Block-Prozess: Zeuge sollte kurzfristig 10.000 Euro organisieren

Hamburg - Am Dienstag wurde der Prozess wegen Kindesentführung gegen Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) vor dem Hamburger Landgericht.
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) vor dem Hamburger Landgericht.  © Marcus Brandt/dpa

Der 29. Verhandlungstag begann mit einer Überraschung: Die bislang als flüchtig geltende Keren T. ist nach Angaben der Vorsitzenden Richterin bereits am 8. und 12. Januar von der Staatsanwaltschaft vernommen worden.

Sie galt als enge Vertraute von Christina Block sowie als rechte Hand von David B. (68), dem mutmaßlichen Chef der Entführer. Inhalt ihrer Aussagen sind bislang unklar, das Vernehmungsprotokoll liege dem Gericht noch nicht vor.

Anschließend sagten zwei ehemalige Mitarbeiter des Hotels "Grand Elysée" aus. Sie schilderten übereinstimmend "seltsame" Vorkommnisse während ihrer Dienstzeit, darunter Anweisungen, David B. und dessen Mitstreitende unter falschen Namen einzuchecken.

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Zudem berichteten sie von einem Anruf Christina Blocks, in dem sie kurzfristig um Bargeld in Höhe von 5000 beziehungsweise 10.000 Euro gebeten haben soll. Block bestätigte, sich an eine Bargeldforderung im Frühjahr 2023 zu erinnern.

Ein solches Vorgehen habe es zuvor nie gegeben; an die genauen Umstände könne sie sich heute nicht mehr erinnern. Das Geld habe sie jedoch nach zwei bis drei Stunden in derselben Stückelung vollständig zurückgezahlt.

"Extrem überrascht" habe sie dagegen, dass angeblich Namen für Hotelgäste ausgedacht worden seien. Von entsprechenden Absprachen zwischen dem mitangeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. und der Empfangschefin habe sie nichts gewusst.

Update, 15.55 Uhr: 29. Verhandlungstag ist zu Ende

Die Hauptverhandlung ist unterbrochen. Sie wird am Donnerstag, 15. Januar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15.24 Uhr: Anwalt von Blocks Cousine setzt Antrag fort

Nach der Pause setzt Rechtsanwalt Daum, Verteidiger der angeklagten Cousine von Christina Block, seine Stellungnahme fort, die er am vergangenen Prozesstag begonnen hatte.

Er beantragt für seine Mandantin, im Sinne eines fairen und transparenten Verfahrens umfassend darüber informiert zu werden, was ihr von der Staatsanwaltschaft in allen Einzelheiten konkret vorgeworfen wird. Bis zum heutigen Tag sei dies nicht geschehen.

Uta B. soll Christina Block, ihre Tochter Greta sowie Klara und Theo nach der Entführung mit ihrem Auto an einem zuvor von ihrer Cousine vermittelten Treffpunkt kurz vor Hamburg abgeholt und zu Blocks Wohnhaus gebracht haben. Nach Darstellung der Verteidigung sei dieses Vorgehen insofern unproblematisch gewesen, als das Aufenthaltsbestimmungsrecht bis zum 5. Januar 2024 allein bei der Mutter gelegen habe. Zudem seien die Kinder freiwillig in das Fahrzeug von B. eingestiegen.

Der Anwalt des Ehemannes der Cousine, der ebenfalls wegen Beihilfe zur Kindesentziehung angeklagt ist, stellt im Anschluss einen ähnlichen Antrag. "Mein Mandant sitzt seit sechs Monaten und zwei Tagen hier und weiß bis heute nicht, warum er eigentlich hier sitzt", so Verteidiger Nils Fock.

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Zurückweisung der beiden Anträge. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht – welches auch laut der Staatsanwaltschaft bis zum 5. Januar 2024 bei Christina Block lag – schließe eine Freiheitsberaubung nicht aus. Eine mutmaßliche Entführung der eigenen Kinder durch maskierte Männer und in mehreren verdunkelten Fahrzeugen sei in Augen der Staatsanwältin nicht vom Erziehungsrecht gedeckt.

Update, 14.25 Uhr: Nebenklage habe "ihre Maske abgenommen"

Der Verteidiger von Gerhard Delling, David Rieks, stellt in seiner Stellungnahme heraus, dass die Nebenklage "ihre Maske abgenommen" und gezeigt habe, welche Sorge die Aussagen der Zeuginnen bei ihr ausgelöst hätten.

Die Darstellung Hensels über die Zustände ab dem Sommer 2021 funktioniere nur unter der Voraussetzung, dass er sich selbst als "Retter" der Kinder inszenieren könne. Ebenso seien die Aussagen der Zeugin hervorzuheben, dass Hensel alle Mitarbeitenden beim Jugendamt als "unfähig" bezeichnet habe, sobald etwas nicht nach seinen Vorstellungen lief.

Vor diesem Hintergrund fällt es Rieks schwer, positive Aussagen der Kinder über ihre Mutter in Hensels Haushalt "ernsthaft für möglich zu halten".

