Hamburg - Im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) und sechs weitere Angeklagte fand am Dienstag der 76. Verhandlungstag statt. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
An dem außergewöhnlich kurzen Prozesstag ging es zunächst um die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des mitangeklagten Sicherheitsunternehmers Andreas P. und des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführers Tal S.
Der Israeli erzählte von seinem früheren Job als "Ermittler für Stromdiebstahl". Diesen Beruf habe er bis zu seiner Verhaftung gehabt, so der Mitangeklagte. Auf Nachfrage der Richterin bestätigte S., dass er in diesen Job zurückkehren könne, sollte er freigesprochen werden. Bei einer Verurteilung sei diese Möglichkeit hingegen futsch.
Emotional wurde es, als Uta B. ihre finanzielle Situation offenbarte. Die Block-Cousine sprach mit zittriger Stimme von "rund 30.000 Euro brutto", die sie am Ende des Jahres ungefähr verdient habe. Erneut betonte die Mitangeklagte, dass sie und ihr Mann durch das Verfahren extrem viele Einbußen hätten. Dabei kamen ihr die Tränen.
Ganz am Ende der Verhandlung teilte die Kammer dann auch noch mit, dass bei B. auch eine "Mittäterschaft" in Betracht gezogen werde. Bisher stand lediglich Beihilfe im Raum. Die Block-Cousine reagierte mit weiteren Tränen.
11.12 Uhr: Bei Block-Cousine wird eine Mittäterschaft in Betracht gezogen
Die Verhandlung ist für heute beendet, da niemand der Verfahrensbeteiligten weitere Anträge stellt.
Zuvor verkündete die Richterin allerdings noch, dass im Falle von Uta B. auch eine "Mittäterschaft" in Betracht gezogen werde. Bisher stand lediglich Beihilfe im Raum. Die Block-Cousine reagiert mit weiteren Tränen.
Weiter geht der Prozess am nächsten Dienstag um 9.30 Uhr. Dann wird noch ein Zeuge geladen sein - wer genau, ist noch unklar.
11.10 Uhr: Selbstleseverfahren soll bis nächsten Dienstag abgeschlossen sein
Es geht weiter. Die Kammer verteilt zahlreiche Dokumente an die Verfahrensbeteiligten. Es wird angeordnet, diese im Selbstleseverfahren zu sichten, sie werden nicht in der Hauptverhandlung verlesen. Das Selbstleseverfahren soll bis kommenden Dienstag abgeschlossen werden, verkündet die Richterin.
Anschließend wird verkündet, dass die Gegenvorstellung von Gül Pinar, die die Anwältin gestern erhoben hatte, zurückgewiesen wird. Die Verteidigerin von Sicherheitsunternehmer Andreas P. hatte einen Beschluss der Kammer aus August kritisiert.
10.38 Uhr: Kurzer Disput zwischen Block-Verteidiger und Hensel-Anwalt
In der Mail hatte Block auch betont, dass sie keinen Journalisten beauftragt habe, der vor dem Haus der Familie Hensel in Dänemark aufgetaucht sei. Hensel-Anwalt Philip von der Meden kommentiert, dass diese Aussage wahrheitswidrig sei, da nachweisbar mehrfach Personen vor dem Haus aufgetaucht seien.
Bott entgegnet, dass es in diesem Fall ganz konkret um den Journalisten gegangen sei und kritisiert das "Framing" seines Anwalts-Kollegen
Anschließend gibt es eine 20-minütige Pause. Die Richterin muss eine Selbstleseanordnung fertigstellen und ausdrucken, nachdem Bott zahlreiche Beweisanträge gestellt habe.
10.28 Uhr: Nachrichten von Christina Block werden vorgelesen
Als nächstes werden alte Nachrichten von Christina Block an ihre älteste Tochter Johanna und an ihren Ex-Mann Stephan Hensel vorgelesen, die als Anlage den Akten beiliegen. Es geht in den Nachrichten um den Tod von Blocks Mutter Christa. Die Steakhouse-Erbin bedauert, dass diese gestorben sei, ohne die Kinder noch einmal gesehen zu haben.
Block-Anwalt Ingo Bott kommentiert, dass diese Nachrichten zeigen würden, dass seine Mandantin "die Hand gereicht" habe - und dass das, was sie in der Verhandlung über ihre Kinder und die Liebe zu ihnen ausgesagt habe, authentisch sei und der Wahrheit entspreche.
Auch eine E-Mail von Block an Hensels Anwalt Gerd Uecker wird verlesen. In dieser spricht die Angeklagte davon, dass das Wohl der Kinder im Zentrum stehe und dass "die Eskalation" ein Ende haben müsse. Bott betont, dass seine Mandantin eine "gemeinsame Lösung" angestrebt habe.
