Gerhard Delling äußert sich im Block-Prozess erneut: "Das war und ist unfassbar"
Hamburg - Verhandlungstag 78 im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) und sechs weitere Angeklagte steht am Mittwoch an. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
12.14 Uhr: Mittagspause
Die Richterin unterbricht die Einlassung Dellings für die obligatorische Mittagspause.
Weiter geht es um 13.30 Uhr, dann will der Moderator noch etwa eine halbe Stunde sprechen.
12.09 Uhr: Gerhard Delling lässt kein gutes Haar an Chef-Entführer David B.
Nun spricht Delling über die ersten Treffen mit dem späteren mutmaßlichen Chef-Entführer David B. Dieser habe sich aus seiner Sicht sehr aufgespielt und mit seinen Qualitäten geprahlt, betont der Sport-Moderator.
Geheim oder konspirativ sei an diesen Treffen nichts gewesen, verdeutlicht Delling. Sie hätten in Konferenzräumen im Hotel "Grand Elysée" stattgefunden, wo auch Hotelpersonal ein- und ausgegangen sei, erinnert sich der Moderator.
Im Oktober 2023 hätten David B. und Keren T. alias "Olga" schließlich von den mittlerweile widerlegten Pädophilie-Vorwürfen gegen Hensel und dessen Anwalt Gerd Uecker berichtet, schildert Delling. Dass B. die Steakhouse-Erbin mit den vermeintlichen Beweisen, die sich später als fake herausstellten, zur Polizei geschickt habe, sei "inakzeptabel", so Delling.
Wäre B. zu diesem Zeitpunkt sofort als Urheber von gefälschten Inhalten entlarvt worden, wäre es wohl niemals zu den Ereignissen in der Silvesternacht 2023/24 gekommen, vermutet Delling.
11.57 Uhr: Gerhard Delling widerspricht Darstellung der Nebenklage
Der frühere Sport-Moderator widerspricht darüber hinaus der Darstellung, er und seine Lebensgefährtin hätten das Familiendrama schon weit vor der Entführung in die Medien getragen.
Das Bestreben der beiden sei stattdessen stets gewesen, das Ganze aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Die Kinder sollten später nicht den Konflikt ihrer Eltern im Netz nachlesen können, argumentiert Delling.
11.46 Uhr: Gerhard Delling erhebt Vorwürfe gegen Stephan Hensel
Nun spricht Delling über die aus seiner Sicht unwahre Behauptung Hensels, er und Block seien mit vermummten Männern an der Schule der Kinder in Dänemark aufgetaucht.
Er betont erneut, dass nur die beiden dort gewesen seien und es unter anderem ein Gespräch mit der Schulleitung gegeben habe, in dem dieser die geltende Rechtslage dargestellt worden sei, nach der das Sorgerecht bei der Steakhouse-Erbin gelegen habe.
Delling kritisiert in diesem Rahmen erneut den Umstand, dass die öffentliche Wahrnehmung durch den Kindsvater fortlaufend manipuliert werde. Es werde das Bild einer gewalttätigen Mutter geschaffen, die vor nichts zurückschrecke. Diese Darstellung habe jedoch nichts mit der Realität zu tun, sagt Delling.
11.33 Uhr: Gerhard Delling: "Das war und ist für mich unfassbar"
Dass seine Lebensgefährtin seit der Einbehaltung der Kinder in Dänemark keinerlei Kontakt zu den beiden haben durfte, könne er bis heute "nicht begreifen", erklärt Delling. Auch er selbst stoße in diesem Zuge an seine Grenzen, offenbart der Sport-Moderator. Tränen gehörten inzwischen zum Alltag der beiden, betont er.
Besonders hart kritisiert Delling die rechtliche Ungleichbehandlung der beiden Seiten. Er argumentiert, dass sich Hensel durch die Einbehaltung der Kinder rechtswidrig verhalten habe - und trotzdem nur die Block-Seite die Konsequenzen tragen müsse. "Das war und ist für mich unfassbar", unterstreicht Delling.
11.20 Uhr: Delling bricht eine Lanze für seine Lebensgefährtin Christina Block
Delling betont, dass es sein Ansinnen sei, seine Erinnerungen und Wahrnehmungen noch einmal verständlich zu schildern - zum letzten Mal in diesem Prozess. "Ich bitte sie inständig, meinen Ausführungen mit schlichter Unvoreingenommenheit zu begegnen", erklärt der ehemalige Sport-Moderator.
Der Angeklagte widerspricht erneut der Darstellung, dass seine Lebensgefährtin gewalttätig gegenüber ihren Kindern gewesen sei. In seiner Anwesenheit habe es niemals auch nur die Andeutung von Gewalt gegeben. Anderenfalls wäre er niemals mit der Steakhouse-Erbin zusammen gekommen oder geblieben, verdeutlicht Delling.
Darüber hinaus spricht der Ex-Moderator über sein Verhältnis zu den Kindern. So habe ihn Klara "Gernhard" genannt, weil sie ihn so gern gehabt habe, wiederholt Delling.
11.03 Uhr: Gerhard Delling gibt ergänzende Einlassung ab
Nach der Pause hat Block-Anwalt Ingo Bott das Wort. Der Jurist erhebt Gegenvorstellung gegen einen Beschluss der Kammer, der sich auf das Haustelefon der Blocks bezieht.
Anschließend beginnt der mitangeklagte Gerhard Delling mit einer ergänzenden Einlassung, die rund eine Stunde dauern soll.
10.37 Uhr: Hamburgs Innensenator Andy Grote wird nicht als Zeuge geladen
Nach der Pause geht es mit abgelehnten Anträgen weiter, wieder geht es um Anträge von Block-Verteidigerin Ingo Bott und Anwältin Gül Pinar. Diese hatte unter anderem beantragt, Hamburgs Innensenator Andy Grote (58, SPD) als Zeugen zu laden.
Der 58-Jährige war vom mitangeklagten Familienanwalt Andreas C. kontaktiert worden, wie auf sichergestellten Geräten festgestellt worden war.
Es sei nicht erkennbar, wie eine Aussage des Politikers zur Urteilsfindung beitragen könnte, argumentiert die Kammer. Es folgt eine weitere Pause, um 11 Uhr soll es weitergehen.
10.21 Uhr: Kammer lehnt mehrere Anträge von Block-Anwalt Ingo Bott ab
Die Kammer lehnt weiter Anträge ab. Unter anderem hatte Block-Anwalt Bott die Ladung verschiedener Zeugen beantragt, die bezeugen könnten, dass seine Mandantin auf der Silvesterparty 2023/24 "ruhig und gelöst" gewirkt habe.
Der Anwalt hatte bei der Antragstellung argumentiert, dass dies ein Beweis dafür sei, dass seine Mandantin nichts von der Entführung gewusst geschweige denn diese beauftragt habe.
Die Kammer sieht das anders und betont, dass nicht ersichtlich sei, welchen Schluss man aus den möglichen Zeugenaussagen ziehen könnte. Anschließend gibt es eine kurze Pause.
10.10 Uhr: Ende Oktober endet die Frist zur Einreichung von Beweisanträgen
Anschließend verkündet Hildebrandt, dass das Beweisprogramm der Kammer beendet sei. Weitere Beweisanträge der Verfahrensbeteiligten müssten nun bis spätestens 28. Oktober eingereicht werden, teilt die Richterin mit.
Des Weiteren gibt Hildebrandt bekannt, dass zwei Anträge von Gül Pinar, Verteidigerin des Sicherheitsunternehmers P., und zwei Anträge von Block-Anwalt Ingo Bott abgelehnt werden.
10.01 Uhr: Verteidiger poltert gegen die Hensel-Seite, Applaus im Publikum
Tatsächlich ist der "ZEIT"-Podcast mit den Aussagen von Klara nun Thema. Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin zur Protokoll gegeben, dass einige Verfahrensbeteiligte im Verlauf des Prozesses an der umfassenden Medienberichterstattung mitgewirkt hatten, unter anderem durch Interviews, Podcast-Auftritte etc.
Dr. Marko Voß, der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Andreas C., bezieht sich daraufhin auf eine Aussage der "ZEIT"-Journalistin Anne Kunze, die im Podcast berichtet, nur 22 Stunden nach der Entführung vom Anwalt von Stephan Hensel kontaktiert worden zu sein.