Zudem gab der Anwalt zu, dass er Christina Blocks Schilderungen über die "ihr zugewandten und aufgeweckten" Kinder in den Tagen nach der Entführung für zunächst "erstaunlich" hielt. Diese positiven Eindrücke würden jedoch durch die Aussagen der Jugendmitarbeiterinnen gestützt, weshalb er die Aussagen von Frau Block als glaubhaft einstufe.

Es folgen 15 Minuten Pause.

Update, 13.50 Uhr: Block-Anwalt Ingo Bott spricht von "gewagter Einordnung der Nebenklage"

Block-Anwalt Ingo Bott bezeichnet die Aussagen der Jugendamtsmitarbeiterinnen hingegen als "Schlüsselmoment in diesem Verfahren" und kommentiert die Erklärung des Nebenklägervertreters als eine "gewagte Einordnung" und als Wiederholung des Narrativs von Stephan Hensel.

Dessen Platz bleibt heute übrigens leer. Als Nebenkläger muss Hensel nicht bei allen Gerichtsterminen persönlich anwesend sein.

Es sei klar, dass die Zeuginnen die Kinder beim Besuch am 3. Januar 2024 nicht nach dem "Vorgeschehen" befragt hätten, da dies nicht in ihren Zuständigkeitsbereich falle, so Bott weiter.

Ihre Aufgabe sei vielmehr gewesen, mögliche Gefährdungen des Kindeswohls im Haushalt der Mutter zu prüfen und eine solche hätten sie nicht festgestellt. Die Staatsanwaltschaft hält jedoch an ihrer Aussage vom Donnerstag fest: Eine Nachfrage zu der vorangegangene Entführung ("Wo die Kinder herkommen") gehöre sehr wohl dazu, um beurteilen zu können, ob das Kindeswohl gefährdet sei.

Es folgen Diskussionen im Gerichtssaal, mehrere Verteidiger unterbrechen die Staatsanwältin, die Richterin ermahnt: "Zu einer Demokratie gehört es auch, dass jeder seine Meinung vertreten darf und dabei nicht unterbrochen wird."

Update, 13.35 Uhr: Leise Buh-Rufe im Gerichtssaal

Jetzt haben die Verteidiger die Gelegenheit, weiter zu den Zeugenaussagen der ehemaligen Jugendamtsmitarbeiterinnen vom 28. Verhandlungstag Stellung zu nehmen.

In der anschließenden Stellungnahme des Nebenklägervertreters kritisiert der Anwalt das Jugendamt scharf: "Das hat sich jederzeit ohne Sinn und Verstand auf die Seite der einflussreichen Mutter geschlagen." Auf die Aussage folgen leise "Buh"-Rufe und ein Raunen im Publikum.

Die Mitarbeiterinnen hätten den Kindern Klara und Theo beistehen müssen. Stattdessen hätten sie "naiv und unkritisch" über die Kinder geurteilt, ohne sie selbst zu befragen, und über Jahre hinweg deren Grundrechte missachtet. Der Anwalt begründet seine Ausführungen unter anderem damit, dass beide Mitarbeiterinnen die Entführung während ihrer Befragungen im Januar 2024 weder gegenüber Klara und Theo noch gegenüber Frau Block angesprochen haben sollen.

Die dänischen Behörden dagegen hätten den Kindern zugehört. Diese hätten mehrfach erklärt, dass ihre Mutter sie geschlagen habe und dass sie nicht zu ihr zurückkehren wollten. Zudem sei es von der Verteidigung unhaltbar, die Mitarbeiterinnen des Jugendamts als Kronzeugen zu stilisieren, da ihnen die notwendige psychologische Ausbildung dafür fehle.

Update, 13.23 Uhr: Prozess geht weiter

Mit leichter Verspätung wird der 29. Verhandlungstag mit einer Klarstellung von Christina Block fortgesetzt.

Sie erklärt, dass die 5000 beziehungsweise 10.000 Euro, die sie nach wenigen Stunden zurückgegeben habe, genau dasselbe Geld gewesen seien, das sie zuvor angefordert hatte. "Ich habe es schlichtweg nicht gebraucht. Meiner Erinnerung nach hatte das nichts mit der Sache zu tun", so Block.

Die Pseudonyme habe sie nur am Rande wahrgenommen. Für sie sei "Doris White" einfach "Olga" gewesen. Für die Abläufe mit der IT-Sicherheitsfirma "Cyber Cupula" unter Leitung des Zeugen David B. habe sich stets Dr. Andreas C. gekümmert, ebenso um die Zimmer für die Gäste. "Ich ging immer davon aus, dass alles seine Richtigkeit hatte. Herr Dr. C. hat das, soweit ich es verstanden habe, für mich geprüft", fügt die Unternehmerin hinzu.

Update, 11.50 Uhr: Zeuge spricht auch von 10.000 Euro

Wie auch Axel B. erinnert sich Johannes B. an zwei "seltsame" Situationen: "Frau Block brauchte einmal 10.000 Euro in bar." Daraufhin habe er 5000 Euro aus einem Safe geholt und den Rest aus den Kassen am Empfang: "Das war auf jeden Fall eine Situation, die außerhalb der Norm lag", so der Zeuge.

Auch den Vorfall mit dem reservierten und wieder abgesagten hoteleigenen Multivan berichtet der Zeuge: "Es ging darum, dass fünf bis sechs Personen am Dammtor ankommen sollen und nach Dänemark gefahren werden sollten."

Allgemein sei das Thema der Gäste, die unter Namen wie "Yellow", "Blue", "White" etc. eingebucht waren, ein eher passives Thema im Hotel gewesen. "Es wurde ein Schleier des Schweigens darübergelegt", so Johannes B.

Die Zeugenbefragung ist beendet, es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.15 Uhr.

Update, 11.30 Uhr: Dr. C. hatte ein "spezielles Kontingent"

Die Kommunikation mit den Gästen unter Pseudonymen sei stets über seine Chefin gelaufen. Nur einmal sei Herr Dr. C. direkt auf ihn zugekommen und habe ein weiteres Zimmer verlangt. Dieses habe er dann dem vorherigen "System" seiner Chefin folgend unter dem Pseudonym "John Black" eingebucht.

Ihm gegenüber seien keine Angaben dazu gemacht worden, wer die Gäste tatsächlich waren oder warum sie im Hotel gewesen seien. Auf Nachfrage habe seine Vorgesetzte erklärt, dass es sich um Bekannte von Frau Block handele, welche über "ein spezielles Kontingent von Dr. C." laufen würden.

Die Kosten für die Zimmer seien auf einem bestimmten Paymaster-Konto gesammelt worden, welches nach der Erinnerung des Zeugen unter dem Namen von Dr. Andreas C. lief. Es habe keine reguläre Kostenabrechnung für die Gäste gegeben: "Meines Wissens waren die unentgeltlich da."

Update, 11.20 Uhr: Gäste waren unter Farben eingecheckt

Es folgt die Zeugenaussage von Johannes B. (31), ehemaliger Empfangsmitarbeiter im "Grand Elysée". Er war von Dezember 2021 bis August 2023 am Empfang tätig.

Die Richterin fragt, ob es in dieser Zeit Auffälligkeiten gegeben habe. Johannes B. bestätigt: "Ja, es gab Dinge, die nicht auf der Tagesordnung standen." Unter anderem seien Gäste unter Pseudonymen eingecheckt worden: "Sie waren unter Farben eingebucht." Weitere personenbezogene Daten seien nicht gespeichert worden.

"Das ist nicht üblich und unglücklich", so der Zeuge mit seinem heutigen Wissen. Auf Nachfrage, ob das Management darüber informiert gewesen sei, antwortet er: "Ich habe dazu keine Informationen bekommen."

Häufig habe er Kontakt zu einer "Doris White" gehabt – mutmaßlich Keren T. –, die öfter organisatorische Aufgaben übernommen, Gäste gebracht oder weggeschickt habe.

Christina Block und Anwalt Ingo Bott zu Beginn des 29. Verhandlungstags. Hinter ihnen sitzt Gerhard Delling zusammen mit seinem Anwalt, David Rieks (l.).
Christina Block und Anwalt Ingo Bott zu Beginn des 29. Verhandlungstags. Hinter ihnen sitzt Gerhard Delling zusammen mit seinem Anwalt, David Rieks (l.).  © Marcus Brandt/dpa

Update, 11 Uhr: Frau Block erinnert sich an die Bargeld-Forderung

Nach der Zeugenaussage von Axel B. äußert sich Frau Block selbst. Sie erinnert sich an den Vorfall mit dem Van, der im Dezember 2022 stattgefunden haben soll. Kurz zuvor, im November 2022, habe sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder versucht, in Dänemark Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen. Diese Aktion sei jedoch "vollkommen gescheitert".

Zu diesem Zeitpunkt sei das Thema ihrer Kinder medial sehr präsent gewesen, ebenso der Vorwurf der "Entfremdung". In diesem Zusammenhang habe sich der Verein "Genug Tränen" an sie gewandt und um Unterstützung gebeten. Geplant gewesen sei eine Fahrt nach Dänemark, um dort zu demonstrieren.

"Ich wollte helfen", so Block. Kurzfristig sei die Aktion dann doch nicht zustande gekommen. "Ich habe keine Kenntnis, weshalb", so die Unternehmerin.

Auch an eine Forderung nach Bargeld im Frühjahr 2023 erinnere sie sich. So etwas habe sie zuvor noch nie gemacht, an die genauen Umstände könne sie sich heute auch nicht mehr erinnern. Wohl aber, dass sie das Geld nach nur zwei bis drei Stunden "in derselben Stücklung" wieder zurückgezahlt habe.

"Extrem überrascht" habe sie dagegen, dass angeblich Namen für Hotelgäste ausgedacht worden seien. Von einem Zimmeraustausch oder entsprechenden Absprachen zwischen Dr. C. und der Empfangschefin habe sie ebenfalls nichts gewusst.

Abschließend betont Block erneut, dass sie Dr. C. stets vertraut habe und ihm "einfach gefolgt" sei. Zudem sei er "wie ein Ziehsohn" ihres Vaters Eugen Block gewesen.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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