10.21 Uhr: Block-Cousine kommen bei Aussage über ihre Finanzen die Tränen
Nein. Die Kammer kehrt zurück und sieht keinen Grund, um die Öffentlichkeit auszuschließen - insbesondere, weil ein "fehlerhafter" Ausschluss ein klarer Grund für eine etwaige Revision wäre, erläutert die Vorsitzende Richterin.
Sie fragt Uta B. nach ihren genauen Einkünften. Die Block-Cousine spricht mit zittriger Stimme von "rund 30.000 Euro brutto", die sie am Ende des Jahres ungefähr verdient habe. Erneut betont die Mitangeklagte, dass sie und ihr Mann durch das Verfahren extrem viele Einbußen hätten. Dabei kommen ihr die Tränen.
Ihr Ehemann Mann will oder kann keine genaue Summe nennen.
10.05 Uhr: Müssen die Zuschauer gleich den Saal verlassen?
Die Kammer zieht sich für eine Beratung zurück, nachdem Reinhard Daum, der Verteidiger von Block-Cousine Uta B., einen Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt hat.
Er hat die detaillierten wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Mandantin schriftlich vorgelegt, allerdings müssten diese eigentlich mündlich vorgebracht werden. Müssen die Zuschauer dafür gleich den Saal verlassen?
9.57 Uhr: Mit-Entführer hilft anderen Häftlingen bei Anträgen und Ähnlichem
Sascha Böttner, Verteidiger von Tal S., berichtet von dessen Alltag in U-Haft. Dieser habe ihn früh um deutsche Literatur gebeten, um Deutsch zu lernen, berichtet der Jurist. Zudem habe S. seit circa einem Jahr Arbeit in der Fertigung, so Böttner.
Darüber hinaus helfe der Israeli anderen Mit-Häftlingen bei etwaigen Anträgen und Ähnlichem.
9.50 Uhr: Wird Tal S. schuldig gesprochen, ist sein Job futsch
Weiter geht es mit dem in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführer Tal S. Er sei in einer Stadt namens Cholon aufgewachsen und habe Abitur gemacht, berichtet der Israeli in gebrochenem Deutsch.
Anschließend habe er eine Grundausbildung bei der Armee gemacht und sei danach bei der Polizei gewesen. Zudem habe er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolviert, von 2011 bis 2014. Danach sei er bei einer Firma in Tel Aviv angestellt gewesen - unter anderem als "Ermittler für Stromdiebstahl".
Diese Stellung habe er bis zu seiner Verhaftung gehabt, erzählt S. Die Richterin fragt, ob er in diesen Job zurückkehren könnte, sofern er freigesprochen werden würde. Der Israeli bejaht. Sollte er schuldig gesprochen werden, sei der Job jedoch Geschichte, bestätigt S. auf Nachfrage. Kinder habe er nicht und er sei Single, erzählt der mutmaßliche Mit-Entführer.
9.39 Uhr: Verhandlung beginnt mit Lebenslauf von Security-Mann Andreas P.
Die Verhandlung läuft. Als erstes geht es um die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse vom Sicherheitsunternehmer Andreas P. Der Angeklagte äußert sich nicht selbst, stattdessen verliest seine Verteidigerin Gül Pinar eine Art Lebenslauf.
Vor seiner Arbeit im Security-Bereich sei P. bei der Polizei und beim Landeskriminalamt gewesen. Seine Firma habe er 2008 gegründet. Auch in seinem Fall sei der Prozess für "erhebliche Einkommenseinbuße" verantwortlich, betont Pinar.
9.23 Uhr: Moderater Andrang im Zuschauersaal
Nachdem es am Montagmorgen ziemlich voll war, hält sich der Andrang am Dienstag in Grenzen.
Eine Schulklasse hat sich im Zuschauerraum von Saal 237 eingefunden, ansonsten ist dieser relativ spärlich besetzt.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Wie das Gericht vorab mitteilte, sollen der mitangeklagte Sicherheitsunternehmer Andreas P. und der in U-Haft sitzende mutmaßliche Mit-Entführer Tal S. am Dienstag Angaben zu ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen machen.
Abgesehen davon ist es denkbar, dass Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Anträge an das Gericht stellen.
8.45 Uhr: Recap vom 75. Verhandlungstag
Am 75. Verhandlungstag sagte Otmar Kury (70), der Ex-Anwalt der Steakhouse-Erbin, als Zeuge aus - allerdings nur für wenige Minuten. Der Jurist berief sich zu großen Teilen auf die Schweigepflicht, von der ihn Block nicht entbunden habe.
Bevor er aus dem Zeugenstand entlassen wurde, ließ es sich Kury allerdings nicht nehmen, die Unschuld seiner ehemaligen Mandantin noch einmal zu betonen.
Darüber hinaus ging es um die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Angeklagten - ein normaler Programmpunkt im Prozessablauf. Dabei offenbarten Block und ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) unter anderem, dass sie Schulden und derzeit kein regelmäßiges Einkommen hätten.