Prozess: Mit-Entführerin spricht über enges Verhältnis zu Christina Block
Hamburg - Auch der 52. Verhandlungstag im Prozess gegen Christina Block (53) stand ganz im Zeichen der Zeugenaussage von Keren T. alias "Olga". Viel Neues berichtete die mutmaßliche rechte Hand des Chef-Entführers David B. (68) dabei jedoch nicht. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
Die Zeugin selbst blieb insgesamt eher zurückhaltend.
Besonders zäh gestaltete sich die Befragung durch Block-Verteidiger Ingo Bott (43). Auf viele Fragen zu Daten kündigte die Zeugin direkt an, sich nicht erinnern zu können – und tatsächlich war einer ihrer häufigsten Sätze: "Ich erinnere mich nicht."
Auch zu den von Christina Block in ihrer Einlassung geschilderten engen Beziehungen machte Keren T. nur spärliche Angaben.
Der mitangeklagte Anwalt Dr. Andreas C. soll sie gebeten haben, die Steakhouse-Erbin bei ihren Fahrten nach Dänemark zu unterstützen. Er habe sie jedoch nicht beauftragt, ein enges persönliches Verhältnis aufzubauen.
Was der Familienanwalt der Blocks gesagt habe, sei für die mutmaßlichen Entführer "Gesetz" gewesen. "Er ist der Anwalt, er ist das Gesetz", erklärte die Zeugin. Zudem habe Dr. C. starken Druck auf das Team ausgeübt, die Kinder schnellstmöglich zurück nach Deutschland zu bringen.
Die Zeugin betonte erneut, dass es von Anfang an um die Kinder gegangen sei; IT-Security-Themen seien erst später im Verlauf ihres Aufenthalts in Hamburg aufgekommen. Block hatte zuvor ausgesagt, dass die IT-Firma "Cyber Cupula" von David B. für die IT-Sicherheit des Hotels "Grand Elysée" engagiert worden sei.
15.55 Uhr: Verhandlungstag ist zu Ende
Dr. Böttner hat keine Fragen mehr, damit ist der 52. Prozesstag zu Ende. Er wird am Freitag, 29. Mai 2026, um 9.30 Uhr fortgesetzt.
15.40 Uhr: Was denkt die Zeugin heute über die Geschehnisse?
Was denkt die Zeugin heute über die Geschehnisse? "Man hat uns nicht die Wahrheit gesagt", sagt Keren T.
"Dr. C. hat uns angelogen, dass alles okay sein würde, wenn die Kinder in Deutschland sind", erklärt die Zeugin weiter. Sie spielt damit auf die rechtliche Einschätzung an, die ihr und dem Team immer wieder vermittelt worden sei: dass sie im Sinne des deutschen Rechts handelten und das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei der Mutter liege.
15.39 Uhr: Zeugin: "Ich bin sensibel"
Dass die Kinder gefesselt worden seien, habe Keren T. nach eigenen Angaben erst in Israel von ihren Anwälten erfahren. Böttner konfrontiert die Zeugin jedoch mit der Aussage von David B., wonach dieser bereits im Wohnmobil davon erfahren habe – in dem die Zeugin eigentlich auch anwesend war – und darüber verärgert gewesen sei.
"Haben Sie eine Erklärung dafür, warum David B. Ihnen das nicht erzählt hat?", fragt Böttner.
"Vielleicht, weil ich sensibler bin und Christina Block näherstehe", antwortet die Zeugin.
15.28 Uhr: Wusste das Team von den Anschuldigungen der Kinder?
Tal S. hatte ausgesagt, nichts von den Vorwürfen der Kinder gewusst zu haben – und andernfalls nicht mitgemacht zu haben. Ob das Team diese Anschuldigungen ebenfalls kannte, will Böttner wissen.
"Ich wusste davon, aber ich weiß nicht, ob David ihnen davon erzählt hat oder nicht", so die Zeugin.
15.19 Uhr: Zeugin gesteht: "Ich habe mir keine Gedanken gemacht!"
Hat man sich Gedanken darüber gemacht, dass die Kinder sich wehren könnten? "Nein, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht", antwortet die Zeugin.
"Warum nicht? Sie hatten ja bereits ausgeführt, dass Sie davon ausgingen, die Kinder seien manipuliert worden. Wussten Sie von den Vorwürfen der Kinder gegenüber der Mutter wegen körperlicher Züchtigungen im Rahmen von Erziehungsmaßnahmen – als Begründung dafür, dass sie nicht mehr zur Mutter wollten?", fragt Böttner weiter.
