 10.10 Uhr: "Rückholungskonzept" sei mehr ein Leitfaden für eine Wiedervereinigung
Ziel sei es gewesen, sowohl das Familiengericht als auch – perspektivisch – die dänischen Gerichte davon zu überzeugen, dass eine Rückführung der Kinder in den Haushalt der Mutter geboten sei.
"Haben Sie mit Frau Block jemals über eine Rückholung gesprochen?", fargt die Richterin. "Ja, aber nicht in dem Sinne, wie es hier zur Debatte steht", so R., der nie etwas unterstützt hätte, "wo Personen Schaden nehmen".
Das mehrfach im Prozess thematisierte "Rückholungskonzept" sei mehr als Leitfaden für eine Wiedervereinigung im mütterlichen Haushalt gewesen: "Es ging darum, die Kinder behutsam wieder in den Haushalt zurückbringen, aus dem sie stammen."
Update, 10 Uhr: Frau Block wollte eine psychologische Erklärung
R. gibt an, dass er zum ersten Mal Mitte 2022 Kontakt mit Christina Block und Gerhard Delling (66) gehabt habe. "Frau Block hat Kontakt zu mir aufgenommen, weil sie wusste, dass ich Eltern in Trennungskonflikten berate", so der Zeuge.
Sie habe eine psychologische Erklärung dafür gesucht, warum ihre Kinder von einem Tag auf den anderen "auf volle Distanz" gegangen seien. Zudem habe sie gefragt: "Wie können die Kinder sagen, dass ich sie geschlagen habe, wenn das nicht stimmt?"
Darüber hinaus sollte er die Unternehmerin in den bereits laufenden familiengerichtlichen Verfahren unterstützen. "Ein zentrales Thema war natürlich, wie man die Kinder rechtlich zurückbekommen kann", so R. weiter. Auch Fragen des Kindeswohls und der sensiblen Umgänge mit den Kindern für den Fall einer Rückkehr in den Haushalt der Mutter seien thematisiert worden.
Update, 9.51 Uhr: 32. Verhandlungstag beginnt
Mit rund 20 Minuten Verspätung beginnt der 32. Verhandlungstag und die Zeugenbefragung des Kinderpsychologen Dr. Stefan R. (54).
Update, 9.45 Uhr: Prozessbeginn verzögert sich
Die Ankunft des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten Tal S. (36), der jedes Mal über einen separaten Gang in den Gerichtssaal gebracht wird, verzögerte sich aus bislang unbekannten Gründen.
Update, 9.15 Uhr: Keine Wartezeiten
Im Vergleich zu den vergangenen Prozesstagen rund um die Zeugenaussage des 68-jährigen David B. verläuft der heutige Montag deutlich ruhiger. Ohne zusätzliche Sicherheitskontrollen kommt es vor Saal 237 zu keinen längeren Wartezeiten.
Update, 9 Uhr: So geht es am Montag weiter
Entgegen den Erwartungen wird am 32. Verhandlungstag nicht die Zeugenvernehmung von David B. fortgesetzt, die bislang noch nicht abgeschlossen ist. Stattdessen ist für 9.30 Uhr der Kinderpsychologe Dr. Stefan R. als Zeuge geladen, wie das Gericht am Freitag mitteilte.
Dr. R. beschreibt sich auf seiner eigenen Homepage als "Wegweiser aus Ihrem Elternkonflikt" und betont, dass in seiner Arbeit stets das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehe.
Im Prozess wurde Dr. R. bereits mehrfach thematisiert. Er soll von Christina Block schon während des familienrechtlichen Streits mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel (51) beauftragt worden sein. In einem Gutachten kam er zu dem Schluss, die Kinder seien durch ihren Vater von der Mutter entfremdet worden – ohne zuvor selbst mit den Kindern gesprochen zu haben, wie Block in ihrer Einlassung sagte.
Nach Angaben der Unternehmerin habe Dr. R. die Kinder erst nach der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 persönlich getroffen. Bis zur Rückführung der Kinder zu ihrem Vater nach Dänemark auf Anordnung des Oberlandesgerichts am 5. Januar 2024 soll er Block und ihre Kinder mehrfach zu Hause besucht haben.
Zuvor soll der Zeuge ein sogenanntes "Rückführungskonzept" erstellt haben, das Christina Block später mit den Worten "I hope you can use it" an die mutmaßlichen Entführer weiterleitete. Von ihm soll zudem der Vorschlag stammen, dass die Kinder ihre Mutter zunächst an einem "neutralen Ort" wiedersehen sollten. Nach eigener Aussage wählte David B. deshalb den Bauernhof in Süddeutschland für das erste Treffen.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Dienstag
Am 31. Verhandlungstag sagte zum fünften Mal der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) aus. Er gab an, dass Block lüge, wenn sie behaupte, von einer Entführung sei nie die Rede gewesen, auch wenn der Begriff an sich ausschließlich "für das benutzt wurde, was Stephan Hensel getan hat".
Dieser hatte die beiden jüngsten Block-Kinder, Theo und Klara, nach einem Umgangswochenende im Sommer 2021 nicht nach Deutschland zurückgebracht.
Block soll bereits vor der Operation rund um die Silvesternacht 2023/24 von den Plänen gewusst haben. Sie habe das Team sogar ausdrücklich gebeten, ihre Kinder keiner Gewalt auszusetzen und ihnen keine Masken über das Gesicht zu ziehen.
Wann genau der 31. Dezember 2023 festgelegt wurde, wisse B. nicht mehr: "Ich erinnere mich an keinen genauen Zeitpunkt, aber es herrschte höllisch viel Druck von Herrn Dr. C., dass die Kinder vor Weihnachten zurück sein müssen."
"Ab dem Moment, in dem wir die sogenannten 'goldenen Daten' hatten, ergab es für mich Sinn, dass eine Operation geplant werden kann, um die Kinder zurückzubringen", führte der Zeuge weiter aus. Mit den "goldenen Daten" ist die Information von Block gemeint, dass Theo und Klara gemeinsam mit ihrem Vater am Hafen von Gråsten das Feuerwerk anschauen würden.
B. betont, dass es nie geplant sei, "in ein Haus zu gehen oder jemanden aus der Schule zu holen. Das war wirklich die letzte Möglichkeit, die auf dem Tisch lag".
Titelfoto: Markus Scholz/dpa