Hamburg - Während und vor allem nach der Demonstration der Initiative "Gen Z regelt", die am Samstag durch Hamburg zog, kam es zu Ausschreitungen. Tausende Menschen waren auf den Straßen unterwegs, um unter dem Motto "Gegen Wehrpflicht – Gen Z regelt!" zu protestieren. Die Polizei war auch noch am Abend mit einem Großaufgebot im Einsatz.
Kurz nach 15 Uhr wurde es erstmals ein wenig hektisch: In der Mönckebergstraße wurden Böller geworfen, auch Pyrotechnik kam zum Einsatz. Mehrfach zuckten die Menschen vor Ort aufgrund eines lauten Knalls zusammen.
"Die Polizei hat gerade gesagt, dass ich euch sagen soll, dass Pyro verboten ist. Was sagt ihr dazu?", rief eine der Organisatoren durchs Megafon. Die Menge antwortete mit Pfiffen und Buhrufen.
Zur Eskalation kam es schließlich am Steindamm, wo die Beamten von Vermummten mit Pyrotechnik und Baustellenmaterial beworfen wurden. Zudem wurden immer wieder Baustellenbarken angezündet.
Die Polizisten reagierten darauf mit Wasserwerfern, Pfefferspray und "unmittelbarem Zwang", wie es in einer Mitteilung hieß. Unbeteiligte sollten den Bereich meiden. Gegen 17 Uhr wurde die Versammlung offiziell beendet.
Aber auch danach kam es noch zu Zwischenfällen, unter anderem am Steintorplatz. Auch rund um den Hauptbahnhof wurden immer wieder Böller und Bengalos gezündet.
Gegenüber TAG24 erklärte ein Sprecher der Polizei gegen 18.30 Uhr, dass zahlreiche Personen überprüft und auch einige festgenommen wurden. Er bestätigte zudem, dass einzelne Einsatzkräfte verletzt wurden. Genaue Zahlen konnte er allerdings noch nicht nennen.
Organisatoren fordern Ende der Regierung von Bundeskanzler Merz
Die genaue Zahl der Demo-Teilnehmer ist ebenfalls noch unklar. Die Organisatoren sprachen vor Ort von rund 7000 Menschen, die Polizei auf TAG24-Nachfrage zunächst von einer "Zahl im mittleren vierstelligen Bereich" und später von rund 6.700 Teilnehmern.
Der Anmelder der ursprünglichen Demo "Gegen Wehrpflicht" hatte mit bis zu 2000 Teilnehmern gerechnet. Auf der Website der "Gen Z regelt"-Initiative hatten allerdings über 11.000 Menschen (Stand: Samstagmittag) ihr Kommen angekündigt.
Um 14 Uhr hatten sich zunächst geschätzt rund 2000 Demonstranten sowie zahlreiche Schaulustige am Jungfernstieg versammelt, die offenbar vor allem am möglichen Trubel interessiert waren. Die Zahl der Teilnehmer nahm im Verlauf immer weiter zu.
Zu Beginn hatte Lara aus dem Organisationsteam mit einer emotionalen Rede die Teilnehmenden auf den Protest eingestimmt.
Dabei forderte sie unter anderem das Ende der Merz-Regierung und kündigte zugleich zwei weitere Protestaktionen an: Am 6. November soll ein Aktionstag an Schulen stattfinden, am 20. November ist ein internationaler Jugendprotest geplant.
Immer wieder sangen die Teilnehmenden "Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!" und "Merz muss weg!". Auch "Ganz Hamburg hasst die Polizei!" war immer wieder zu hören.
Hamburger Ladenbesitzer bereiteten sich auf mögliche Krawalle vor
Der Verfassungsschutz hatte zuletzt davor gewarnt, dass die angekündigten Jugendproteste durch Extremisten missbraucht werden könnten.
Demnach hätten linksextreme Gruppen in den sozialen Medien für eine Teilnahme mobilisiert.
Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz. Ein Sprecher verdeutlichte im Vorfeld, dass die Kräfte gegen gewaltbereite Teilnehmer und "Krawallmacher" sehr konsequent vorgehen werden.
Trotz dieser Androhung hatte die Polizei aber einen weitgehend störungsfreien Verlauf erwartet. Auch die "Gen Z regelt"-Initiative selbst hatte sich vorab ausdrücklich gegen jede Form von Gewalt ausgesprochen.
Darauf verlassen wollten sich einige Ladeninhaber aber nicht: Rund um den Neuen Wall, den Jungfernstieg und die Binnenalster wurden am Freitag und auch am Samstag Schaufenster und Eingangstüren mit Holzplatten gesichert. Insbesondere Boutiquen und Luxusgeschäfte, darunter Cartier, Hugo Boss und Burberry, wappneten sich gegen mögliche Krawalle.
Aufgrund des Feiertags haben die Geschäfte in der Hamburger Innenstadt am Samstag ohnehin nicht geöffnet.
Erstmeldung: 6.57 Uhr, zuletzt aktualisiert: 20.58 Uhr