"Ich habe von Christina gehört, dass die Kinder ausgesagt hätten, sie schlage sie und sei ein Monster", so die Zeugin.
15.10 Uhr: Stephan Hensel sollte festgehalten werden
Ingo Bott hat keine weiteren Fragen mehr. Nun hat Dr. Sascha Böttner, der Anwalt des in Untersuchungshaft sitzenden Tal S. (36), das Fragerecht.
Böttner fragt, ob von Anfang an klar gewesen sei, dass Stephan Hensel "mittels körperlicher Gewalt" überwunden werden würde oder ob es alternative Pläne gegeben habe. "Nein, der Vater sollte festgehalten werden, damit wir die Kinder nehmen können", so die Zeugin.
Wie schon David B. betont auch Keren T., dass der Plan vorgesehen habe, keine Gewalt anzuwenden – obwohl das Team davon ausgegangen sei, dass Hensel sich wehren werde.
15 Uhr: Bott spielt Tonband ab
Bott spielt der Zeugin nun einen Ausschnitt ihrer eigenen Aussage bei der Staatsanwaltschaft vor, der zunächst nur schwer zu verstehen ist. Darin ist zu hören, wie Keren T. sagt, dass "Happy New Year" keinen Sinn ergeben hätte, wenn es kein Code gewesen wäre – denn dann hätte Christina Block vermutlich einfach mit "Happy New Year to you too" geantwortet.
Daraufhin hält Bott der Zeugin den Chatverlauf zwischen ihr und Block vom 1. Januar 2024 vor. Daraus geht hervor, dass Christina Block genau das geantwortet haben soll.
14.50 Uhr: Wusste David B. von einem Code?
Nach der Pause fragt Bott jedoch zunächst: "Wusste David B., dass es einen Code geben sollte?"
Bott zeigt sich skeptisch und hält ihr die Vernehmung von David B. bei der Staatsanwaltschaft im November 2025 vor. Dort klinge es laut Bott so, als habe B. von einem solchen Code gar nichts gewusst.
14.25 Uhr: Pause
Es geht nun um den mutmaßlichen Code in Form einer SMS mit dem Inhalt "Happy New Year", den Keren T. am 1. Januar 2024 an Christina Block geschickt hatte. Dieser sei zuvor zwischen den beiden Frauen vereinbart worden und habe bedeutet, dass Block in ein bestimmtes Hotelzimmer gehen soll, wo ein Prepaid-Handy auf sie warte und sie die Kinder haben.
Bott möchte dazu eine Tonaufnahme abspielen. Es folgt eine rund zehnminütige Pause für den technischen Umbau.
14.10 Uhr: Zeugin betont: "Die irren sich!"
Es geht wieder um das viel diskutierte – wie Bott immer wieder betont "angebliche" – Treffen am 28. Dezember 2023 im "Grand Elysée", bei dem Christina Block die Tüte mit den Gegenständen der Kinder übergeben und sich bei den mutmaßlichen Entführern dafür bedankt haben soll, dass sie ihre Kinder zurückbringen.
Das Treffen habe gegen 16 oder 17 Uhr stattgefunden, es sei noch nicht dunkel gewesen. "Wer hat Frau Block über das Treffen informiert?", wird die Zeugin gefragt. "Entweder ich oder David", so ihre Antwort.
Bott konfrontiert die Zeugin damit, dass David B. von einem abendlichen Treffen gesprochen habe und weitere Zeugen es auf den 29. Dezember datieren. "Die irren sich, ich bin mir sicher, dass es der 28. war", entgegnet Keren T. Das Treffen sei mündlich oder per Telefon verabredet worden, auch mit Christina Block.
Blocks Teilnahme sei sehr kurz gewesen. Danach sei Keren T. mit ihr aus dem Raum gegangen, wo die Steakhouse-Erbin die Zeugin umarmt und auch ihr noch mal gedankt habe.
13.59 Uhr: Wieder ist die weiße Plastiktüte Thema
Es geht erneut um die weiße Plastiktüte mit persönlichen Gegenständen der Mutter und der Kinder Theo und Klara, die Christina Block den Entführern kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 bei einem Treffen im Hotel "Grand Elysée" übergeben haben soll.
Die Tüte soll anschließend im Wohnmobil gelagert worden sein, mit dem die jüngsten Block-Kinder nach Süddeutschland gebracht wurden.
