Block-Prozess: Mutmaßlicher Entführer nahm sich Urlaub für Rückholaktion

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Hamburg - Am 46. Prozesstag im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) soll ein weiterer mutmaßlicher Entführer als Zeuge befragt werden. Der Israeli B. soll unter anderem eines der Fluchtautos gefahren haben. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveticker.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

11.40 Uhr: Mutmaßlicher Entführer nahm sich für die Rückholaktion der Kinder Urlaub

"Wer waren denn die 'zwei Saudis'? Waren die schon in Israel dabei?", will die Richterin weiter wissen. B. verneint und erklärt, er habe diese erst in Deutschland kennengelernt.

Es habe sich um zwei "Computermenschen" gehandelt, die für David B. gearbeitet haben sollen. "Was hatte Herr B. denn für eine Firma?", fragt die Vorsitzende. Zeuge: "Soweit ich weiß, etwas im Bereich Informationstechnik, also Sicherung von Informationen."

Wie lange sollte der Aufenthalt in Deutschland dauern?, will die Richterin weiter wissen. "Fünf Tage", so der Zeuge. Für die Aktion habe er sich eine Woche Urlaub genommen – "Weihnachtsurlaub".

11.33 Uhr: Was meint der Zeuge mit "Hintertür"?

Die Richterin hakt erneut nach, warum die Israelis bei ihrer Ankunft im Grand Elysée Hotel durch die Hintertür gegangen seien. Dabei habe es sich lediglich um einen weiteren Hoteleingang gehandelt, nicht um den Haupteingang, stellt B. klar.

"Also haben Sie gar nicht eingecheckt?" "Nein, das hat Keren für uns gemacht, glaube ich." Keren T. und David B. sollen sich bereits zuvor im Hotel der Block-Familie aufgehalten haben.

11.30 Uhr: Wer war Mitglied der Signal-Gruppe?

Auf Nachfrage der Richterin gab B. an, damals zusammen mit vier weiteren Israelis von dem von David B. und Keren T. zusammengestellten Team nach Frankfurt geflogen zu sein.

"Wie haben Sie denn alle kommuniziert?“" wollte die Richterin weiter wissen. "Keren hat uns allen gesagt, wir sollen uns 'Signal' herunterladen, und dort hat sie eine Gruppe erstellt."

"Wer war alles in dieser Gruppe?", fragt die Vorsitzende. Zeuge: "Alle".

11.20 Uhr: Es geht weiter

Nach der Pause versucht B., die Frage erneut zu beantworten: "Wie ich schon vorher sagte, meinet David B. wir können dorthin gehen und das Ganze vollbringen, das sei alles in Ordnung. Und ganz ehrlich? Wir haben ihm einfach geglaubt."

Und weiter: "Heute, im Nachhinein, verstehe ich, dass das Ganze völlig daneben war. Damals war ich jedoch fest davon überzeugt, dass es das Richtige ist."

Die Richterin geht anschließend noch einmal auf das Dokument ein. Der Zeuge hatte ursprünglich angegeben, dass dieses erst in Deutschland vorgezeigt worden sei. Dies bestätigte er erneut.

11.03 Uhr: Anwältin des Zeugen will Pause

Die Richterin fragt weiter: "Wenn in Dänemark etwas rechtlich verhindert ist – wie kann dann alles legal sein? Das verstehe ich nicht ganz." Der Zeuge verweist erneut auf das vorgelegte Dokument, könne dies rechtlich jedoch nicht weiter einordnen.

Die Anwältin des Zeugen beantragt daraufhin eine Pause, um sich mit ihrem Mandanten zu besprechen.

11 Uhr: Richterin konfrontiert mutmaßlichen Entführer

Die Richterin fragt: "Warum treffen Sie sich mit jemandem, wenn es heißt, das Thema sei Kinder zu retten, obwohl Sie Bauingenieur sind?"

Der Zeuge erklärt, er sei zum ersten Treffen mit Keren T. vor allem wegen eines Freundes gegangen. Ihm sei vermittelt worden, es gehe darum, den Kindern zu helfen. Neugier und der Gedanke, möglicherweise unterstützen zu können, hätten ebenfalls eine Rolle gespielt.

Auf die Frage, welche Qualifikation er für eine solche Aktion habe, antwortet er: "Ich habe keine besonderen Fähigkeiten."

