Chef-Entführer im Block-Prozess: "Ich wollte aufhören, doch sie sagten 'Nein'!"

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Hamburg - Am 56. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) soll erneut der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) aussagen. Es ist bereits der neunte Tag seiner Zeugenaussage vor dem Hamburger Landgericht. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).
Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).  © Georg Wendt/dpa-pool/dpa

12.23 Uhr: Mittagspause

Dr. Voß's Befragung wird für die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr unterbrochen.

Christina Block mit ihren Anwälten auf den Weg in die Mittagspause. Die Steakhaus-Erbin soll heute "sehr angeschlagen" sein.
Christina Block mit ihren Anwälten auf den Weg in die Mittagspause. Die Steakhaus-Erbin soll heute "sehr angeschlagen" sein.  © Daniel Bockwoldt/dpa

12.15 Uhr: Chef-Entführer wollte aufhören

David B. gibt an, zwischenzeitlich habe er "aufhören" wollen, dies sei jedoch nicht geduldet worden. "Doch sie sagten 'Nein'", so B. Er und sein Team sollten weitermachen.

"Dr. C. war mehrfach derjenige, der uns gedrängt hat und uns immer wieder gefragt hat: Wann werden die Kinder zurück sein?", so B. Auch Christina Block habe in dieser Hinsicht Druck ausgeübt.

12.03 Uhr: "Da wussten wir, dass etwas ganz falsch gelaufen ist"

Dr. Voß fragt weiter, was der Zeuge damit gemeint habe, als er von einer "schlechten Beratung" durch Dr. C. gesprochen hat.

David B. hatte zuvor angegeben, Anfang Januar 2024 festgestellt zu haben, dass er von Dr. C. "schlecht beraten" worden sei. Nun möchte Voß wissen, worin dieser "schlechte Rat" konkret bestanden habe.

Der Zeuge erklärt, ihnen sei gesagt worden, dass sie, wenn sie die Kinder nach Deutschland zurückbrächten, keinen Ärger mit dem deutschen Staat bekommen würden. Zudem sei ihnen mitgeteilt worden, dass der "erste Entführungsversuch" keine größeren negativen Auswirkungen gehabt habe; aufgrund dessen habe man dieser Einschätzung vertraut.

Aus ihrer Perspektive sei die Entführung zunächst nicht als gescheitert anzusehen gewesen – bis zu dem Moment, als Christina Block ihnen mitgeteilt habe, dass "etwas sehr falsch" gelaufen sei und sie sofort Kontakt zu Dr. C aufnehmen müsse. "Daraus schloss ich, dass sein Rat kein guter war", so der Israeli.

"Als Christina aufgefordert wurde, die Kinder zurück nach Hamburg zu bringen, da wussten wir, dass etwas ganz falsch gelaufen ist", so B.

11.55 Uhr: Wann ist die "Einsatzzentrale" abgebaut worden?

Dr. Voß fragt anschließend nach der sogenannten "Einsatzzentrale" von B. und seinem Team in dem Gebäude, in dem sich auch die Kanzlei des Familienanwalts C. befindet. Dieser soll die Büroräume auch zur Verfügung gestellt haben.

B. gibt auf Nachfrage an, diese Zentrale sei bereits mehrere Monate vor der Entführung beziehungsweise der Silvesternacht 2023/24 "abgebaut" worden. Auf wessen Initiative dies geschehen sei, könne er nicht mehr sagen.

Die Zentrale sei vor allem dann genutzt worden, als im Zusammenhang mit Kamerainstallationen am Haus von Stephan Hensel in Dänemark operative Maßnahmen stattgefunden hätten; danach sei sie nicht mehr erforderlich gewesen.

Dr. Voß fragt nach, warum der Zeuge den vorzeitigen Abbau der Zentrale bislang nicht erwähnt habe. B. entgegnet: "Ich bin nicht danach gefragt worden." Voß erinnert ihn daraufhin daran, dass er zu einer vollständigen Aussage verpflichtet sei.

Keren T. hatte in ihrer Aussage auf Nachfrage von Dr. Voß angegeben, die Zentrale habe bis zur Silvesternacht bestanden.

11.45 Uhr: Keren T. war überrascht über die Nachfrage nach der Uhrzeit

Das Fragerecht liegt nun bei Dr. Voß, Verteidiger des Familienanwalts Dr. Andreas C. Er schließt zunächst an Botts Fragen zum Kontakt zwischen Keren T. und dem Zeugen an.

David B. erklärt, Keren T. habe ihm im Detail mitgeteilt, sie sei überrascht gewesen, nach der Uhrzeit des Treffens am 28. Dezember gefragt worden zu sein, und könne sich daran nicht erinnern. Über weitere konkrete Details habe man jedoch nicht gesprochen; es sei eher um allgemeine Befindlichkeiten gegangen, wiederholt der Zeuge.

Seit 56. Verhandlungstagen läuft der Prozess vor dem Hamburger Landgericht.
Seit 56. Verhandlungstagen läuft der Prozess vor dem Hamburger Landgericht.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

11.39 Uhr: Es geht wieder um den 28. Dezember 2023

Ingos Bott kurze Befragung zieht sich weiter. Jetzt geht es um den Kontakt des Zeugen mit Keren T. B. erklärte, er habe zuletzt gestern [Sonntag] mit T. gesprochen; grundsätzlich stehe man täglich in Kontakt. Inhaltlich sei es dabei jedoch nicht um den Prozess selbst, sondern eher um die jeweilige Gefühlslage gegangen.

Anschließend richtet sich der Fokus erneut auf ein Treffen am 28. Dezember 2023, bei dem Christina Block den mutmaßlichen Entführern gedankt haben soll, dass diese ihre Kinder zurückbringe.

Der Zeuge betont, das Datum stamme aus einem Eintrag; und selbst wenn das Treffen bereits am 27. stattgefunden haben sollte, ändere dies aus seiner Sicht nichts am Kern der Sache. Entscheidend sei nicht der exakte Termin, sondern dass das Treffen mit Christina Block und seinem gesamten Team tatsächlich stattgefunden habe.

Bott konfrontiert den Zeugen - wie zuletzt auch Keren T. - mit der Aussage von Tal S. Dieser hatte zunächst ausgesagt, ein solches Treffen habe nicht stattgefunden, diese Aussage später jedoch korrigiert. In seiner späteren Einlassung hatte der Israeli angegeben, die das Treffen bewusst weggelassen zu haben, aus Sorge, Block "zu verbrennen".

11.26 Uhr: Anwalt greift ein -"Deutlicher geht es nicht"

Ingo Bott fragt anschließend erneut nach dem "BKH"-Signal-Chatgruppe ("Bring Kids Home") und möchte wissen, welche Erinnerungen der Zeuge daran habe, wie Christina Block während dieser Zeit auf ihn gewirkt habe.

Der Zeuge erklärt, die Gruppe sei im Frühjahr 2023 eingerichtet worden und im Laufe der Zeit schließlich überflüssig geworden. "Insgesamt hat Christina zum Zeitpunkt dieser Gruppe, wie ich schon einige Male gesagt habe, gehofft, dass auf Basis unserer Datensammlung die Kinder wieder zurück nach Hause kommen würden."

Der Anwalt von B. unterbricht die Befragung von Ingo Bott und betont, sein Mandant habe sich bereits ausführlich zur Chat-Gruppe geäußert. Diese sei erstellt worden, um Informationen über die Kinder zu sammeln und diese "nach Hause zu bringen". "Deutlicher geht es nicht", so der Verteidiger.

11.15 Uhr: "Außer bei meinem Namen bin ich mir bei gar nichts sicher"

David B. betont, dass es mehrere Meetings zwischen seinem IT-Team und auch Christina Block gegeben habe. Ingo Bott hält dem Zeugen daraufhin eine E-Mail vor, in der sich B. für ein Treffen bedankt. Im Verteiler (CC) seien zahlreiche Namen aufgeführt, der Name von Christina Block jedoch nicht.

Bott bezeichnet dies als "widersprüchlich" und fragt den Zeugen, ob er sich diesbezüglich sicher sei.

David B. entgegnet: "Außer bei meinem Namen bin ich mir bei gar nichts sicher." Zugleich ergänzt er, soweit er sich erinnere, habe es mehrere Meetings gegeben. Und: "Ich bin mir ganz sicher, dass Christina bei mindestens einem dabei war."

11.03 Uhr: "Cyber Cupula" wollte weltweit expandieren

Nach der Pause fragt Ingo Bott erneut zur Chronologie von "Cyber Cupula" nach. David B. räumt ein, dass es schwierig sei, sich an alle Details zu erinnern, betont aber, sein Bestes zu geben.

"Cyber Cupula wollte weltweit expandieren. Im Jahr 2022 haben wir Gesellschaften in England und den USA gegründet, 2023 dann auch in Deutschland", erklärt der Zeuge.

Man habe die Chancen nutzen wollen, die sich aus der Zusammenarbeit mit der Familie Block ergeben hätten. Die Tätigkeit für die Familie habe Möglichkeiten eröffnet, geschäftliche Kontakte in Deutschland aufzubauen und auch die Block-Gruppe selbst als Kunden zu gewinnen.

Christina Block hatte in ihrer Einlassung angegeben, die Firma des Zeugen sei zunächst für die IT-Sicherheit des Hotels "Grand Elysée" beauftragt worden. Sowohl David B. als auch Keren T. widersprechen dieser Darstellung und betonen, es sei von Anfang an um die Kinder gegangen.

Tatsächlich sei jedoch im September 2023 ein Penetrationstest im Hotel durchgeführt worden.

10.50 Uhr: Pause

Der Anwalt der mitangeklagten Cousine von Christina Block bittet um eine kurze Unterbrechung. Pause bis 11 Uhr.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa-pool/dpa

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