Diese habe ihr von einem "extrem spannenden Fall mit viel Potenzial für eine investigative Recherche" berichtet, zitiert Voß. Vor diesem Hintergrund sei es eindeutig, welche Seite das Leid der Kind "instrumentalisiert" habe, poltert Voß. Im Publikum brandet vereinzelt Applaus auf, was die Richterin mit scharfen Worten ermahnt.
9.50 Uhr: Vorsitzende Richterin verliest Mitteilung des Finanzamts
Der mitangeklagte Sicherheitsunternehmer Andreas P. verzichtet auf weitere Auskünfte zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Richterin verliest daraufhin eine Erkenntnismitteilung des Finanzamts für Prüfungsdienste.
Demzufolge hatte P. in den Jahren 2024 und 2025 jeweils ein Brutto-Einkommen in Höhe von 266.000 Euro.
9.42 Uhr: Verhandlung läuft, Mark B. spricht über wirtschaftliche Situation
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt eröffnet die heutige Verhandlung, nachdem der in U-Haft sitzende mutmaßliche Mit-Entführer Tal S. in den Saal geführt wurde.
Es geht sogleich wieder um die wirtschaftlichen Verhältnisse der Block-Cousine Uta B. und ihres Ehemanns Mark. Dieser berichtet von einem zu versteuernden Jahreseinkommen in Höhe von rund 200.000 Euro.
Neben den steuerlichen Abgaben erzählt B. von weiteren Ausgaben in Höhe von circa 70.000 Euro, darunter unter anderem Versicherungen, Darlehenstilgungen und Unterstützungen für die beiden Kinder.
9.27 Uhr: Werden jüngste Aussagen von Block-Tochter Klara heute Thema sein?
Spannend wird, ob die jüngst veröffentlichten Erzählungen von Block-Tochter Klara am heutigen Verhandlungstag womöglich Thema werden.
Die 15-Jährige hat in dem neuen Podcast "House of Block" von der "ZEIT" erstmals öffentlich über die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 gesprochen.
"Ich habe ihn noch nie so schreien gehört, es war fürchterlich", berichtete sie unter anderem mit Blick auf ihren Vater Stephan Hensel, der von den Entführern verprügelt worden war.
9.21 Uhr: Zuschauerraum nur spärlich gefüllt
Wie schon am gestrigen Dienstag hält sich das öffentliche Interesse auch am heutigen Verhandlungstag in Grenzen.
Wenige Minuten vor Prozessbeginn ist der Zuschauerraum in Saal 237 des Landgerichts nur äußerst spärlich gefüllt.
9 Uhr: So geht es am Mittwoch weiter
Wie das Gericht vorab mitteilte, will die Kammer am Mittwoch (und Donnerstag) verkünden, wie sie über die bereits gestellten, aber noch offenen Beweisanträge entscheidet.
Weiterhin will eine der angeklagten Personen eine ergänzende Einlassung abgeben - wer, teilte das Gericht nicht mit.
8.45 Uhr: Recap vom 77. Verhandlungstag
Am Dienstag sagte der Rechtsanwalt Nils T. zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des mitangeklagten Familienanwalts Andreas C. aus. Dieser hatte zuvor entschieden, sich nicht dazu zu äußern und weiterhin zu schweigen.
T., der in derselben Kanzlei wie C. tätig ist, äußerte sich dabei auch zu den Einkünften von C. Er sprach dabei von einem "hohen sechsstelligen Betrag" pro Jahr, von dem aber noch Steuern, Versicherungsbeiträge, etc. abgehen würden.
Nach der kurzen Zeugenaussage entwickelte sich dann ein Wortgefecht zwischen Reinhard Daum, dem Verteidiger der mitangeklagten Block-Cousine Uta B., und der Richterin Isabel Hildebrandt.
Diese argumentierte, dass die Angaben von B. zu ihrer finanziellen Situation "nicht plausibel" gewesen seien. Daum reagierte und sprach von einer "Vernichtung" seiner Mandantin. Unter anderem seien Banken und andere Institutionen von der Kammer kontaktiert und zur Herausgabe von Informationen aufgefordert worden.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa