Block-Prozess: Verteidiger spricht von "Wendepunkt" im Verfahren

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Hamburg - Was bringt der 55. Verhandlungstag? Am Freitag (ab 9.30 Uhr) wird der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (53) fortgesetzt. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Seit fast einem Jahr muss sich Christina Block (53) wegen der mutmaßlichen Entführung ihrer Kinder vor Gericht verantworten. Sie wird von Anwalt Ingo Bott (43) verteidigt.
Seit fast einem Jahr muss sich Christina Block (53) wegen der mutmaßlichen Entführung ihrer Kinder vor Gericht verantworten. Sie wird von Anwalt Ingo Bott (43) verteidigt.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

13.37 Uhr: Verhandlung läuft wieder

Mit ein paar Minuten Verspätung läuft die Verhandlung wieder.

Die Vorsitzende Richterin erteilt Anwalt David Rieks, dem Verteidiger von Gerhard Delling, das Wort für dessen Stellungnahme.

12.14 Uhr: Mittagspause

Obwohl Bott zu der Stellungnahme von Böttner noch "zwei Sätze" sagen will, unterbricht die Vorsitzende Richterin die Verhandlung für die obligatorische Mittagspause.

Weiter geht es um 13.30 Uhr.

12.04 Uhr: Verteidiger von Mit-Entführer S. spricht von "fiktiver Realität"

Jetzt hat Sascha Böttner, der Verteidiger des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführers Tal S., das Wort. Er spricht davon, dass David B. und Keren T. eine "fiktive Realität" geschaffen hätten. Deshalb hätten sein Mandant und andere Beteiligte geglaubt, bei der Rückholung der Kinder - zumindest moralisch - im Recht zu sein.

Ob die Aktion rechtlich legal gewesen sei, sei für seinen Mandaten nicht entscheidend gewesen, argumentiert Böttner. Stattdessen sei für den Israeli nur entscheidend gewesen, "das Richtige" zu tun. Da Stephan Hensel ihm als Psychopath und Gefahr für die Kinder verkauft worden sei, sei die Rettung der Kinder die einzige Option gewesen.

Hätte S. von der Behauptung der Kinder, dass sie von der Mutter körperlich drangsaliert worden seien, gewusst, hätte er sich niemals an dem Vorhaben beteiligt, unterstreicht der Verteidiger zum wiederholten Male.

Sascha Böttner, der Verteidiger des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführers Tal S., sprach vor Gericht von einer "fiktiven Realität", die geschaffen worden sei.
Sascha Böttner, der Verteidiger des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführers Tal S., sprach vor Gericht von einer "fiktiven Realität", die geschaffen worden sei.  © Marcus Brandt/dpa

11.53 Uhr: Zeugenaussage von "Olga" ein "Wendepunkt" im Verfahren?

Zum Abschluss seiner ausführlichen Erklärung betont Block-Anwalt Bott, dass die Zeugenaussage von Keren T. ein "Schlüsselmoment" und ein "Wendepunkt" im Verfahren gewesen sei.

Seine Mandantin sei in die Planung und Durchführung der Entführung nicht eingebunden gewesen, habe von dem Vorhaben schlichtweg nichts gewusst, hält der Verteidiger fest.

11.42 Uhr: Bott: Meine Mandantin wollte "einfach nur alles richtig machen"

Die Aussage von "Olga" habe weiterhin aufgezeigt, dass seine Mandantin "einfach nur alles richtig machen wollte", argumentiert Bott. Frau Block und ihre Vertraute Keren T. hätten eine "Schicksalsgemeinschaft" gebildet.

Die Fäden habe stattdessen David B. gezogen, wiederholt der Verteidiger.

11.27 Uhr: Block-Anwalt über 28. Dezember 2023: "Es gab kein Treffen"

Bott macht weiter und verdeutlicht, dass die Aussage von "Olga" auch gezeigt habe, dass es das ominöse Treffen am 28. Dezember 2023 zwischen seiner Mandantin und den Entführern im "Grand Elysée" nicht gegeben habe.

Das macht der Block-Anwalt vor allem daran fest, dass es verschiedene Aussagen zu dem genauen Zeitpunkt des Treffens durch die Israelis gebe. Der Grund für diese unterschiedlichen Angaben? "Es gab kein Treffen", so Bott.

11.11 Uhr: Erneute Diskussionen zwischen Richterin und Block-Anwalt

Und wieder knallt es zwischen der Vorsitzenden Richterin und Block-Anwalt Bott. Hildebrandt ermahnt den Juristen, nachdem dieser ausführlich aus polizeilichen Vernehmungsprotokollen zitierte.

