Coronavirus im Norden: Angst vor Ansteckung - zugleich mehr Sorglosigkeit

Hamburg/Kiel/Schwerin/Hannover – Das Coronavirus hat das Land weiter fest im Griff - im Norden steigen die Infektionszahlen seit ein paar Tagen wieder deutlich an.

Mitarbeiter der Hamburger Hochbahn-Wache kontrollieren die Maskenpflicht im HVV.
Mitarbeiter der Hamburger Hochbahn-Wache kontrollieren die Maskenpflicht im HVV.  © Bodo Marks/dpa

In Hamburg sind mittlerweile 7749 Menschen an dem neuartigen Covid-19-Virus erkrankt, in Schleswig-Holstein sind 4686 Fälle bekannt, in Bremen 2223, in Mecklenburg-Vorpommern 1145 und in Niedersachsen 19.838. (Stand 28. September, 7.48 Uhr) 

Am 23. März wurde zunächst ein erweitertes Kontaktverbot in Deutschland angeordnet, die Menschen mussten mit massiven Einschränkungen ihres Lebens umgehen.  

Inzwischen einigten sich Bund und Länder auf schrittweise Lockerungen der Schutzmaßnahmen. 

Es gilt jedoch weiterhin eine bundesweite Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Verstöße gegen das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung werden mit einem Bußgeld geahndet.

Alle weiteren Informationen dazu findet Ihr in unserem  +++ Coronavirus-Liveticker +++.

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 im Norden gibt es hier:

Update, 28. September, 14.30 Uhr: Wirtschaftsauskunfteien: Corona-Pleitewelle im kommenden Jahr

Hamburg - Die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel erwartet wegen der Corona-Krise für das zweite Halbjahr in Hamburg rund 430 Firmenpleiten - gut ein Drittel mehr als im ersten Halbjahr. Im kommenden Jahr werde die Zahl auf etwa 1000 Fälle zulegen. "Die Insolvenzwelle wird noch weit ins Jahr 2021 hineinreichen", sagte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein dem Hamburger Abendblatt (Montag). 

Derzeit hätten mehr als 300.000 Unternehmen in Deutschland Probleme. "Die Hilfszahlungen verschleiern aber die wahre finanzielle Struktur einiger Unternehmen." Die größten Risiken gebe es in der Gastronomie, im Tourismus, im Entertainmentbereich und bei den Messebauern.

"Eine Insolvenzwelle wird kommen, weil das wirtschaftliche Umfeld viel rauer geworden ist", sagte zudem Nikolaus von der Decken, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, dem Blatt. Allerdings rechne er mit einer "echten Welle" erst im nächsten Jahr. 

Im Vergleich zu 2019 werde es einen Anstieg "im unteren zweistelligen Prozentbereich" geben. Ähnlich äußerte sich der Chef des Kreditversicherers Euler Hermes Deutschland mit Sitz in Hamburg, Ron van het Hof: "Im vierten Quartal schlägt für viele die Stunde der Wahrheit." Doch den größten Anstieg werde man in Deutschland "erst zeitversetzt von 2021 an sehen".

Update, 28. September, 13.57 Uhr: Rendsburg-Eckernförde verschärft Corona-Regeln für private Feiern

Rendsburg - Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat angesichts steigender Corona-Zahlen im Land seine Regeln für private Feiern verschärft. 

So müssen von nun an Veranstaltungen mit 25 oder mehr Menschen spätestens drei Tage vor Beginn angemeldet werden, wie der Kreis am Montag mitteilte. 

Die Anzeigepflicht gelte für Veranstaltungen im öffentlichen Raum, bei denen keine festen Sitzplätze vorhanden sind oder diese nicht nur kurzzeitig verlassen werden sowie für Veranstaltungen im privaten Wohnraum und auf dem dazugehörigen Grundstück.

Ein Hygienekonzept ist vorzulegen. Bis spätestens drei Tage nach der Veranstaltung muss eine aktualisierte Liste mit den Menschen, die tatsächlich an der Veranstaltung teilnahmen, an den Kreis übergeben werden. 

Zuwiderhandlungen gegen die Anordnungen können ein Bußgeld bis zu 25 000 Euro nach sich ziehen.

Der Kreis begründete die Verschärfung damit, dass bundesweit ein Anstieg der Infektionszahlen häufig auf private Feierlichkeiten im geselligen Bereich zurückzuführen ist. 

Gerade größere Feste führten zu einer erheblich höheren Zahl an Infizierten, hieß es. Die Maßnahme sei zum Schutz der Allgemeinheit vor einer unkontrollierbaren Weiterverbreitung des Virus in der Bevölkerung notwendig. 

Die Allgemeinverfügung gilt ab dem 28. September bis einschließlich 11. Oktober 2020. Eine Verlängerung ist möglich.

Update, 28. September, 13.11 Uhr: Wegen Corona: Kein Rosenmontags-Umzug in Marne

Marne – In Schleswig-Holsteins Karnevals-Hochburg Marne werden Narren und Jecken im Corona-Jahr auf ihre traditionellen Feste "achtern Diek" verzichten. 

"Aufgrund der aktuellen Corona-bedingten Situation wird auch in Marne der Karneval in der Session 2020/2021 nicht so stattfinden wie wir es gewohnt sind", sagte der Präsident der Marner Karnevals-Gesellschaft (MKG), Heiko Claußen, am Montag. 

Unter anderem würden der Proklamationsball und die Prunksitzungen abgesagt. Das "Flensburger Tageblatt" hatte darüber berichtet.

Auch der Rosenmontagsumzug im kommenden Jahr sei gestrichen. An Stelle eines bunten und lauten Straßenkarnevals gebe es ein Karnevals-Video im Internet. 

Es zeigt alle Gruppen und Akteure bei ihren Auftritten auf der Bühne – aufgenommen ohne Publikum und mit Abstand der Akteure untereinander laut den geltenden Hygienemaßnahmen.

Mit ihrem Entschluss folgen die norddeutschen Karnevalisten der Vorgabe des Bundes deutscher Karnevalisten, sagte Claußen: "Unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Gäste sind am wichtigsten".

Update, 28. September, 12.12 Uhr: 60 neue Corona-Infektionen in Hamburg

Hamburg - Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen ist in Hamburg am Montag um 60 gestiegen. Damit haben sich seit Beginn der Pandemie 7749 Menschen mit dem Virus infiziert, wie die Gesundheitsbehörde im Internet mitteilte. 

Am Sonnabend waren 88, am Sonntag 52 Fälle hinzugekommen. Etwa 6500 Infizierte können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen als genesen angesehen werden.

Mit 28,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt Hamburg weiter unter dem Grenzwert von 50 der sogenannten 7-Tages-Inzidenz. 

Wenn er überschritten wird, kann das neue Beschränkungen nach sich ziehen.

In Hamburger Krankenhäusern wurden am vergangenen Freitag 32 Covid-19-Patienten behandelt. Die Zahl der Patienten auf Intensivstationen lag bei 12. Aktuellere Angaben lagen am Montag noch nicht vor.

Auch die Zahl der Toten blieb unverändert: Nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 239 Menschen an Covid-19; das RKI nannte für Hamburg 269 Tote.

Update, 28. September, 11.53 Uhr: Angst vor Ansteckung - zugleich mehr Sorglosigkeit

Hamburg - Obwohl immer mehr Menschen sich angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen um die eigene Gesundheit sorgen, nimmt auch der sorglose Umgang mit Präventionsmaßnahmen zu. 

So sagen laut einer Befragung des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg nur noch 45 Prozent der Menschen in Deutschland, dass sie Abstandsregeln beachten. 

Noch weniger, nämlich nur 39 Prozent, halten sich demnach an die empfohlene Handhygiene. Auch Umarmungen, Küsse und Händeschütteln zur Begrüßung seien wieder auf dem Vormarsch, teilte die Uni Hamburg am Montag mit. 

Nur noch 58 Prozent hätten angegeben, dies zu vermeiden. Im April seien es noch 77 Prozent gewesen.

Seit April untersucht das HCHE die Einstellungen, Sorgen und das Vertrauen der Menschen in Bezug auf die Corona-Pandemie. In der aktuell dritten Welle wurden zwischen dem 8. und dem 19. September mehr als 7000 Menschen in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal und Großbritannien online befragt.

"Wir stellen fest, dass die steigenden Infektionszahlen die Bevölkerung zwar ängstigen, aber gleichzeitig auch, dass eine gewisse Müdigkeit bei der Einhaltung der Regeln zu erkennen ist", erklärte Professor Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE. 

Fast jeder Vierte in Deutschland glaube, ein hohes Ansteckungsrisiko zu haben. Dies sei ein Anstieg um drei Prozentpunkte zum Juni.

Auch die Zahl der Impfgegner steigt: Seien im April noch 70 Prozent der Befragten in Deutschland bereit gewesen, sich gegen Sars-CoV-2 impfen zu lassen, seien es aktuell nur noch etwas mehr als die Hälfte. 

Insbesondere würden diejenigen, die explizit gegen eine Impfung seien, mehr, während die Zahl Unschlüssiger unverändert bleibe. 

"Wir konnten feststellen, dass zu den Impfgegnern vor allem Personen gehören, die für sich kein gesundheitliches Risiko durch Corona sehen oder die kein Vertrauen in die Informationspolitik ihrer Regierung oder Organisationen wie der WHO haben", so Schreyögg.

Update, 28. September, 7.48 Uhr: 15 neue Corona-Fälle in Schleswig-Holstein

Kiel - Bei Tests auf das Coronavirus sind in Schleswig-Holstein 15 Neuinfektionen bestätigt worden. Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie im Norden erhöhte sich damit Stand Sonntagabend auf 4686, wie aus den von der Landesregierung im Internet veröffentlichten Zahlen hervorgeht. 

Am Samstag waren ebenfalls 15 Neuinfektionen gezählt worden, am Freitag waren es 53. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Virus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein gestorben sind, blieb bei 161.

In Krankenhäusern wurden am Sonntag wie schon an den beiden Tagen zuvor 13 Corona-Patienten behandelt. 

Von allen seit Beginn der Pandemie in Schleswig-Holstein nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierten gelten nach Schätzung des Robert Koch-Instituts rund 4100 als genesen.

Update, 28. September, 7.13 Uhr: 260 Stellen in Hamburg allein für Corona-Kontaktnachverfolgung

Hamburg - Im Kampf gegen das Coronavirus haben Hamburgs Gesundheitsämter personell stark aufgerüstet. 

Allein für die Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten stehen aktuell 260 Vollzeitstellen zur Verfügung, die tatsächliche Zahl der Mitarbeiter sei höher, sagte ein Sprecher der Sozialbehörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. 

"Etwa die Hälfte von ihnen sind kurzfristig angeworbene oder zu diesem Zweck zeitweise versetzte Kräfte". Zusätzliche 50 Kräfte erledigten Aufgaben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, die neben der Kontaktnachverfolgung anfielen. 

Hinzu kommen weitere Kräfte vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen und der Bundeswehr.

Update, 27. September, 17.16 Uhr: Schule in Lohne schließt wegen Corona-Fällen für zwei Tage

Lohne - Wegen positiver Corona-Testergebnisse schließt die Stegemannschule in Lohne (Kreis Vechta) am Montag und Dienstag. Dies habe die Schulleitung in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt entschieden, teilte ein Sprecher des Landkreises Vechta mit. 

Am Sonntag wurde das positive Testergebnis einer Lehrerin gemeldet. Bereits am Freitag war das Virus bei einem Jungen und einem Mädchen aus der Schule nachgewiesen worden. Die neu Infizierte sei keine enge Kontaktperson der beiden Schüler gewesen. 

Deswegen sei es wichtig, sich einen Überblick über die Kontakte zu verschaffen und zu prüfen, ob die Fälle unabhängig voneinander aufgetreten seien oder es einen Zusammenhang gebe, teilte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Sandra Guhe, mit.

Update, 27. September, 16.54 Uhr: 52 neue Corona-Infektionen in Hamburg

Hamburg - In Hamburg ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen um 52 gestiegen. Damit haben sich seit dem Beginn der Pandemie 7689 Menschen mit dem Virus infiziert, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde am Sonntagnachmittag sagte. 

Am Vortag waren 88 neue Fälle gemeldet worden. Etwa 6400 Infizierte können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen als genesen angesehen werden.

Mit insgesamt 525 Fällen in den vergangenen sieben Tagen liegt Hamburg weiter unter dem Grenzwert von 50 Infektionen auf 100.000 Einwohner bei der sogenannten 7-Tages-Inzidenz. Am Vortag wurden 488 gezählt. 

Für Hamburg beträgt die Grenze der Neuinfektionen 900 Fälle in sieben Tagen. Der Wert steigt seit Tagen allerdings an. Wenn er überschritten wird, kann das neue Beschränkungen nach sich ziehen.

In Hamburger Krankenhäusern wurden - Stand Freitag 14 Uhr - 32 Covid-19-Patienten behandelt, zwei mehr als zuvor. Die Zahl der Intensivpatienten erhöhte sich um zwei auf zwölf. Diese Zahlen werden am Wochenende nicht aktualisiert. 

Die Zahl der Toten ist unverändert: Nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 239 Menschen an Covid-19; das RKI nannte für Hamburg 269 Tote.

Update, 27. September, 16.10 Uhr: Mittlerweile knapp 20.000 Corona-Infektionen in Niedersachsen

Hannover - Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist in Niedersachsen am Wochenende um 268 Fälle gestiegen. Insgesamt seien 19.838 Covid-19-Infektionen gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntag (Stand 9 Uhr) in Hannover mit. Samstag waren es 186, Sonntag 82 neue Fälle. 

Niedersachsen stehe derzeit um einiges besser da als der Bundesdurchschnitt, sagte Ministerpräsident Stephan Weil am Samstag bei Hallo Niedersachsen im NDR. Dennoch müssten alle weiterhin sehr vorsichtig sein. "Am besten wir bleiben alle in den Herbstferien bei uns zu Hause in Niedersachsen", sagte der SPD-Politiker.

Am höchsten liegen die Fallzahlen im Landesvergleich weiter im Landkreis Cloppenburg. Allerdings sinken sie, am Sonntag waren es 34,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - am Freitagmorgen hatte der Wert noch bei 47,5 gelegen. Im Landkreis Cloppenburg bleiben sämtliche Sportanlagen für den Vereins- und Freizeitsport gesperrt, Schulen sollen aber nicht komplett geschlossen werden. Die Einschränkungen gelten nach Behördenangaben zunächst bis zum 11. Oktober.

Der Landkreis Friesland hat mit 29,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner die landesweit zweithöchste Fallzahl. Zwölf neue Fälle gehen auf eine private Feier von Jugendlichen zurück, wie der Landkreis am Freitagabend mitteilte. Vorsorglich wurden Einschränkungen für private Treffen, Gastbetriebe und den Vereinssport verfügt. Die Schulen im Landkreis Friesland sollen spätestens ab Donnerstag bis zu den Herbstferien in ein Schichtmodell wechseln. Das bedeutet, dass nur kleine Gruppen zur Schule kommen dürfen werden und es wieder mehr Unterricht zu Hause gibt. Der letzte Schultag vor den Herbstferien ist der 9. Oktober.

Im Bundesland Bremen ist die Zahl der Corona-Infektionen zuletzt ebenfalls deutlich gestiegen. Laut Gesundheitssenat wurden am Samstag in der Stadtgemeinde 44 neue Infektionen erfasst. Bereits am Freitag waren 40 Neuinfektionen registriert worden.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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