Block-Prozess: Zeuge sollte kurzfristig 10.000 Euro organisieren
Hamburg - Am Dienstag wird der Prozess wegen Kindesentführung gegen Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Am 29. Verhandlungstag sollen zwei ehemalige Mitarbeiter des "Grand Elysée"-Hotels in Hamburg aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.
Update, 11.50 Uhr: Zeuge spricht auch von 10.000 Euro
Wie auch Axel B. erinnert sich Johannes B. an zwei "seltsame" Situationen: "Frau Block brauchte einmal 10.000 Euro in bar." Daraufhin habe er 5000 Euro aus einem Safe geholt und den Rest aus den Kassen am Empfang: "Das war auf jeden Fall eine Situation, die außerhalb der Norm lag", so der Zeuge.
Auch den Vorfall mit dem reservierten und wieder abgesagten hoteleigenen Multivan berichtet der Zeuge: "Es ging darum, dass fünf bis sechs Personen am Dammtor ankommen sollen und nach Dänemark gefahren werden sollten."
Allgemein sei das Thema der Gäste, die unter Namen wie "Yellow", "Blue", "White" etc. eingebucht waren, ein eher passives Thema im Hotel gewesen sein. "Es wurde ein Schleier des Schweigens darüber gelegt", so Johannes B.
Die Zeugenbefragung ist beendet, es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.15 Uhr.
Update, 11.30 Uhr: Dr. C. hatte ein "spezielles Kontingent"
Die Kommunikation mit den Gästen unter Pseudonymen sei stets über seine Chefin gelaufen. Nur einmal sei Herr Dr. C. direkt auf ihn zugekommen und habe ein weiteres Zimmer verlangt. Dieses habe er dann dem vorherigen "System" seiner Chefin folgend unter dem Pseudonym "John Black" eingebucht.
Ihm gegenüber seien keine Angaben dazu gemacht worden, wer die Gäste tatsächlich waren oder warum sie im Hotel gewesen seien. Auf Nachfrage habe seine Vorgesetzte erklärt, dass es sich um Bekannte von Frau Block handele, welche über "ein spezielles Kontingent von Dr. C." laufen würden.
Die Kosten für die Zimmer seien auf einem bestimmten Paymaster-Konto gesammelt worden, welches nach der Erinnerung des Zeugen unter dem Namen von Dr. Andreas C. lief. Es habe keine reguläre Kostenabrechnung für die Gäste gegeben: "Meines Wissens waren die unentgeltlich da."
Update, 11.20 Uhr: Gäste waren unter Farben eingecheckt
Es folgt die Zeugenaussage von Johannes B. (31), ehemaliger Empfangsmitarbeiter im "Grand Elysée". Er war von Dezember 2021 bis August 2023 am Empfang tätig.
Die Richterin fragt, ob es in dieser Zeit Auffälligkeiten gegeben habe. Johannes B. bestätigt: "Ja, es gab Dinge, die nicht auf der Tagesordnung standen." Unter anderem seien Gäste unter Pseudonymen eingecheckt worden: "Sie waren unter Farben eingebucht". Weitere personenbezogene Daten seien nicht gespeichert worden.
"Das ist nicht üblich und unglücklich", so der Zeuge mit seinem heutigen Wissen. Auf Nachfrage, ob das Management darüber informiert gewesen sei, antwortet er: "Ich habe dazu keine Informationen bekommen."
Häufig habe er Kontakt zu einer "Doris White" gehabt – mutmaßlich Keren T. –, die öfter organisatorische Aufgaben übernommen habe, Gäste gebracht oder weggeschickt habe.
Update, 11 Uhr: Frau Block erinnert sich an die Bargeld-Forderung
Nach der Zeugenaussage von Axel B. äußert sich Frau Block selbst. Sie erinnert sich an den Vorfall mit dem Van, der im Dezember 2022 stattgefunden haben soll. Kurz zuvor, im November 2022, habe sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder versucht, in Dänemark Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen. Diese Aktion sei jedoch "vollkommen gescheitert".
Zu diesem Zeitpunkt sei das Thema ihrer Kinder medial sehr präsent gewesen, ebenso der Vorwurf der "Entfremdung". In diesem Zusammenhang habe sich der Verein "Genug Tränen" an sie gewandt und um Unterstützung gebeten. Geplant gewesen sei eine Fahrt nach Dänemark, um dort zu demonstrieren.
"Ich wollte helfen", so Block. Kurzfristig sei die Aktion dann doch nicht zustande gekommen. "Ich habe keine Kenntnis, weshalb", so die Unternehmerin.
Auch an eine Forderung nach Bargeld im Frühjahr 2023 erinnere sie sich. So etwas habe sie zuvor noch nie gemacht, an die genauen Umstände könne sie sich heute auch nicht mehr erinnern. Wohl aber, dass sie das Geld nur zwei bis drei Stunden, "in derselben Stücklung" wieder zurückgezahlt habe.
"Extrem überrascht" habe sie dagegen, dass angeblich Namen für Hotelgäste ausgedacht worden seien. Von einem Zimmeraustausch oder entsprechenden Absprachen zwischen Dr. C. und der Empfangschefin habe sie ebenfalls nichts gewusst.
Abschließend betont Block erneut, dass sie Dr. C. stets vertraut habe und ihm "einfach gefolgt" sei. Zudem sei er "wie ein Ziehsohn" ihres Vaters Eugen Block gewesen.
Update, 10.50 Uhr: Zeuge widerspricht sich
Dr. Voß, Verteidiger des Familienanwalts Dr. Andreas C., konfrontiert den Zeugen mit Ungereimtheiten in seinen heutigen Aussagen im Vergleich zu seiner polizeilichen Vernehmung.
Dort soll der Zeuge unter anderem nicht geschildert haben, dass er und seine Empfangschefin angewiesen worden seien, sich Namen für die Gäste auszudenken. Ebenso habe er gegenüber der Polizei von 5000 Euro und nicht 10.000 Euro gesprochen, die Frau Block kurzfristig verlangt haben soll, wie Dr. Böttner, Verteidiger des Angeklagten Tal S., ihm vorhält.
Der Zeuge räumt ein, dass es sein könne, dass er sich nicht mehr richtig erinnere. Damit ist die Zeugenbefragung des ehemaligen Hoteldirektors beendet.
Update, 10.32 Uhr: Frau Block hat dem Zeugen geholfen
Der Nebenklagevertreter fragt nach dem Verhältnis des Zeugen zu Frau Block. "Wir hatten einen guten Austausch", so Axel B. Sie habe ihm auch des Öfteren bei verschiedenen Themen geholfen habe, insbesondere bei Angelegenheiten, die ihren Vater betrafen. Dieser sei ein "passionierter Hotelier", der gerne seine Wünsche "mit größerem Gewicht als Dr. C." für das Hotel geäußert haben soll.
Auf die Frage, ob Eugen Block Einblick in das Tagesgeschäft gehabt habe, erklärt der Zeuge, er habe ihn etwa zweimal pro Woche im Hotel getroffen. Er sei sehr engagiert gewesen. Themen wie Zimmerpreise seien durchaus besprochen worden, um Zahlungsrückstände einzelner Gäste sei es jedoch nie gegangen.
Es folgen zehn Minuten Pause.
Update, 10.23 Uhr: Warum verließ der Zeuge das Hotel?
Die Staatsanwaltschaft fragt, warum Axel B. im Sommer 2023 aus dem Hotel ausgeschieden ist. "Nach konstruktiven Gesprächen haben wir festgestellt, dass wir unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, wie das Hotel in Zukunft geführt werden soll", erklärt der Zeuge.
Mit den geschilderten Vorfällen im Hotel habe das nichts zu tun gehabt: "Zumindest nicht, dass ich wüsste."
Update, 10.15 Uhr: Frau Block wollte spontan 10.000 Euro
Der Zeuge berichtet weiter von einer "Szene", in der Frau Block relativ spontan darum gebeten habe, einen Fahrer sowie den hoteleigenen Multivan für einen Ausflug mit mehreren Personen nach Dänemark zur Verfügung zu stellen.
An sich sei das keine ungewöhnliche Anfrage gewesen; es sei zuvor immer wieder vorgekommen, dass die Familie Block auf Dienstleistungen des Hotels zurückgegriffen habe.
Letztlich sei aus der Fahrt jedoch nichts geworden. Die Unternehmerin sei später noch einmal persönlich vorbeigekommen, um sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.
Zudem schildert Axel B. einen weiteren Vorfall: Frau Block habe ihn telefonisch kontaktiert und erklärt, sie benötige kurzfristig 10.000 Euro. Sie habe gefragt, ob er das organisieren könne. Nach Rücksprache mit der Finanzabteilung sei daraufhin ein Umschlag mit dem Geld an der Rezeption für Frau Block hinterlegt worden. Am nächsten Tag habe sich der Betrag wieder in der Hotelkasse befunden.
Update, 9.55 Uhr: "Sollten uns Namen ausdenken"
Nun beginnt die Aussage des ersten Zeugen: des früheren Hoteldirektors Axel B. (55), der das "Grand Elysée" bis Sommer 2023 leitete. Gleich zu Beginn schildert er, dass er 2023 auf Anweisung des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C. zwei Einzelzimmer "für eine Frau und einen Mann" für einen unbestimmten Zeitraum habe reservieren sollen.
