Block-Prozess: Verteidiger nehmen Aussage von Mit-Entführer auseinander

Hamburg - 48. Verhandlungstag im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block! Die Steakhouse-Erbin musste auch an ihrem 53. Geburtstag vor Gericht erscheinen. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveticker.

Steakhouse-Erbin Christina Block musste auch an ihrem 53. Geburtstag vor Gericht erscheinen.  © Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

Im Zentrum des ungewöhnlich kurzen Prozesstages stand die Zeugenaussage des mutmaßlichen Mit-Entführers Said B. in der vergangenen Woche. Die Verfahrensbeteiligten hatten die Möglichkeit, zu dessen Ausführungen Stellung zu beziehen.

Während die Nebenklagevertretung erklärte, dass die Zeugenaussage einmal mehr gezeigt habe, was für eine "traumatische Erfahrung" die Entführung für die Kinder gewesen sein müsse, nahmen die Verteidiger die Erzählungen von B. auseinander.

So bezeichnete Block-Anwalt Ingo Bott die Zeugenaussage als "nicht lebensnah" und widersprüchlich. Auch David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, argumentierte, B. habe sich "an ein Skript halten" wollen, an das er sich in einzelnen Moment selbst nicht habe erinnern können.

Kurioses Mutter hat Sorge vor Hass, weil Baby mit seltener Krankheit geboren wird - Es kommt ganz anders!

Dr. Marko Voß, der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., ergänzte, dass die Aussagen von Said B. vor allem gezeigt hätten, dass den "angeblichen Kronzeugen" David B. und Keren T. "nichts, aber auch gar nichts geglaubt werden" könne. Er forderte eine Festnahme von T., da deren "freies Geleit" eine wahrheitsgemäße Aussage voraussetze.

Anzeige

11.06 Uhr: Verhandlung für heute beendet

Nach nur rund anderthalb Stunden ist die heutige Verhandlung beendet.

Weiter geht es am morgigen Dienstag um 9.30 Uhr

Anzeige

11.03 Uhr: Anwältin stellt Antrag auf Akteneinsicht in anderes Verfahren

Anwältin Pinar stellt ebenfalls einen Antrag. Es geht ihr um Akteneinsicht in das Verfahren gegen Ex-BND-Chef August Hanning und dessen Mitarbeiter Torsten M. Diese sollen mit ihrer Firma "360 Grad" hinter einem früheren Entführungsversuch der Kinder stecken.

Die Akten würden unterstreichen, dass ihr Mandant P. in keiner Weise in die damaligen Vorgänge involviert gewesen sei.

Sämtliche Verteidiger schließen sich dem Antrag von Pinar an.

10.46 Uhr: Verfahrensbeteiligte unterstützen den Antrag

Sowohl Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertretung als auch sämtliche Verteidiger unterstützen den Antrag des Anwalts von Mark. B.

Der Verteidiger von dessen Frau Uta B. kündigt an, für seine Mandantin ebenfalls einen entsprechenden Antrag stellen zu wollen.

10.41 Uhr: Anwalt des Ehemanns der Block-Cousine stellt Antrag

Die Stellungnahmen zu der Zeugenaussage von Said B. sind beendet. Jetzt stellt der Verteidiger des mitangeklagten Ehemanns von Blocks Cousine, Mark B., einen Antrag.

Ziel des Antrags ist es, die Anwesenheitspflicht für B. aufzuheben. Die Schuld seines Mandanten sei, wenn überhaupt, als "äußerst gering" einzuschätzen. Vor diesem Hintergrund seien die Belastungen, insbesondere finanzieller Natur, für den selbständigen B. unverhältnismäßig.

B. soll seiner Frau, die die Kinder nach Hamburg gebracht haben soll, die entsprechende Route per Handy geschickt haben.

10.31 Uhr: Verteidigerin von Andreas P. kämpft für ihren Mandanten

Gül-Pinar, Verteidigerin des mitangeklagten Sicherheitsunternehmers Andreas P., argumentiert in Bezug auf ihren Mandanten ähnlich.

Die Zeugenaussage habe die Schuld von David B. und Keren T. unterstrichen und gleichzeitig die Unschuld von P. gezeigt. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte, dass ihr Mandant in irgendeiner Weise an der Informationsbeschaffung, Planung, Durchführung und Nachbereitung der Entführung beteiligt gewesen sei.

