Block-Prozess: Nachbarin macht Steakhouse-Erbin schwere Vorwürfe, die wehrt sich
Hamburg - Am Dienstag stand der 43. Verhandlungstag im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) auf dem Programm. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveticker.
Zunächst sagte Mirjam D. (52), eine Nachbarin der Steakhouse-Erbin, als Zeugin aus. Sie sprach über ihre Beobachtungen und den alltäglichen Umgang der Angeklagten mit ihren Kindern.
So berichtete sie unter anderem von einem Tag, als Sohn Theo bei strömendem Regen und ohne Schuhe vor dem Haus gestanden habe und nicht reingelassen worden sei. Dabei soll er bitterlich geweint haben.
Block selbst widersprach dieser Darstellung vehement. Sie betonte: "Niemals hätte ich meinen Theo ohne Schuhe an der Straße stehen lassen. Das ist vollkommen absurd."
Anschließend sagte der Hamburger Kriminalbeamte Christian M. (52) aus, der am Tag nach der Entführung unter anderem mit Block-Partner Gerhard Delling (66) und dem Familienanwalt Dr. Andreas C. gesprochen hatte.
Der Polizist warf Delling "nicht lebensnahe" Aussage vor - unter anderem, weil dieser nicht gewusst habe, wo sich Frau Block aufhalte oder wie man sie erreichen könne. Zudem habe es weiteren "Unstimmigkeiten" gegeben.
14.47 Uhr: Verteidiger Rieks: Aussagen von Delling sehr wohl "lebensnah"
Delling-Verteidiger David Rieks betont, dass es "keinen einzigen Anhaltspunkt" gegeben habe, dass sein Mandant gewusst habe, wohin Frau Block am Neujahrstag unterwegs gewesen sei. Das sei sehr wohl "lebensnah" gewesen, verdeutlicht der Jurist.
Damit ist die Verhandlung für den heutigen Tag beendet. Weiter geht es am 14. April um 9.30 Uhr.
14.36 Uhr: Verteidiger des Familienanwalts spricht von "Skandal"
Dr. Voß erklärt, die Zeugenbefragung habe erneut gezeigt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft "von Anfang an auf einem Auge blind" gewesen seien.
Dass sich niemand die Frage gestellt habe, wo die Kinder eigentlich hingehörten, sei "ein Skandal", wettert der Verteidiger des Familienanwalts C.
Die anwesende Staatsanwältin wehrt sich und erklärt, dass man sich von Tag eins mit dieser Frage beschäftigt habe.
14.26 Uhr: Christina Block nimmt Partner Gerhard Delling in Schutz
Nach der Pause äußert sich Christina Block selbst zu den Aussagen des Kriminalbeamten. Sie habe nur ein Telefon, das besagte Haustelefon, und dieses auf Aufforderung von "Olga" zu Hause gelassen, als sie nach Süddeutschland aufgebrochen sei.
Herr Delling habe nicht sagen können, wo sie sich aufhalte, da sie selbst es zu diesem Zeitpunkt gar nicht habe sagen können. "Ich wollte nur nach Hause und meinen Kindern Sicherheit geben", betonte die 52-Jährige.
14.09 Uhr: Polizist betont: "Die Kinder gehören in Sicherheit"
Dr. Voß kommt noch mal auf die Aussage von M. zu sprechen, dass die Polizei sich nicht damit beschäftigt habe, wo die Kinder eigentlich hingehörten.
Seine Aufgabe sei gewesen, zu prüfen, ob es sich um einen erpresserischen Menschenraub handele, sonst nichts, verdeutlicht M. Klar sei nur: "Die Kinder gehören in Sicherheit", so der Kriminalbeamte.
Anschließend ist die Befragung beendet, es gibt erneut zehn Minuten Pause.
14 Uhr: Verteidiger des Familienanwalts befragt den Polizisten
Jetzt übernimmt Dr. Marko Voß, der Verteidiger des Familienanwalts Dr. Andreas C., die Befragung des Zeugen.
Er will wissen, ob der Polizist aus dem Gespräch noch wisse, wie das Video mit den schlafenden Kindern in C.s Besitz gekommen sei. Delling habe ihm das Video per Mail weitergeleitet, bestätigt M. nach einem Vorhalt aus dem Vernehmungsprotokoll.
13.50 Uhr: Polizist belehrte Delling im Rahmen der Vernehmung als Zeuge
M. erklärt auf Rieks Frage, warum er zum Haus der Familie Block gefahren sei, obwohl dort bereits Beamte vor Ort gewesen seien, dass man gemeinsam entschieden habe, dass weiterer Sachverstand vor Ort sinnvoll sei.
Zu der Vernehmung von Herrn Delling sagt der Polizist, dass er diesen als Zeugen belehrt habe. Gegen wen sich der Ermittlungsverdacht richte, habe er ihm hingegen nicht klar gesagt, erinnert er sich.
13.37 Uhr: Polizei beschäftigte sich nicht damit, wo die Kinder hingehörten
Nach der Pause stellt Delling-Anwalt David Rieks dem Kriminalbeamten Fragen. Er will unter anderem wissen, ob sich bei der Polizei die Frage gestellt worden sei, wo die Kinder eigentlich hingehörten. "Nein", antwortet der Zeuge.
Dass er später erfahren habe, dass gegen Stephan Hensel ein Verfahren wegen des Verdachts der Kindesentziehung laufe, habe nichts daran geändert. Die Frage nach der Zugehörigkeit der Kinder sei für ihn zunächst nicht relevant gewesen.
13.15 Uhr: Frau Block habe sich per Video bei Delling und Co. gemeldet
Frau Block habe Herrn Delling und dem Familienanwalt ein Video geschickt, in dem die Kinder schlafend im Bett zu sehen gewesen seien. Die 52-Jährige habe verlauten lassen, dass sie "in ein paar Tagen" mit den Kindern zurückkomme.
Die Vorsitzende Richterin beendet ihre Befragung daraufhin. Delling-Anwalt David Rieks und Marko Voß, der Verteidiger des Familienanwalts, wollen ebenfalls Fragen stellen, vorher gibt es aber eine zehnminütige Pause.
13.10 Uhr: Delling habe Frau Block nicht gefragt, wo sie sich aufhalte
Später am 1. Januar habe er Herrn Delling noch mal im Polizeipräsidium vernommen. Delling habe ausgesagt, dass Frau Block über das Haustelefon Kontakt aufgenommen habe. Dieses sei zu diesem Zeitpunkt allerdings schon sichergestellt gewesen.
Auf die Frage, ob er die Steakhouse-Erbin gefragt habe, wo sie sich aufhalte, habe Delling erklärt, dass er diese Frage in der Aufregung nicht gestellt habe.
13.03 Uhr: Zeuge berichtet von "Unstimmigkeiten" in Delling-Aussagen
M. betont mehrfach, dass es in den Aussagen von Herrn Delling einige "Unstimmigkeiten" gegeben habe. Seltsam sei ihm auch vorgekommen, dass sich das Handy von Tochter Greta im Haus befunden habe, obwohl diese nicht da gewesen sei.
Schnell habe es Hinweise gegeben, dass es sich nicht um einen erpresserischen Menschenraub handele, wie zunächst angenommen, sondern das etwas anderes dahinterstecke.
12.51 Uhr: Kriminalbeamter spricht über Tag nach der Entführung
M. habe nach der Entführung mit Stephan Hensel gesprochen, der sogleich seine Ex-Frau als mögliche Drahtzieherin der Aktion verdächtigt habe.
Er habe später zudem mit Gerhard Delling und Familienanwalt Dr. Andreas C. gesprochen und erklärt, was es bedeute, wenn es sich um einen "erpresserischen Menschenraub" handele, wonach zunächst alles ausgesehen habe.
Auf die Frage, wo Christina Block sei, habe Herr Delling ihm geantwortet, er habe keine Ahnung. Merkwürdig sei für ihn gewesen, dass Delling nicht gewusst habe, wie seine Lebensgefährtin erreichbar sei und dass er "einfach hingenommen" habe, dass sie für ein paar Tage nicht zu Hause sein würde. Das sei "nicht lebensnah" gewesen, urteilt M.
12.40 Uhr: Verhandlung mit neuem Zeugen fortgesetzt
Mit zehn Minuten Verspätung geht es weiter. Richterin Hildebrandt bittet den Hamburger Kriminalbeamten Christian M. (52) in den Zeugenstand.
Der Beamte ist für den Kriminaldauerdienst tätig und war am 1. Januar 2024 im Dienst, dem Tag nach der Entführung. Er berichtet von einer "diffusen Lage".
11.23 Uhr: Deutsche Botschaft in Israel hat noch keine Rückmeldung gegeben
Zur geplanten Befragung der israelischen Zeugen, die aufgrund des Krieges im Nahen Osten derzeit nicht aus Israel ausreisen können, erklärt die Vorsitzende Richterin, dass man noch keine Rückmeldung aus der deutschen Botschaft bekommen habe.
Es stehe aber weiter im Raum, die Zeugen gegebenenfalls im Rahmen einer Videovernehmung zu befragen.
Hildebrandt unterbricht die Verhandlung für die obligatorische Mittagspause. Um 12.30 Uhr geht es weiter.
11.15 Uhr: Aussagen der Kinder werden in Selbstleseliste aufgenommen
Da der nächste Zeuge erst für 13 Uhr geladen ist, wird nun noch einmal der Beschlussentwurf der Kammer diskutiert, weitere Urkunden sowie unter anderem auch die Aussagen der Kinder Theo und Klara in eine Selbstleseliste aufzunehmen.
Das bedeutet, die Aussagen werden nicht im Saal laut verlesen, sondern die Prozessbeteiligten können diese selbst lesen. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung stimmen dem Vorschlag zu.
11.08 Uhr: Christina Block widerspricht Aussage ihrer Nachbarin
Jetzt ergreift Christina Block selbst das Wort. Sie erklärt mit Blick auf die Aussagen von D., dass sie es "befremdlich" finde, so genau beobachtet worden zu sein - zumal es eine "erhebliche Distanz" zwischen den beiden Häusern gebe.
Der Aussage, ihr Sohn habe im Regen und weinend draußen vor dem Haus gestanden, widersprach sie. "Niemals hätte ich meinen Theo ohne Schuhe an der Straße stehen lassen. Das ist vollkommen absurd", unterstreicht sie.
11 Uhr: Tal S. wusste nicht, wie Block mit ihren Kindern umgegangen sein soll
Sascha Böttner, Verteidiger des mitangeklagten Israelis Tal S. (35), erklärt, dass sein Mandant keine Kenntnis darüber gehabt habe, dass die Kinder nicht zurück zu ihrer Mutter wollten und wie diese mit ihren Kindern umgegangen sein soll.
Er hätte sich sonst an keiner Aktion beteiligt.
10.45 Uhr: Hensels Anwalt findet die Schilderungen von D. "nachvollziehbar"
Hensels Anwalt Philip von der Meden hält dagegen und bezeichnet die Aussagen der Nachbarin als "nachvollziehbar".
Die großen Einkäufe, die getätigt worden seien, passten ins Bild, dass die Familie von der anstehenden Entführung gewusst habe.
Es folgt eine zehnminütige Pause.
10.41 Uhr: Block-Anwalt bezeichnet Aussage der Nachbarin als "nichtssagend"
Die Befragung ist beendet, D. wird aus dem Zeugenstand entlassen. Block-Anwalt Bott erklärt anschließend, die Ausführungen der Zeugin seien "sehr dünn" und "nichtssagend". Er frage sich, was die Schilderungen bringen sollten.
Dass die Kinder glücklich bei ihrer Mutter gelebt hätten, sei durch mehrere Behörden bestätigt worden, verdeutlicht der Jurist.
10.31 Uhr: Zeugin sprach mit anderen Nachbarn über Verhalten von Block
Der Block-Anwalt will von der Zeugin wissen, ob sie mit anderen Nachbarn über ihre Beobachtungen und das generelle Verhalten der Steakhouse-Erbin gesprochen habe. D. bejaht.
Ob ein Nachbar die Angeklagte auf ihren Umgang mit den Kindern angesprochen habe, wisse sie nicht.
10.21 Uhr: Nachbarin hatte kein sonderlich enges Verhältnis zu Frau Block
Bott fragt die Zeugin nach ihrem Verhältnis zu Frau Block. "Man hat sich mal gesehen, man hat sich mal gegrüßt, aber mehr auch nicht", erklärt D.
Die Steakhouse-Erbin habe nicht so gewirkt, als wenn sie engen Kontakt wollte.
10.12 Uhr: Zeugin schickte ihre Tochter, um Situation zu deeskalieren
"Warum sind Sie nicht selbst auf die andere Straßenseite gegangen, sondern haben Ihre Tochter geschickt?", möchte David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling (66), zu dem Vorfall mit dem weinenden Theo wissen.
Sie habe gedacht, dass die Situation dann "nicht so angespannt" sei, wie als wenn sie rübergegangen wäre, antwortet D.
10.02 Uhr: Christina Block soll Kind weinend stehen gelassen haben
D. schildert eine weitere Beobachtung: Sie habe gesehen, dass die Steakhouse-Erbin eines ihrer Kinder weinend vor dem Haus stehen gelassen habe und einfach losgefahren sei. Nach kurzer Zeit sei sie wiedergekommen und habe das Kind eingesammelt.
"Warum haben Sie Frau Block nicht darauf angesprochen?", fragt Anwalt Bott. Sie habe großen Respekt gehabt und sei davon überzeugt gewesen, nicht einfach zu der Angeklagten hingehen zu können.
9.57 Uhr: Zeugin will den Kindern "eine Stimme geben"
Sie bereue, nach dem Vorfall mit Theo nicht das Jugendamt informiert zu haben. Deshalb habe sie später auch Hensels Anwalt Philip von der Meden angerufen, um als Zeugin aussagen zu können.
Sie wolle den Kindern "eine Stimme geben", da diese nicht aussagen könnten oder wollten. "Woher wissen sie das, dass die Kinder nicht aussagen wollen?", fragt Block-Anwalt Ingo Bott. Das habe überall in der Presse gestanden, so die Zeugin.
9.49 Uhr: Zeugin machte merkwürdige Beobachtungen
Die Zeugin berichtet, dass am Tag vor Silvester 2023 "Unmengen" an Einkaufstüten ins Haus der Familie Block gebracht worden seien. Das sei sonst nicht der Fall gewesen, weshalb sie davon ausgegangen sei, dass es "eine große Party" geben würde.
Darüber hinaus erzählt sie von einem Erlebnis an einem anderen Tag: Blocks Sohn Theo habe minutenlang ohne Schuhe in der Einfahrt gestanden und bitterlich geweint - bei strömendem Regen. Als sie ihre 14-jährige Tochter rübergeschickt habe, habe diese nach dem Klingeln von Frau Block die Antwort bekommen, dass Theo wisse, weshalb er dort stehen müsse.
9.40 Uhr: Verhandlung beginnt direkt mit Zeugenbefragung
Mit zehn Minuten Verspätung wird die Verhandlung durch die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt eröffnet.
Es geht sofort los mit der Befragung der Zeugin Mirjam D. (52). Die Frau lebt in der Nachbarschaft von Christina Block.
9.20 Uhr: Sehr wenig Andrang im Landgericht
Die für den heutigen Tag angekündigten Zeugen sorgen offenbar nicht bei vielen für Interesse.
Wenige Minute vor Verhandlungsbeginn ist der Zuschauerraum in Saal 237 nur äußerst spärlich gefüllt.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Am Dienstag ist für 9.30 Uhr eine Nachbarin von Christina Block als Zeugin geladen. Sie soll von ihren Beobachtungen zum Umgang der Steakhouse-Erbin mit ihren Kindern berichten.
Die Frau hatte sich bei Nebenklagevertreter Philip von der Meden gemeldet, woraufhin dieser beantragte, sie als Zeugin zu hören.
Sollte ihre Befragung bis dahin abgeschlossen sein, ist für 13 Uhr zudem ein weiterer Kriminalbeamter als Zeuge geladen.
8.45 Uhr: Recap vom vergangenen Dienstag
Am 42. Verhandlungstag sagte die Hamburger Polizistin Saskia B. (39) als Zeugin aus. Sie hatte in der Silvesternacht 2023/24 als Sachbearbeiterin beim Kriminaldauerdienst gearbeitet und sich kurz nach Mitternacht mit dem Notruf des Nebenklagevertreters Philip von der Meden (42) beschäftigt.
Dieser habe gemeldet, dass sein Mandant Stephan Hensel (51) an seiner Wohnanschrift überfallen und seine zwei Kinder entführt worden seien. Zudem soll der Anwalt bereits von einem Sorgerechtsstreit berichtet haben und dass man annehme bzw. vermute, dass gegebenenfalls die Kindsmutter die Entführung beauftragt habe.
Die Zeugin gab weiter an, mit Hensel telefoniert, Kontakt zu den Kollegen in Flensburg aufgenommen und das Bundeskriminalamt (BKA) kontaktiert zu haben. Weitere Maßnahmen habe sie bis zu ihrem Dienstschluss nicht ergriffen.
Die Verteidigung zeigte sich überrascht darüber, dass sich offenbar nicht damit beschäftigt worden sei, wo die Kinder nach deutschem Recht tatsächlich hingehörten. Für Unverständnis sorgte bei ihnen auch, dass die Polizei die Mutter nicht kontaktiert habe, obwohl entsprechende Telefonnummern vorgelegen hätten.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