"Erinnern Sie sich, ob Frau Block Ihnen gegenüber das Konzept der Entfremdung angesprochen hat?", fragt Bott weiter. "Ja, viele Male haben wir darüber geredet – seit meiner Ankunft in Hamburg", betont die Zeugin.
Bott hakt nach, ob in diesem Zusammenhang auch thematisiert worden sei, dass es laut dem Psychologen Dr. Stefan Rücker eben nicht angebracht sei, entfremdete Kinder mit Gegenständen des entfremdeten Elternteils zu konfrontieren. Die Zeugin widerspricht und erklärt, es sei gerade gut gewesen, weil die Kinder sich so erinnern könnten, wo sie herkommen.
13.45 Uhr: Eugen Block sollte die Kinder vor seiner Tochter sehen
Bott fragt Keren T., ob sie auch mit Dr. Andreas C. – und nicht nur mit Christina Block – darüber gesprochen habe, wie die Kinder in Dänemark Weihnachten und Silvester feiern würden.
Es kommt zu einer Diskussion und einer Beanstandung durch Marko Voß, den Verteidiger des Familienanwalts. Dieser hält fest, die Zeugin habe zuvor erklärt, darüber nie mit seinem Mandanten gesprochen zu haben.
Nach einem kurzen Wortwechsel mit Voß erklärt Bott: "Das Fragerecht liegt bei mir, ich mache jetzt einfach weiter." Die Richterin greift ein: "Herr Bott, so geht das nicht. Es gibt eine Beanstandung, und das müssen wir klären."
Die Zeugin berichtet anschließend von einem Gespräch zwischen David B. und Dr. C. über die Planungen der Feiertage.
"Ich erinnere mich, dass Eugen Block gebeten hatte, dass er der Erste sein sollte, der die Kinder sieht – noch vor Christina", so Keren T. Sie sei bei diesem Gespräch jedoch nicht anwesend gewesen.
13.38 Uhr: Geheimdienst und Manipulation
Es geht um einen Kontakt von David B. zu seinem mutmaßlichen Gruppenleiter beim israelischen Geheimdienst. Hat David B. der Zeugin gegenüber von seiner Zeit beim Geheimdienst erzählt, will Bott wissen.
Bott hält der Zeugin ein Buch des Kontakts vor, in dem unter anderem beschrieben wird, wie man Menschen führt und manipuliert. "Hat David B. darüber mal mit Ihnen gesprochen?", fragt Bott. Die Zeugin versteht die Frage zunächst nicht, räumt dann aber ein, dass sie wisse, dass solche Fähigkeiten vor allem für Doppelagenten wichtig seien.
13.29 Uhr: Es geht "lockerer" weiter
Nach der Mittagspause liegt das Fragerecht weiter bei Ingo Bott. Der Block-Verteidiger kündigte gegenüber der Zeugin an, "lockerer" als vor der Pause weitermachen zu wollen.
12.10 Uhr: Mittagspause
Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.25 Uhr.
12.06 Uhr: Familienanwalt soll Druck gemacht haben
Bott will von der Zeugin wissen, ob Dr. C. ihr gegenüber seine Motivation erklärt habe, warum er sich so für die Block-Kinder einsetze. "Ja, er sagte oft, dass er die Kinder zurückbringen MUSS", betont die Zeugin. Hinter dieser Dringlichkeit soll der Wunsch von Eugen Block gestanden haben, seine Enkelkinder wieder in Deutschland bei ihrer Mutter zu sehen.
Es habe Zeiten gegeben, in denen Dr. C. gemeinsam mit seinem Sohn ins Hotelzimmer von David B. gekommen sei und Druck gemacht habe, sie müssten nach Dänemark fahren und die Kinder holen.
11.56 Uhr: Zeugin spricht über enges Verhältnis zu Christina Block
Bott will nun wissen, wie es dazu kam, dass Keren T. und Christina Block eine so enge Beziehung aufgebaut hätten. Block hatte in ihrer Einlassung erzählt, die Zeugin habe zeitweise zu ihren engsten Vertrauten gehört.
Der mitangeklagte Anwalt Dr. Andreas C. soll Keren T. gebeten haben, die Steakhouse-Erbin bei ihren Fahrten nach Dänemark zu unterstützen. Er habe sie jedoch nicht beauftragt, ein enges persönliches Verhältnis aufzubauen.
Was der Familienanwalt der Blocks gesagt habe, sei für das Team der Israelis "Gesetz" gewesen. "Er ist der Anwalt, er ist das Gesetz", erklärt die Zeugin.
Weitere Angaben macht Keren T. zum Verhältnis zu Frau Block nicht.
11.52 Uhr: Eskalation nach dem Tod von Christa Block
Immer wieder geht es auch um einen möglichen Haftbefehl gegen Stephan Hensel, der laut dem Familienanwalt Dr. C. im Sommer 2023 "sicher" zeitnah ausgestellt werden sollte – aus der Sorge heraus, er könne mit den Kindern verschwinden. Besonders nach dem Tod von Christina Blocks Mutter, Christa Block, im Juli 2023, sei diese Sorge "eskaliert".
Dabei sei Stephan Hensel in der "vielen Zeit", in der Keren T. und ihre Mitstreiter das Haus von Hensel mit den Kindern in Dänemark beobachtet hätten, "niemals" umgezogen.
11.40 Uhr: Was bedeutet "Bring Kids Home" in Israel?
Ingo Bott geht in seinen zweiten Fragenblock über. Zunächst geht es um die Chatgruppe "BKH", die für "Bring Kids Home" stehen soll. Wie lange es diese Gruppe gegeben habe? "Ich erinnere mich nicht", so die Zeugin.
"Was bedeutet 'Bring Kids Home' im israelischen Kontext?", will der Block-Verteidiger weiter wissen. Die Zeugin erklärt: "Das ist bei uns sehr bedeutend – dass man seine Kinder nach Hause bringt. Wir hatten viele Situationen im Zusammenhang mit Geiseln, so etwas kommt bei uns häufig vor."
11.25 Uhr: Stephan Hensel soll das Ablaufdatum von Fleisch geändert haben
Jetzt geht es erneut um die vermeintliche Bedrohungslage durch Stephan Hensel (51). Der Familienanwalt Dr. Andreas C. und weitere Beteiligte sollen befürchtet haben, er könne das Hotel oder auch die Block-Gruppe insgesamt "angreifen".
Einer der IT-Mitarbeiter des Hotels habe dem Team berichtet, dass Hensel nach seiner Kündigung – dieser hat während seiner Ehe mit Christina Block bei der Block-Gruppe gearbeitet – "Chaos verbreitet" habe. Unter anderem habe dieser in einem Büro "etwas mit den Vorhängen gemacht und Schubladen zerbrochen", so die Zeugin.
Zudem habe David B. gehört, dass Stephan Hensel eine Änderung am Ablaufdatum des Fleischs der Block-Gruppe vorgenommen haben soll und somit auch "unschuldige Leute verletzten" hätte können.
Stephan Hensel selbst ist am heutigen Donnerstag – wie so oft in letzter Zeit – nicht persönlich anwesend.
11.10 Uhr: Zeugin erklärt: "Es ging darum, bei Christina zu sein!"
Nach der Pause geht es um ein in einer E-Mail-Anlage erwähntes Treffen am 30. November 2023. "Hat dieses Treffen denn stattgefunden?", will Bott wissen. "Ich erinnere mich nicht", so Keren T.
An weitere Treffen nach diesem Zeitpunkt im Zusammenhang mit den Block-Gesellschaften kann sie sich nicht erinnern.
Auf die Frage, ob sie in dieser Zeit mit David B. über "Cyber Cupula" gesprochen habe, sagt sie: "Ja, er hat mit mir darüber gesprochen, dass er in Deutschland bleiben und sein Geschäft in Deutschland und Europa erweitern will. Ich war nicht glücklich darüber, in Deutschland zu bleiben, deswegen hat er mit mir darüber gesprochen."
Ob es zu diesem Zeitpunkt bereits weitere Aufträge für "Cyber Cupula" gegeben habe, wisse die Zeugin nicht. "Da müssen Sie David fragen." Ihr sei es vor allem darum gegangen, "bei Christina zu sein".
"Was heißt das?“, hakt Bott nach. Die Zeugin erklärt: "Ich wiederhole, es ging darum, Informationen über die Kinder zu sammeln. Das mit dem Penetrationstest kam später auf."
"Trotzdem haben Sie diese Mails auch bekommen. Haben Sie sie gelesen?", so Bott. "Wahrscheinlich", so die Zeugin. Es sei aber unmöglich, sich nach drei Jahren an alle Daten dazu zu erinnern, betont Keren T. erneut.
10.40 Uhr: Zeugin betont: "Es war gar kein Fort Knox"
Es geht weiter um den Penetrationstest und eine E-Mail der Zeugin an den angeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. "Warum haben Sie Frau Block nicht mit einbezogen?", will Bott wissen. "Weil Herr Dr. C. ein Vertreter des Hotels war", so die Zeugin.
Anschließend geht es um den Begriff "Fort Knox" in einer weiteren E-Mail, in der mögliche Sicherheitslücken vorgestellt worden seien. Dabei habe es sich um einen Raum hinter der Rezeption des Hotels "Grand Elysée" gehandelt, der intern so genannt worden sei. "Die Tür war aber immer offen, jeder konnte rein, es war also gar kein Fort Knox", erklärt die Zeugin.
Es folgt eine zehnminütige Pause.
10.31 Uhr: Keren T. hält fest: "Ich werde mich an keine genauen Daten erinnern!"
Etwas zäh arbeitet sich Bott mit Keren T. durch mehrere Daten und Zeitpunkte. Dabei hält die Zeugin fest: "Ich werde mich an keine genauen Daten erinnern!"
10.24 Uhr: Was es bringen könne, der Familie Block zu helfen?
Was es bringen könne, der Familie Block zu helfen, will Bott weiter wissen. Laut der Zeugin hoffte man auf nützliche Kontakte, um für "Cyber Cupula" ein Standbein in Deutschland aufzubauen. Zum ersten Mal seien diese möglichen Vorteile bei einem Treffen in Israel thematisiert worden.
Welche Rolle die Eugen Block Holding dabei spielen sollte? Nach dem Verständnis der Zeugin sei der Penetrationstest im Hotel für die Gesellschaft von Christina Blocks Vater, Eugen Block (85), durchgeführt worden. Dazu habe es mehrere Meetings gegeben. Der Test selbst soll im Sommer 2023 ausgeführt worden sein.
Laut Christina Block soll die Firma von David B. wegen dieses Tests engagiert worden sein. Dem widersprechen jedoch sowohl David B. als auch Keren T.: Es sei von Auftrag an um die Kinder gegangen.
10.10 Uhr: Verteidiger Bott: "Wollen Sie diesen Widerspruch noch behellen?"
Bott fragt weiter nach dem Gehalt von Keren T. "Ich habe ungefähr 2000 Euro erhalten", so die Zeugin. Daraufhin konfrontiert der Block-Verteidiger sie mit der Aussage von David B., wonach sie zunächst nicht bezahlt worden sei, da sie sich noch "im Training" befunden habe.
Dabei habe es sich laut der Zeugin um eine Einführung in IT-Themen gehandelt. "Wir lernen auch heute noch", so Keren T. Bezahlt worden sei sie aber dennoch. Irgendwann habe David B. entschieden, dass sie es nun "verdiene", bezahlt zu werden.
Bott beharrt auf dem Widerspruch und verweist darauf, dass sie laut David B. vor 2024 nicht bezahlt worden sei. „Wollen Sie diesen Widerspruch noch behellen?" Anwalt der Zeugin: "Nein, wollen wir nicht!"
9.54 Uhr: Keren T. war General Managerin
Jetzt liegt das Fragerecht bei Block-Verteidiger Ingo Bott (43). Er befragt die Zeugin zu ihrer genauen Funktion bei der IT-Sicherheitsfirma "Cyber Cupula" von David B. Sie sei General Managerin und unter anderem auch für das Personalwesen zuständig gewesen.
Ob ihre Tätigkeit etwas mit ihrer Ausbildung als Grafikdesignerin zu tun gehabt habe? "Nein", antwortet die Zeugin. Die Frage, ob sie damit Quereinsteigerin gewesen sei, versteht sie offenbar nicht. Bott geht darüber hinweg und fragt stattdessen nach David B.s Aufgabe in der Firma. Die Antwort der Zeugin fällt knapp aus: "Er war der CEO."
Christina Block hatte in ihrer Einlassung angegeben, dass "Cyber Cupula" ursprünglich für die IT-Sicherheit des Hotels "Grand Elysée" engagiert worden sei. Das Team sei dann eigenmächtig auf die Idee gekommen, ihr in der Sorgerechtssache um ihre Kinder zu helfen.
9.52 Uhr: Anwältin der Kinder: "Das ist für mich schwer nachzuvollziehen"
Über die letztlich doch nicht wie erwartete Reaktion der Kinder und deren ablehnende Haltung gegenüber dem Team und anfangs auch ihrer Mutter habe man auch mit Chef-Entführer David B. (68) nicht gesprochen. "Das ist für mich schwer nachzuvollziehen, wenn sie doch mit einer anderen Reaktion gerechnet haben", so Dr. Tanja Jeney.
Keren T. bleibt dabei, dass darüber nicht gesprochen worden sei.
9.45 Uhr: Zeugin spricht von Gespräch mit Greta
Die Anwältin der Kinder fragt T., was sie erwartet habe, wie die Kinder in der Silvesternacht auf sie und das Team reagieren würden.
"Wir dachten, dass sie vielleicht ein bisschen ängstlich sein würden und nicht verstehen, wer wir sind. Deshalb wollten wir ihnen erklären, dass wir keine schlechten Menschen sind und sie zurück zu ihrer Mutter bringen." Dafür sei wichtig gewesen, ein deutschsprachiges Teammitglied dabeizuhaben.
Mit dieser Erklärung habe die Zeugin erwartet, "dass es für sie [die Kinder, Anm. d. Red.] in Ordnung sein würde".
Greta, die zweitälteste Tochter von Christina Block und die einzige, die noch bei ihr in Hamburg lebt, habe der Zeugin erzählt, dass sie "gezwungen" worden sei – mutmaßlich vom Vater Stephan Hensel –, schlecht über ihre Mutter und Deutschland zu reden. "Ich dachte, das [die Anti-Haltung der Kinder gegenüber den Entführern, Anm. d. Red.] geht schnell vorüber. Und so war es dann ja auch, als sie wieder mit ihrer Mutter zusammen waren", so die Zeugin.
9.38 Uhr: Prozess startet
Mit ein paar Minuten Verspätung beginnt der 52. Verhandlungstag mit der weiteren Zeugenbefragung von Keren T. Das Fragerecht liegt jetzt bei der Nebenklagevertreterin von Klara und Theo, Rechtsanwältin Dr. Tanja Jeney.
9.19 Uhr: Interesse wieder abgeflaut
Nachdem die Zeugenaussage von Keren T. am Mittwoch letzter Woche noch einmal für mehr Presse- und Zuschauerandrang gesorgt hatte, ist das Interesse in dieser Woche wieder deutlich abgeflaut.
Kurz vor Prozessbeginn um 9.30 Uhr sind nur wenige der Bänke im Zuschauerraum gefüllt.
9 Uhr: So geht es am Donnerstag weiter
Am 52. Verhandlungstag wird die Zeugenaussage von Keren T. fortgesetzt. Am dritten Tag ihrer Aussage erhalten die Verteidiger Gelegenheit, ihre Fragen an die mutmaßliche rechte Hand von Chef-Entführer David B. (68) zu stellen.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 51. Verhandlungstag
Am 51. Verhandlungstag hat erneut die Zeugin Keren T. alias "Olga" ausgesagt.
Vor Gericht erklärte die 51-Jährige, Christina Block habe innerhalb der Gruppe den Spitznamen "Lady C" oder auch "Ladybug" getragen. Außerdem sagte sie aus, vier Beteiligte hätten für die Aktion an Silvester 2023/24 jeweils 10.000 Euro erhalten. Bei einer Auszahlung sei sie selbst anwesend gewesen.
Keren T. berichtete zudem, sie habe das Haus der Kinder in Dänemark observiert und entsprechende Berichte an den mutmaßlichen Hauptorganisator David B. weitergeleitet. Die eigentliche Mitnahme der Kinder habe sie jedoch nicht direkt gesehen. Wegen des Feuerwerks, der Dunkelheit und ihrer Aufgabe, auf das Team zu achten, habe sie weder den Zugriff noch das Geschehen um den Vater Stephan Hensel beobachten können.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sich David B. vor der Tat zweimal mit Eugen Block, dem Vater von Christina Block, getroffen haben. Dabei sei gefordert worden, die Kinder nach Deutschland zurückzubringen. Keren T. bestätigte diese Treffen, sei aber selbst nicht dabei gewesen. Laut Aussage der Zeugin habe zudem Druck auf die mutmaßlichen Entführer bestanden.
Zum ersten Wiedersehen zwischen Christina Block und ihren Kindern auf einem Bauernhof in Süddeutschland schilderte Keren T. eine zunächst angespannte Situation. Die Kinder hätten in den ersten Momenten "geredet und geschrien", ehe sie kurze Zeit später gemeinsam als Familie auf dem Bett gesessen hätten. Die Atmosphäre sei danach "gut" gewesen, sagte die Zeugin abschließend.
Titelfoto: Georg Wendt/dpa