10.19 Uhr: Delling-Anwalt hebt Widersprüche des Zeugen hervor

Auch David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (67), wirft Said B. viele Widersprüche in seiner Aussage vor. Der Israeli habe sich "an ein Skript halten" wollen, an das er sich mitunter jedoch selbst nicht habe erinnern können.

B. sei derart sprunghaft in seinen Aussagen gewesen, dass es sich kaum um echte Erinnerungen handeln könne. Besonders der Umstand, dass der Zeuge als angesehener Bauingenieur in einem Café von einer ihm fremden Person zu der Rückholung der Kinder überredet worden sein soll, sei alles andere als glaubwürdig.

Was die Aussage allerdings gezeigt habe, sei die Unschuld seines Mandanten. Dieser sei in keiner Weise in die Entführung der Kinder involviert gewesen.

Der mitangeklagte Gerhard Delling (67, l.) neben seinem Verteidiger David Rieks.  © Marcus Brandt/dpa

10.06 Uhr: Verteidiger des Familienanwalts wird deutlich

Dr. Marko Voß, der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., ist als nächstes dran. Er unterstreicht, dass die Aussagen von Said B. vor allem gezeigt hätten, dass den "angeblichen Kronzeugen" David B. und Keren T. "nichts, aber auch gar nichts geglaubt werden" könne.

"Beiden lügen offensichtlich wie gedruckt", bilanziert der Jurist. Im Fall von T., auch "Olga" genannt, fordert er von der Staatsanwaltschaft, die Frau festnehmen zu lassen, wenn diese für ihre Zeugenaussage nach Deutschland komme - das ihr zugesicherte "freie Geleit" setze wahrheitsgemäße Aussagen voraus, argumentierte Voß.

Der Staatsanwaltschaft wirft der Verteidiger erneut vor, mit zweierlei Maß zu messen. Es ginge nicht mehr um eine objektive Wahrheitsfindung, sondern um eine Bestätigung der Wahrheit, auf die sich die Staatsanwaltschaft bereits vor langer Zeit eingeschossen habe - die Schuld von Christina Block.

9.53 Uhr: Block-Anwalt bezeichnet Zeugenaussage als "nicht lebensnah"

Block-Anwalt Ingo Bott hält dagegen und argumentiert, dass sich der Zeuge sehr widersprüchlich und zu einzelnen Dingen "nicht lebensnah" geäußert habe. B. habe sich in etliche Widersprüche verstricht, so der Verteidiger.

Er bezieht sich dabei unter anderem auf die Aussage des Zeugen, dass Christina Block bei einem Treffen von ihrer "schwer kranken" Mutter gesprochen habe - zu einem Zeitpunkt, als diese bereits rund ein halbes Jahr tot war. Trotz mehrfacher Nachfrage sei der Zeuge bei dieser Aussage geblieben.

Darüber hinaus hätten die Aussage einmal mehr gezeigt, wie manipulativ und einnehmend der mutmaßliche Chef-Entführer David B. agiert habe.

Block-Anwalt Ingo Bott (43) bezeichnete die Zeugenaussage von Said B. als "nicht lebensnah" und "widersprüchlich".  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

9.44 Uhr: Hensel-Anwalt: "Traumatische Erfahrung" für Kinder

Es geht direkt los mit den Stellungnahmen der Verfahrensbeteiligten zu der Zeugenaussage des mutmaßlichen Mit-Entführers Said B.

Der Nebenklagevertreter betont, dass die Aussage unterstrichen habe, dass es eine traumatische Erfahrung für die Kinder gewesen sein müsse. Er bezeichnete die Argumentation, dass man die Aktion für legal oder gar von den deutschen Behörden gedeckt gehalten haben könnte, als "absurd".

9.38 Uhr: Vorsitzende Richterin eröffnet Verhandlung

Mit acht Minuten Verspätung hat die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die Verhandlung eröffnet.

Der in U-Haft sitzende mutmaßliche Mit-Entführer Tal S. wurde wie gewohnt erst in den Saal geführt, nachdem die Foto-Journalisten selbigen verlassen hatte.

Mehr zum Thema Block-Prozess: