Hamburg - Am 64. Verhandlungstag im Kinderentführungs-Prozess gegen Christina Block (53) stand am Dienstag die Erstattung des Gutachtens der forensischen kinder- und jugendpsychiatrischen Sachverständigen auf dem Programm, weswegen die Öffentlichkeit nach rund eineinhalb Stunden ausgeschlossen wurde. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
An diesem – zumindest für die Medienvertreter – kurzen Prozesstag wurde die Öffentlichkeit wie erwartet für die Erstattung des Gutachtens der Sachverständigen sowie die dazugehörigen Stellungnahmen und Nachfragen ausgeschlossen.
Zuvor sorgte jedoch ein Briefumschlag für Aufsehen. Es ging um Unterlagen, die Christina Block außerhalb der Hauptverhandlung an die Sachverständige übergeben haben soll. Diese hatte die Kammer darüber informiert.
Nach TAG24-Informationen sollen sich unter den Unterlagen ein Brief direkt an die Sachverständige sowie Beweisanträge von Ingo Bott befunden haben.
Darin ging es unter anderem um den Vorwurf, Stephan Hensel (52), Block-Ex und Vater ihrer Kinder, habe eine ehemalige Mitarbeiterin belästigt. Dies sei für seinen Mandanten "sehr verletzend", wie Nebenklagevertreter Philip von der Meden betonte.
Bott schilderte das Verhalten seiner Mandantin als "lebensnah und nachvollziehbar", gleichzeitig sei die Übergabe aber auch "versehentlich" passiert. Die Richterin zeigte sich skeptisch: "Ich halte das nicht für einen Irrtum."
Bereits im November habe sie Block davor gewarnt, Einfluss auf Beweismittel zu nehmen. Block selbst gab an, nichts habe "verdunkeln" zu wollen, sie habe der Sachverständigen lediglich "helfen" wollen.
Die Kammer will jetzt prüfen, ob Maßnahmen ergriffen werden. Der Staatsanwalt sprach in seiner Stellungnahme bereits davon, dass die Vorraussetzungen für einen Haftbefehl erfüllt seien.
11 Uhr: Liveticker zu Ende
Es ist nicht davon auszugehen, dass die Öffentlichkeit heute noch einmal zugelassen wird. Vielmehr wird erwartet, dass auch der morgige Verhandlungstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.
Aus diesem Grund endet der Live-Ticker an dieser Stelle.
10.55 Uhr: Öffentlichkeit wird endgültig ausgeschlossen
Jetzt aber: Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Die Kammer hat den Ausschluss noch auf die Stellungnahmen und Nachfragen der Verteidiger erweitert. Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin lediglich einen Ausschluss während der Erstattung des Gutachtens angekündigt.
Den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit hatte die Nebenklagevertreterin von Klara (15) und Theodor (12) gestellt. Begründung: Das Gutachten enthalte "höchstpersönliche Informationen" über das Innenleben und den Gesundheitszustand ihrer Mandanten.
10.45 Uhr: Öffentlichkeit darf doch wieder rein
Kommando zurück! Die Öffentlichkeit darf nun doch wieder in den Saal – das teilen die Justizbeamten vor Ort mit. Auch die Medienvertreter können wieder Platz nehmen.
Warum die Entscheidung revidiert wurde, ist bislang unklar.
10.40 Uhr: Öffentlichkeit wird ausgeschlossen
Die Kammer entscheidet: Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Alle mussten den Zuschauerraum verlassen.
10.36 Uhr: Bott äußert sich erneut
Vor der Entscheidung ergreift doch nochmal Ingo Bott das Wort. Es geht wieder um den Briefumschlag, er spüre ja "wie es brodele". Er betont, dass bislang keine Gelegenheit bestanden habe, die betreffenden Beweisanträge in der Hauptverhandlung zu stellen.
Eine "heimliche" Vorgehensweise habe es aber nicht gegeben. Aus dem Gutachten gehe zudem hervor, dass der Sachverständigen "oft" Unterlagen übergeben worden seien.
Die Richterin stellt erneut klar: Der Vorwurf sei nicht, dass Unterlagen übergeben wurden, sondern dass dies "an dem Gericht vorbei" geschehen sei und die Dokumente nicht Teil der Akte sind.
10.26 Uhr: Die Kammer zieht sich zurück
Pinar ist fertig. Die Kammer zieht sich zurück, um über den Ausschluss der Öffentlichkeit zu entscheiden.
10.15 Uhr: Noch eine Stellungnahme
Bevor die Kammer über einen möglichen Ausschluss der Öffentlichkeit entscheidet, äußert sich Gül Pinar, die Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers, zum Zeugen Jonathan G.
Sie betont erneut, dass ihr Mandant "mal wieder" in den Aussagen des Zeugen überhaupt keine Rolle gespielt hat. "Er kannte meinen Mandanten nicht", so Pinar.
10.07 Uhr: Lügt Christina Block?
Block äußert sich nun selbst zu dem Vorfall. Sie sagt, sie habe gedacht, die Unterlagen würden der Sachverständigen "helfen". Es sei nie ihre Absicht gewesen, "etwas zu verdunkeln" oder Einfluss auf Beweismittel zu nehmen.