Überzeugend sei für ihn letztlich "der Status" von David B. gewesen, der "als hochrangiger Mossad-Agent" vorgestellt worden sei. Er habe "viel Gutes für den Staat getan", und man habe ihm geglaubt. Mehrfach sei zudem betont worden, dass das Vorgehen nicht kriminell sei.

Die Richterin hakt nach: "Haben Sie das nicht hinterfragt?" Der Zeuge erklärt, er habe gefragt, warum die deutsche Polizei die Kinder nicht einfach holen könne. Daraufhin habe David B. erneut auf die Rechtslage in Dänemark verwiesen, die dem Vorgehen entgegenstehe. Auch sei ein entsprechendes Dokument (Gerichtsurteil) gezeigt worden.

Die Vorsitzende Richterin befragt am Montag den Zeugen B.
Die Vorsitzende Richterin befragt am Montag den Zeugen B.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

10.45 Uhr: Zeuge will helfen, "Ich bin kein Krimineller und kein Verbrecher"

Zwei Tage später sei er wieder nach Israel geflogen; das Ticket dafür hätten Keren T. und David B. organisiert. Später habe es noch einmal ein Treffen mit David B. in Israel gegeben, bei dem ihnen mitgeteilt worden sei, dass die Kinder wieder bei ihrem Vater seien.

"Wir waren enttäuscht, weil wir der Mutter eigentlich helfen wollten, damit sie ihre Kinder zurückbekommt", so der Zeuge.

Im Anschluss habe zunächst kein Kontakt mehr zum Team bestanden – bis September 2024. Damals habe sich Keren T. telefonisch bei ihm gemeldet und ihn aufgefordert, keinen Urlaub zu buchen, da Tal S. in Zypern festgenommen worden sei.

Der Zeuge betont, er wolle nun den Behörden bei der vollständigen Aufklärung helfen. Er sei starkbewegt: "Ich bin kein Krimineller und kein Verbrecher."

10.43 Uhr: Der Plan lief "falsch"

Am Tag der Entführung sei B. einer der Fahrer gewesen. Die Kinder selbst seien nicht in seinem Fahrzeug transportiert worden. Als das andere Fluchtauto plötzlich vom geplanten Weg abwich und die Kinder vor einem "dunklen Waldstück" absetzte, habe er erstmals das Gefühl gehabt, dass etwas "falsch laufe". Der ursprüngliche Plan sei gewesen, direkt mit den Kindern über die Grenze zu fahren.

David B. habe ihn und einen weiteren Beteiligten daraufhin angewiesen, ins Hotel zurückzukehren und dort auf weitere Anweisungen zu warten. Im Hotel habe er später "von zwei Saudis" die Anweisung erhalten, das Mietautos wieder abzugeben und mit dem Zug nach Stuttgart zu fahren.

Dort seien sie am 1. Januar 2024 vom Bahnhof abgeholt und zu dem bereits viel genannten Alpaka-Hof gebracht worden. David B. und Keren T. hätten ihnen mitgeteilt, dass "alles gelungen" sei. Später sei auch Christina Block erschienen und habe sich nochmal bei ihnen bedankt.

10.30 Uhr: Zeuge spricht von einer "goldenen Nachricht"

Kurz darauf sei sei dann eine "goldene Nachricht" eingetroffen: Dass die Kinder am Hafen von Gråsten mit ihrem Vater das Feuerwerk ansehen würden. Daraufhin sei das Team am 31. Dezember 2023 mit drei Autos nach Dänemark gefahren.

10.20 Uhr: Christina Block wollte ihre Kinder "zurückhaben"

Am zweiten Tag in Deutschland habe es ein weiteres Treffen gegeben, diesmal sei auch Christina Block anwesend gewesen. Bevor diese den Konferenzraum betreten habe, seien er und die übrigen Beteiligten aufgefordert worden, ihre Gesichter zu maskieren. Von wem diese Anweisung ausgegangen sei, könne B. nicht sagen.

Block habe sich sehr emotional gezeigt und "ein paar Dinge" mitgebracht, darunter "eine Art Schal sowie zwei Spielzeuge für Kinder". Die Unternehmerin habe das Team darüber informiert, dass "sie die Kinder zurückhaben will, ihre Eltern wollten die Kinder sehen", erinnert sich B.

Block habe dabei betont: "Alles soll sicher sein", und wiederholt, dass die Aktion ohne Gewalt ablaufen solle.

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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