Fazit nach Corona-Kita-Studie: Schließungen waren unnötig!

Berlin - Die Kita-Schließungen in den ersten Corona-Wellen sind nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) unnötig gewesen.

Kitas hätten während der Corona-Pandemie nicht geschlossen werden müssen. Zu diesem Schluss kommt eine neu veröffentlichte Studie.
Kitas hätten während der Corona-Pandemie nicht geschlossen werden müssen. Zu diesem Schluss kommt eine neu veröffentlichte Studie.  © sylv1rob1/123RF

"Das Schließen von Kitas ist definitiv medizinisch nicht angemessen und wäre auch in dem Umfang, wie wir es damals gemacht haben, nach heutigem Wissen nicht nötig gewesen", sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Berlin. "Es wird keine Schließungen dieser Art mehr geben."

Lauterbach äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung des Abschlussberichts der "Corona-Kita-Studie" gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus (54, Grüne).

Die von beiden Ministerien finanzierte und vom Deutschen Jugendinstitut und Robert Koch-Institut durchgeführte Studie lief von Sommer 2020 bis Juni dieses Jahres. Untersucht wurden die Auswirkungen von Infektionen und Corona-Maßnahmen auf Kindertagesbetreuung, Kinder und Familien aus verschiedenen Blickwinkeln.

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Rückblickend sagte Lauterbach, der zur Zeit der Schließungen noch nicht Gesundheitsminister war, aber als SPD-Gesundheitsexperte in der gemeinsamen Regierung mit der Union an wichtigen Entscheidungen beteiligt, er halte nichts von Schuldzuweisungen.

Bundesregierung und Länder hätten das damals gemeinsam beschlossen. Jetzt sei man mit neuen Erkenntnissen zu dem Schluss gekommen, es wäre nicht nötig gewesen. Das müsse man nutzen, um nach vorne zu denken.

Kindeswohl in Zukunft an oberster Stelle

Am Mittwoch stellte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) die neuen Studienergebnisse vor.
Am Mittwoch stellte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) die neuen Studienergebnisse vor.  © Carsten Koall/dpa

Paus sagte, Kinder hätten in der Pandemie oft weniger am Virus selbst als an den Folgen der Eindämmungsmaßnahmen gelitten.

"In Zukunft muss das Kindeswohl unbedingt an oberster Stelle stehen." Kinder, die am meisten von frühkindlicher Bildung und Förderung profitieren könnten, trügen der Studie zufolge besonders schwer an den Folgen der Eindämmungsmaßnahmen.

"Kitas mit hohem Anteil von Kindern aus sozial benachteiligten Familien haben jetzt einen fast doppelt so hohen Förderbedarf bei Sprache, bei Motorik und bei der sozialen und emotionalen Entwicklung wie vor der Pandemie."

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In der Untersuchung wurden regelmäßig Daten der Einrichtungen zum Infektionsgeschehen und zu Schließungen erhoben. Ermittelt wurde, wie oft Kinder im Kita-Alter an Corona erkranken, wie empfänglich sie für das Virus sind und wie schwer die Krankheitsverläufe sind.

Daneben wurden Kita-Leitungen, Fachkräfte und Eltern zu Erfahrungen mit Corona-Schutzmaßnahmen, zur Betreuungssituation und zu möglichen psychosozialen Belastungen befragt.

In einer telefonischen Nachbefragung ging es auch darum, ob und wie sehr infizierte Kinder länger mit Beschwerden zu tun haben oder hatten - Stichwort Long Covid.

Titelfoto: sylv1rob1/123RF

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