Den Umschlag habe sie der Sachverständigen während einer Anamnese übergeben, als beide gemeinsam auf ihrer Terrasse gesessen hätten. Die Beweisanträge habe sie dabeigehabt, weil an diesem Tag auch Prozesstag gewesen sei. Den Brief der Freundin habe sie kurz zuvor aus dem Briefkasten genommen und spontan auch mit in den Umschlag gesteckt. Gelesen habe sie diesen nicht.
Sie habe der Sachverständigen "viele Unterlagen" gegeben und es einfach "schade" gefunden, dass diese die entsprechenden Beweisanträge nicht kenne. Das habe sie auch gesagt. Daraufhin habe die Sachverständige geantwortet, sie könne ihr die Unterlagen einfach mitgeben.
Während Block das erzählt, schüttelt die Sachverständige den Kopf. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin stellt sie klar, dass sie das nie gesagt habe. "Überrascht" sei sie vor allem aber auch von dem Brief der Freundin gewesen, da dieser nicht Teil der Gerichtsakten ist.
Damit ist Blocks Einlassung beendet. Die Vorsitzende Richterin kündigt erneut an, dass die Kammer nun prüfen werde, ob Maßnahmen gegen die Unternehmerin ergriffen werden.
9.55 Uhr: Kurze Pause
Bott und Block ziehen sich zu einer kurzen Besprechung zurück. Sie wollen beraten, ob sich die Unternehmerin doch noch selbst zu ihrem Vorgehen äußern wird. Das Gericht unterbricht die Verhandlung für zehn Minuten.
Zuvor hatte die Vorsitzende angekündigt, zu prüfen, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden.
9.45 Uhr: Voraussetzung für Haftbefehl gegen Block laut Staatsanwalt erfüllt
Zur Überraschung vieler konfrontiert die Vorsitzende Richterin Christina Block gleich zu Beginn des Verhandlungstags. Es geht um Unterlagen, die diese außerhalb der Hauptverhandlung in einem Umschlag an die Sachverständige übergeben haben soll.
"Warum haben Sie das gemacht?", fragt die Richterin. Block-Anwalt Ingo Bott (43) antwortet für seine Mandantin: "Das war ein Versehen, das meine Mandantin auch bereut."
Die Richterin zeigt sich skeptisch: "Ich halte das nicht für einen Irrtum." Schließlich gehöre zu den Unterlagen auch ein Brief, den eine Freundin von Christina Block direkt an die Sachverständige gerichtet haben soll.
Bott schildert das Verhalten seiner Mandantin "als lebensnah und nachvollziehbar". Die Richterin entgegnet jedoch: "Wenn das das erste Mal wäre. Aber ich habe Frau Block bereits im November davor gewarnt, Einfluss auf Beweismittel zu nehmen. Ich dachte, das wäre verstanden worden."
Die Staatsanwaltschaft geht sogar noch einen Schritt weiter. Aus ihrer Sicht erfüllt das Verhalten die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls.
Nach TAG24-Informationen sollen sich unter den Unterlagen auch Beweisanträge von Ingo Bott befunden haben. Darin geht es unter anderem um den Vorwurf, Stephan Hensel habe eine Mitarbeiterin belästigt.
9.40 Uhr: Tag 64 startet
Mit ein paar Minuten Verspätung startet der 64. Verhandlungstag.
9.15 Uhr: Einige Medienvertretende da
Obwohl die Öffentlichkeit voraussichtlich ausgeschlossen wird, haben sich bereits einige Medienvertretende im Zuschauerraum von Saal 237 versammelt. Zuschauer sind bislang allerdings keine vor Ort.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Es ist möglich, dass die Kammer die Öffentlichkeit für die gesamte Dauer der Gutachtenerstattung ausschließt.
Das würde neben der Vorstellung des Gutachtens auch die anschließenden Fragen der Verfahrensbeteiligten an die Sachverständige sowie deren Stellungnahmen betreffen. Über einen Ausschluss wird das Gericht allerdings erst zu Beginn der Hauptverhandlung am Dienstag entscheiden. Darauf hatte das Landgericht bereits am Freitag hingewiesen.
Die forensische kinder- und jugendpsychiatrische Sachverständige Mareike Schüler-Springorum hat zahlreiche Verhandlungstage begleitet. In ihrem Gutachten soll sie unter anderem die psychischen Folgen der mutmaßlichen Entführung für die beiden jüngsten Block-Kinder bewerten.
Die Kinder selbst werden vor Gericht nicht aussagen, wurden jedoch von der Sachverständigen befragt.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 63. Verhandlungstag
Am 63. Verhandlungstag wurde die Befragung des mutmaßlich an der Entführung beteiligten Ex-GNTM-Models Jonathan G. (35) fortgesetzt und abgeschlossen.
Dabei ging es unter anderem um seinen psychischen Zustand und persönliche Lebensbereiche. Dieser Teil der Verhandlung fand ebenso wie die Verlesung einer Krankenakte von Block-Sohn Theo unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Im öffentlichen Teil der Verhandlung machte Jonathan G. Christina Block und den mutmaßlichen Chef-Entführer David B. (68) für seine aktuelle Situation verantwortlich.
Nach Abschluss der Zeugenvernehmung übten die Verteidiger deutliche Kritik an G.s Aussage. Sie bezeichnete seine Schilderungen als "völlig unglaubhaft" und warf ihm vor, teilweise "schlicht gelogen" zu haben.