Er dürfe nach dem sogenannten "Mündlichkeitsprinzip" in seiner Stellungnahme nur das einführen, was mündlich in der Hauptverhandlung gesagt worden sei, erinnert die Richterin Bott.

Dieser will das nicht hinnehmen, fügt sich dann jedoch und macht mit seiner Erklärung weiter. Kurz darauf grätscht Hildebrandt aber erneut dazwischen, als Bott auf Englisch eine längere Aussage zitiert. Er solle die deutsche Übersetzung verwenden, fordert die Richterin.

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt musste bei der Stellungnahme von Block-Anwalt Ingo Bott immer wieder eingreifen.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt musste bei der Stellungnahme von Block-Anwalt Ingo Bott immer wieder eingreifen.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

10.58 Uhr: Block-Anwalt sieht alleinige Verantwortung bei David B.

Nach einer kurzen Pause hat erneut Block-Anwalt Ingo Bott das Wort. Nun bezieht er Stellung zu der Zeugenaussage von "Olga".

Er führt mehrere Punkte an, weshalb die Ausführungen der mutmaßlichen Mit-Entführerin gezeigt hätten, dass seine Mandantin von nichts gewusst geschweige denn etwas in Auftrag gegeben habe.

Planung und Ausführung habe allein in der Verantwortung von David B. gelegen, der darüber nie mit seiner Mandantin gesprochen habe - aus Sorge, sie könne darüber mit anderen sprechen. Das hätten sowohl die Aussagen von Keren T. als auch von David B. selbst gezeigt.

10.42 Uhr: Verteidiger des Block-Anwalts widerspricht Aussage von "Olga"

Die Entscheidung, die Kinder mit Gewalt dem Vater zu entziehen, hätten die Israelis vor Ort eigenmächtig entschieden. Sein Mandant habe dies nachweislich weder in Auftrag gegeben noch gebilligt, argumentiert Dr. Voß weiter.

Auch die Behauptung von Keren T., Familienanwalt C. habe sie und die anderen Beteiligten falsch beraten, indem er ausgesagt habe, die Kindern gehörten rechtmäßig zu der Mutter und nicht dem Vater, sei falsch.

Stattdessen sei diese Einschätzung aufgrund der Entscheidungen der Familiengerichte zum damaligen Zeitpunkt rechtlich völlig zutreffend gewesen.

10.26 Uhr: Verteidiger spricht von zahlreichen Widersprüchen

Dr. Voß kommt immer wieder auf den vom mutmaßlichen Chef-Entführer David B. erstellten "Friedensplan" zu sprechen. Laut T. habe Frau Block enthusiastisch auf diesen Plan zur Rückführung der Kinder reagiert, während Familienanwalt C. nicht überzeugt gewesen sei.

David B. selbst habe jedoch das genaue Gegenteil behauptet. Denselben Widerspruch hätte es zwischen den beiden Aussagen mit Blick auf die Erzählung gegeben, dass die physische Rückholung der Kinder von Anfang im Fokus der IT-Firma "Cyber Cupula" gestanden hätte.

Dass C. angewiesen habe, die Kinder "um jeden Preis" zurückzuholen, habe Keren T. zuvor nicht einmal gegenüber der Staatsanwalt oder der Polizei geäußert. Angesichts dieses Umstandes und der zahlreichen Widersprüche könnten die Aussage von T. keineswegs zum Nachteil seines Mandaten ausgelegt werden, verdeutlicht Voß.

Dr. Marko Voß, Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts C., äußerte sich am Freitag mit deutlichen Worten zur Zeugenaussage von "Olga".
Dr. Marko Voß, Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts C., äußerte sich am Freitag mit deutlichen Worten zur Zeugenaussage von "Olga".  © Georg Wendt/dpa

10.13 Uhr: Verteidiger Dr. Voß nimmt Aussage von "Olga" auseinander

Nun hat Dr. Marko Voß, Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts C., das Wort. Er äußert sich mit deutlichen Worten zur Zeugenaussage von Keren T. alias "Olga".

Diese hätte nichts hervorgebracht, was sich zum Nachteil der Angeklagten ableiten ließe. Stattdessen habe es "diametrale Widersprüche" zu den Aussagen der anderen israelischen Beschuldigten gegeben, unter anderem zu den Ausführungen des mutmaßlichen Chef-Entführers David B.

Im Sinne des juristischen Grundsatzes "Im Zweifel für den Angeklagten" könnten die Aussagen der angeblichen Hauptbelastungszeugin deshalb keinerlei Folgen für seinen Mandanten und die Hauptangeklagte Block haben. T. habe ein "zweifelhaftes Verhältnis zur Wahrheit", betont Dr. Voß.

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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