Block-Prozess: Eingreifen von Ex-GNTM-Model hat "Chaos" ausgelöst

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Hamburg - Am 56. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) soll erneut der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) aussagen. Es ist bereits der neunte Tag seiner Zeugenaussage vor dem Hamburger Landgericht. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).
Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).  © Georg Wendt/dpa-pool/dpa

16 Uhr: 56. Verhandlungstag ist zu Ende

Eigentlich wäre die Zeugenbefragung von David B. mit dem heutigen Tag abgeschlossen gewesen, nachdem die Verteidiger der Cousinen von Christina Block und ihres Ehemannes der Richterin mitgeteilt hatten, dass sie keine weiteren Fragen an den Zeugen haben.

Allerdings kündigte Ingo Bott noch eine zusätzliche Frage an, weshalb B. nun am Mittwoch erneut vor Gericht erscheinen muss.

Die Verhandlung wird am 17. Juni um 9.30 Uhr fortgesetzt.

15.45 Uhr: Erinnert sich der Zeuge an den angeklagten Sicherheitsunternehmer?

Nun ist Gül Pinar mit ihrer Befragung an der Reihe. Zunächst will sie wissen, ob der Zeuge ihren Mandanten, den Sicherheitsunternehmer Andreas P., kenne. "Ich erinnere mich nicht an ihn", antwortet B. Auch in der Planung für die Silvesternacht 23/24 habe er nach seiner Erinnerung keine Rolle gespielt.

Anschließend kommt Pinar auf einen Sicherheitsbericht zu sprechen, der von ihrem Mandanten erstellt worden sein soll. Darin sei unter anderem festgehalten worden, dass eine Rückholung der Kinder "gefährlich" sein könnte.

Ob er einen solchen Bericht jemals gesehen habe, fragt die Anwältin. "Ich erinnere mich nicht an ein solches Dokument", antwortet B. Pinar hakt nach und will wissen, ob der Zeuge bei seinen Vorbereitungen Dokumente oder Unterlagen Dritter genutzt habe.

Es habe "Tonnen von Dokumenten" gegeben, die Christina Block Keren T. zur Verfügung gestellt habe, erklärt B. Gelesen habe er diese jedoch nicht. Das gelte insbesondere für Unterlagen, die auf Deutsch verfasst gewesen seien.

15.40 Uhr: David B. fragte nach einer Bewährungsstrafe

Nach der Unterbrechung erklärt B., ihm sei die Frage nun erläutert worden.

"In der Tat habe ich meinen Anwalt gefragt, ob ich Bewährung bekommen könnte. Dieser hat mir jedoch gesagt, dass es in Deutschland keine Möglichkeit gebe, entsprechende Deals zu machen", erklärt der Zeuge weiter.

Er habe deshalb keine Zusagen erhalten. Stattdessen sei ihm wiederholt geraten worden, vollständig mit den deutschen Justizbehörden zusammenzuarbeiten.

15.35 Uhr: Kurze Pause

Nachdem Rieks nach möglichen Zusagen oder Versprechen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Aussage des Zeugen fragt, bittet der Zeugenbeistand um eine kurze Pause.

B. betont in seiner Antwort erneut, ihm sei wiederholt geraten worden, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten. Konkrete Zusagen wie die Aussicht auf eine Bewährungsstrafe für seine Aussage habe es nicht gegebenen, seine Forderung sei lediglich gewesen, nach Deutschland zu reisen und auch wieder zurück nach Israel zu dürfen.

15.21 Uhr: Eingreifen von Ex-GNTM-Model hat "Chaos" ausgelöst

Rieks fragt nach dem ehemaligen GNTM-Model Jonathan C. (35). Diesen habe B. einige Monate nach der Silvesternacht 2023/24 am Flughafen in Tel Aviv getroffen. Erst bei dieser Gelegenheit habe er von der Gewalt gegen Stephan Hensel erfahren. Jonathan C. habe ihm erzählt, dass er den Ex-Mann von Christina Block geschlagen habe.

"Ich war sehr unzufrieden mit dem, was passiert war. Ich war wütend auf ihn", so der Zeuge. Rieks will wissen, ob Jonathan C. erklärt habe, warum er zugeschlagen habe.

"Nein, ich erinnere mich nicht an ein solches Gespräch", antwortet B. "Ich erinnere nur, dass mir erzählt wurde, dass sein Eingreifen Chaos ausgelöst habe."

15.15 Uhr: Es geht weiter

Das Fragerecht liegt jetzt Dr. David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (67).

Gerhard Delling (67) mit seinem Anwalt Dr. David Rieks.
Gerhard Delling (67) mit seinem Anwalt Dr. David Rieks.  © Georg Wendt/dpa

14.59 Uhr: Pause

Dr. Böttner hat keine Fragen mehr. Die Richterin veranlasst eine kurze Unterbrechung. Pause bis 15.10 Uhr.

14.50 Uhr: "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint"

"Haben Sie den Kindern schon im Auto gesagt, dass es zu ihrer Mutter geht?", fragt Böttner. "Ja", antwortet der Zeuge. "Und was haben Sie ihnen gesagt?" "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint", so B.

Für ihn habe es in diesem Moment jedoch kein Zurück mehr gegeben. Er habe darauf gehofft, dass Gegenstände im Wohnmobil, die den "Geruch von Christina" getragen hätten, den Kindern verdeutlichen würden, dass sie zu ihrer Mutter zurückgebracht werden sollten. Mit dem Wohnmobil waren die Kinder und das Team anschließend nach Süddeutschland gefahren.

"Sind Sie sicher, dass die Kinder während der gesamten Fahrt nichts gesagt haben?", hakt Böttner nach. "Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie gesagt, sie wollten nicht zu ihrer Mutter. Für mich selbst ist das auch ein sehr schwieriger Moment", sagt B. und entschuldigt sich dafür, dass er sich an so wenige Details erinnern könne.

14.40 Uhr: "Wessen Idee war das mit dem Klebeband?"

Anschließend geht es um das Klebeband, mit dem sowohl die Kinder als auch Stephan Hensel zeitweise gefesselt worden sein sollen. Nach den bisherigen Aussagen sei auch Tal S. Klebeband ausgehändigt worden, um den Vater "zu binden".

"Wessen Idee war das mit dem Klebeband?", fragt Böttner. "Ich erinnere mich nicht, wer ihm das Klebeband gegeben hat. Aber es war Teil der Ausrüstung", antwortet B. "Wofür?", hakt Böttner nach. B. weicht einer konkreten Antwort aus. Das Klebeband gehöre zu den Ausrüstungsgegenständen für eine "solche Mission".

"Wir wussten bis zum letzten Moment nicht, was genau passieren würde. Wir konnten also keine konkreten Pläne machen", so der Zeuge weiter.

Dr. Sasha Böttner vertritt den einzigen der mutmaßlichen Entführer, der seit November 2024 in Untersuchungshaft sitzt.
Dr. Sasha Böttner vertritt den einzigen der mutmaßlichen Entführer, der seit November 2024 in Untersuchungshaft sitzt.  © Georg Wendt/dpa

14.28 Uhr: Das bedeutet "Neutralisieren" für den Zeugen

Dr. Voß hat keine weiteren Fragen. Daraufhin übernimmt Dr. Sasha Böttner, der Verteidiger des in Untersuchungshaft sitzenden Tal S. (36), die Befragung.

Er geht sofort auf einen hebräischen Begriff ein, von dem sein Mandant berichtet hatte. Demnach habe B. Tal S. und einem weiteren Teammitglied – beide erfahrene Kampfsportler – den Auftrag erteilt, Stephan Hensel mit "Kraft und Macht" zu überwältigen. Böttner will wissen, welche Formulierung der Zeuge damals tatsächlich auf Hebräisch verwendet habe.

B. nennt daraufhin den hebräischen Begriff für "neutralisieren". Er habe das Wort jedoch im Sinne des Kampfsports verwendet. Dort bedeute "neutralisieren" nicht, jemandem Schaden zuzufügen. Gemeint sei vielmehr, eine Situation unter Kontrolle zu bringen – mit möglichst geringer Gewaltanwendung, etwa durch Festhalten oder Fixieren.

"Kontrollieren, ohne Schaden zuzufügen", erklärt B.

Auffällig ist dabei, dass sich B. plötzlich recht detailliert an die Situation erinnern kann. Nur wenige Minuten zuvor hatte er noch erklärt, sich an konkrete Einzelheiten seines damaligen Auftrags an Tal S. nicht mehr erinnern zu können.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa-pool/dpa

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