Polizist im Block-Prozess: "Passen Sie auf, was Sie sagen!"

Hamburg - Der Prozessmarathon im Fall Christina Block (52) geht weiter: Am 39. Verhandlungstag soll am heutigen Dienstag der nächste Polizist vor Gericht aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am Dienstag.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 13.36 Uhr: "Hätten wir jedes Mal einen Espresso getrunken [...] hätten wir einen Herzinfarkt"

Mit fünf Minuten Verspätung geht es nach der Pause mit den Stellungnahmen der Verteidiger zu der Zeugenaussage weiter.

Block-Anwalt Ingo Bott spricht von einer "diffusen und verschwommenen Zeugenaussage" und einem Zeugen der das meiste "en détail" nicht mehr erinnerte. "Hätten wir jedes Mal einen Espresso getrunken als er das gesagt hat, hätten wir jetzt einen Herzinfarkt".

Deutlich sei jedoch geworden, dass seine Mandantin am 3. Januar 2024 entgegen der Aussage des Zeugen eine Begutachtung und Kontaktaufnahme mit den Kindern ermöglicht habe – wenn auch "situationsabhängig" und stets sensibel für das Kindeswohl. "Sie hat also genau das ermöglicht, was Herr Hensel seit viereinhalb Jahren verweigert: eine Begutachtung der Kinder", betonte Bott.

Update, 12.10 Uhr: Mittagspause

Die Zeugenbefragung von Matthias H. ist beendet. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.

Update, 12.07 Uhr: Anwalt geht Zeugen an

Nach den Fragen des Familienanwalts von Stephan Hensel, Gerd Uecker ("Wussten Sie, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht schon am 2. Januar 2024 vom dänischen Gericht allein dem Vater übertragen wurde?" – "Ich erinnere mich nicht aktiv"), übernimmt erneut der Anwalt des Block-Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Marko Voß.

Sichtlich aufgebracht wirft er dem Zeugen vor, "derart viele Widersprüche zu produzieren". Die Richterin ermahnt ihn, keine Vorwürfe an den Zeugen zu richten; das sei nicht seine Aufgabe und "deplatziert".

Erneut geht es um die angebliche Bewaffnung der Sicherheitsbeamten, von der keiner der anderen vor Ort eingesetzten Polizisten etwas gesehen oder gehört haben will.

"Erst sagen Sie, Sie haben darüber mit niemandem außer Frau W. gesprochen, und dann sagen Sie, es habe eine Nachbesprechung gegeben, in der die Bewaffnung Thema war – erklären Sie das mal", so Voß. "Es gab keine richtige Nachbesprechung, aber man redet natürlich mit seinen Kollegen über den Einsatz."

Update, 11.45 Uhr: Es geht nochmal um die Bewaffnung

Jetzt geht es noch einmal um die Bewaffnung der Sicherheitsbeamten, die am 3. Januar 2024 mit der "äußeren Gebäudesicherung" des Hauses von Christina Blocks beauftragt waren.

Die Anwältin des Sicherheitsunternehmers hält dem wortkargen Zeugen seinen eigenen Vermerk aus dem Juli 2025 vor, den er im Auftrag der Staatsanwaltschaft gefertigt habe. "Warum dann erst?" – "Weil er gefehlt hat", so der Zeuge.

Darin heißt es: "Man wolle eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei gewährleisten, zumal sie verdeckt Waffen trügen."

"Sie – die Polizei?", hakt die Anwältin noch einmal nach, ob damit nicht auch gemeint sein könnte, dass die Polizei bewaffnet war. "Nee 'sie', die Mitarbeiter", so der Zeuge.

"Warum denken Sie, war die Bewaffnung eineinhalb Jahre später Thema für die Staatsanwaltschaft?", will die Anwältin weiter wissen. "Das habe ich nicht weiter hinterfragt", so der Zeuge.

Auch am 39. Verhandlungstag war die Stimmung in Saal 237 teilweise wieder sehr angespannt.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 11.30 Uhr: "Warum schütteln Sie den Kopf?"

Danach stellt der Anwalt von Gerhard Delling (66) seine Fragen; die Vernehmung fällt jedoch kurz aus, weil sich der Zeuge kaum an etwas erinnert. Es folgt die Befragung durch die Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers.

"Haben Sie etwas vom Einsperren vernommen? Dass die Kinder eingesperrt wurden?" – "Nein."
"Andere Delikte in diese Richtung?" – "Nein."
"Dass Sicherheitskräfte polizeiliche Maßnahmen verhindert hätten?" – "Nein".

Der Zeuge wirkt zunehmend genervt und antwortet häufig nur noch einsilbig. Zwischendurch wendet er sich an den Anwalt des Familienanwalts und fragt: "Warum schütteln Sie den Kopf?" Dieser entgegnet: "Wie ich meinen Kopf bewege, ist meine Sache. Sie sind hier als Zeuge – vergessen Sie das nicht."

Update, 11.05 Uhr: Es geht weiter

Nach der Pause hat Bott nur noch eine kurze Frage. Anschließend befragt der Anwalt von Dr. Andreas C. den Zeugen erneut zu den angeblichen Kontakten des Familienanwalts zum Ministerium des Innern.

Der Zeuge erklärt jedoch, er habe davon nur von Dritten erfahren und könne sich an keine konkreten Details erinnern.

Update, 10.50 Uhr: Angespannte Lage in Saal 237

Bott befragt den Zeugen weiter zu E-Mails, aus einer Zeit, als die Ermittlungsgruppe bereits aufgelöst gewesen sei – daran erinnert der Zeuge den Anwalt.

Bott: "Wir haben hier auch schon sehr engagierte Mitarbeiterinnen des ASD erlebt, die sich auch später noch mit ihren Fällen beschäftigt haben."

Der Polizist erwidert: "Werfen Sie mir vor, nicht engagiert zu sein? Passen Sie auf, was Sie sagen." Bott entschuldigt sich kleinlaut, er habe das so nicht gemeint. Die Richterin veranlasst eine zehnminütige Pause.

Allgemein ist die Lage im Saal angespannt: Zuvor hatte bereits der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Marko Voß, die Richterin darüber informiert, dass Stephan Hensel "in einer Tour feixe" und jede Frage von Bott kommentiere. Die Richterin ermahnte auch ihn, dieser daraufhin: "Es tut mir sehr leid, es fällt nur so schwer".

Stephan Hensel (51) am Dienstag zusammen mit seinem Familienanwalt Gerd Uecker (r).  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 10.38 Uhr: Landkarte wird an die Wand geworfen

Jetzt will Bott eine Landkarte an die Wand des Gerichtssaals werfen, um dem Zeugen die Route zu zeigen, die man mutmaßlich fahren muss, um von Dänemark zu dem besagten "Lama-Hof" bei Pforzheim zu gelangen. "Erinnern Sie, dass sie eine solche Route gesehen haben?", fragt Bott. "Ähnlich", so der Zeuge.

Unter anderem soll auch hier Hensel eine mögliche Route an den Ermittler weitergeleitet haben. Bott will wissen, was der Zeuge zu der Route ermittelt hat. "Ich habe dazu gar nichts ermittelt", stellt der Zeuge klar. Die Richterin wirft ein: "Herr Bott, das sind Ihre Ermittlungen, nicht die des Zeugen!" Die Debatte beruht auf die vorherige Aussage des Zeugen, man hätte an einem bestimmten Punkt für den "direkten Weg" nach rechts abbiegen müssen.

Bott will auch wissen, ob der Zeuge und sein Team weitere Lama-Höfe in der Umgebung recherchiert hätten. Der Polizist erinnert sich nicht an eine solche Recherche.

Update, 10.25 Uhr: Diskussionen zwischen Bott und dem Zeugen

Die Richterin hat keine weiteren Fragen mehr. Block-Anwalt Ingo Bott (42) will wissen, ob der Zeuge sich auch mal damit beschäftigt habe, "was denn vorher los war?". Der Verteidiger spielt damit auf die mutmaßliche Kindesentziehung durch Stephan Hensel im Sommer 2021 an.

"Das war nicht meine Aufgabe. Mein Fall war eine mögliche Kindesentziehung von Dänemark nach Süddeutschland", betont der Zeuge. Es folgt eine angeregte Diskussion zwischen Bott und dem Zeugen darüber, warum der Zeuge dann eine Ermittlungsführerin eingesetzt hat, die bereits zuvor mit dem Fall Block-Hensel betraut gewesen sei.

Die Richterin ermahnt Bott, den Zeugen nur nach "Tatsachen und Wahrnehmungen" zu fragen.

Update, 10.10 Uhr: Angeklagter soll sich "abfällig" über Stephan Hensel geäußert haben

Als Leiter der Ermittlungsgruppe sei der Zeuge bis Juni 2024 zuständig gewesen. Auf Nachfrage der Richterin schildert der Polizist von späteren Hinweisen per Mail seitens Stephan Hensel bezüglich des Bauernhofs in Baden-Württemberg. Dort waren Theo und Klara nach der Entführung zunächst hingebracht worden.

Gegenüber ihrem Vater sollen die Kinder eine Katze sowie die Besitzerin des Hofes im Internetauftritts des "Lama"-Bauernhofs erkannt haben. Dem sei man dann nachgegangen und habe den Hof durchsuchen lassen.

Später habe die Ermittlungsgruppen auf sichergestellten Geräten, eine Kontaktaufnahme des angeklagten Dr. Andreas C. zum Ministerium des Innern beziehungsweise zum Innensenator Andy Grote (57, SPD). "Ich habe das erfragt und es hieß aus dem Büro, im Rahmen der telefonischen Neujahrsgrüße sei das Pädophilie-Verfahren gegen Stephan Hensel erwähnt worden", so der Zeuge. Dr. C soll sich während des Telefonats zudem "abfällig" über dem Vater der Block-Kinder geäußert haben.

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