Normalerweise würden Gäste beim Check-in ihre Ausweise vorlegen. "In diesem Fall war es jedoch so, dass wir uns Namen ausdenken sollten", so Axel B. Die Gäste hätten keinerlei Dokumente vorgelegt: "Da war ich überrascht."
Der Familienanwalt habe zu verstehen gegeben, dass er sich darum kümmern werde. "Ich bin davon ausgegangen, dass es in Ordnung ist, wenn sich der Aufsichtsratsvorsitzende darum kümmert", so B.
Auf Nachfrage bestätigt Axel B., dass es sich dabei um einen Verstoß gegen die Meldevorschriften gehandelt habe. "Ich habe ein paar Mal bei Dr. C. nachgefragt", so der 55-Jährige. Vonseiten Dr. C. habe es jedoch stets nur geheißen: "Ich kümmere mich." Auch hinsichtlich der anfallenden Kosten habe es Unklarheiten gegeben – bereits nach wenigen Wochen seien mehrere tausend Euro aufgelaufen.
"Die waren ja auch beim Frühstück und in den Restaurants", berichtet der Zeuge, der mehrfach Kontakt zu den Gästen, mutmaßlich David B. und Keren T., hatte. "Es gehört dazu, die Gäste zu begrüßen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist."
Schließlich habe er auch seine Vorgesetzten wegen der nicht gedeckten Kosten informiert: "Auch dort hieß es, Dr. C. kümmere sich. Da keine klare Ansage kam, habe ich das für mich abgehakt."
Update, 9.44 Uhr: Keren T. wurde von der Staatsanwaltschaft vernommen
Wie die Richterin zu Beginn der Verhandlung bekannt gab, wurde Keren T. alias "Olga" am 8. und 12. Januar von der Staatsanwaltschaft vernommen. Sie galt als rechte Hand von David B. (68), dem mutmaßlichen Chef der Entführer, und während ihrer Zeit in Hamburg als auch enge Vertraute von Christina Block.
Bis zuletzt galt sie als flüchtig. Was sie genau ausgesagt hat, ist bislang nicht bekannt. Auch dem Gericht liege das Gesprächsprotokoll noch nicht vor, so die Richterin.
Update, 9.40 Uhr: Prozess startet
Mit rund 15 Minuten Verspätung beginnt der 29. Verhandlungstag.
Update, 9.14 Uhr: Weniger Andrang
Wie schon am vergangenen Donnerstag ist der Andrang an Zuschauenden vor dem Saal 237 überschaubar. Viele der Anwesenden sind Familie und Freunde von Christina Block und ihrem Partner sowie Mitangeklagten Gerhard Delling (66).
Update, 9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Für 9.30 Uhr und 11 Uhr sind zwei Zeugen geladen, die beide Hotelmitarbeiter des Hamburger "Grand Elysée" sind beziehungsweise waren, wie das Gericht am Montag mitteilte. In dem Hotel, das der Block-Familie gehört, sollen die mutmaßlichen Entführer von Theo und Klara über mehrere Monate hinweg untergebracht gewesen sein.
Nach Angaben der Unternehmerin habe die IT-Sicherheitsfirma des Zeugen David B. (68) ursprünglich einen Penetrationstest durchführen sollen. B. sagte jedoch aus, dass es von Beginn an um die Beschaffung von Informationen über die Block-Kinder gegangen sei, die seit Sommer 2021 bei ihrem Vater, Stephan Hensel (51), in Dänemark lebten.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Donnerstag
Am 28. Verhandlungstag wurde durch die Zeugin W. erstmals bestätigt, was zuvor lediglich als Behauptung der Verteidigung im Raum gestanden hatte.
Nach der Einschätzung einer ehemaligen Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) bestand zum Zeitpunkt der Kindesentziehung durch Stephan Hensel (51) im Sommer 2021 eine "akute Kindeswohlgefährdung" für Klara und Theo.
Zudem sei man im weiteren Verlauf von einer "aktiven Entfremdung der Kinder" durch den Vater ausgegangen.
Eine weitere Zeugin, die Theo und Klara am 3. und 4. Januar 2024 im Haus ihrer Mutter besucht hatte, schilderte, sie sei überrascht gewesen, wie "normal" die Kinder angesichts der im Raum stehenden Entführung auf sie gewirkt hätten.
Gespräche mit den Kindern habe die Zeugin jedoch nicht geführt, ebenso wenig habe sie mit Christina Block über die Entführung gesprochen. Dafür sei aus ihrer Sicht das Landeskriminalamt zuständig gewesen.
Christina Block betonte in ihrer heutigen Stellungnahme erneut, sie hätte "so etwas Überstürztes wie in der Silvesternacht" niemals in Auftrag gegeben.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa