Schwänz-Ärger droht: Kriegsangst treibt Sachsens Schüler aus den Klassenzimmern

Dresden - Sachsens Schüler sind aufgerufen, sich am Donnerstag an den bundesweiten Protesten gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu beteiligen. Mehrere große Kundgebungen sind geplant. Die Demo-Schüler bekommen viel Unterstützung, es droht allerdings auch Schwänz-Ärger.

Kreativer Protest. Für die Wehrpflicht ging noch kein Jugendlicher auf die Straße. (Symbolfoto)
Kreativer Protest. Für die Wehrpflicht ging noch kein Jugendlicher auf die Straße. (Symbolfoto)  © Patrick Pleul/dpa

"Wir sagen Nein zur Wehrpflicht! Nein zu allen Zwangsdiensten!", lautet das Motto der Schulstreik-Bewegung. Deren Aktivisten trommeln, seitdem der Bundestag am 5. Dezember das Gesetz zur neuen Wehrpflicht (trat am 1. Januar in Kraft) verabschiedet hat.

Sie machen zudem Stimmung dagegen, dass die Bundeswehr an Schulen für sich werben darf.

"Wir werden zeigen, dass die Jugend keine Fragebögen, keine Wehrpflicht, keinen Krieg will! Am 5. März ist unser Platz auf der Straße und nicht im Klassenzimmer", so ein Sprecher der Bewegung.

Bildungsgewerkschaft unterstützt Schulstreik gegen neue Wehrpflicht: "Haben volles Verständnis"
Demonstrationen Bildungsgewerkschaft unterstützt Schulstreik gegen neue Wehrpflicht: "Haben volles Verständnis"

In Dresden soll es morgen um 10 Uhr auf dem Postplatz eine Demo geben. In Leipzig beginnt ein Protest um 11.30 Uhr auf dem Richard-Wagner-Platz. In Chemnitz treffen sich die Schüler am Marx-Kopf um 11 Uhr.

Der bundesweite Protest richtet sich auch gegen die Bundeswehr, die an Schulen werben will für den Dienst in der Truppe. (Symbolfoto)
Der bundesweite Protest richtet sich auch gegen die Bundeswehr, die an Schulen werben will für den Dienst in der Truppe. (Symbolfoto)  © imago images/Shotshop

Kultusministerium erinnert an geltende Schulpflicht

Bereits am 5. Dezember gab es große Proteste gegen die Wehrpflicht - zum Beispiel in Dresden auf dem Postplatz.
Bereits am 5. Dezember gab es große Proteste gegen die Wehrpflicht - zum Beispiel in Dresden auf dem Postplatz.  © Thomas Türpe

Der Protest der Jugendlichen wird in Sachsen unterstützt von den Linken sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

"Junge Menschen werden für den Pflichtdienst an der Waffe aus ihrer Lebensplanung gerissen", begründet GEW-Chef Burkhard Naumann (38) diese Haltung.

Schülern, die für den Protest den Unterricht schwänzen, droht ein unentschuldigter Fehltag auf dem Zeugnis. Naumann: "Wir empfehlen den Schulen, in Absprache mit den Schülerinnen und Schülern konkrete Regelungen zur Vermeidung von Sanktionen zu treffen."

"USA"-Rufe in Düsseldorf: Tausende Exil-Iraner jubeln über Tod des Ober-Mullahs
Demonstrationen "USA"-Rufe in Düsseldorf: Tausende Exil-Iraner jubeln über Tod des Ober-Mullahs

Das Kultusministerium erinnerte am Dienstag nochmals an die geltende Schulpflicht. "Das Demonstrationsrecht ist außerhalb der Schulzeit wahrzunehmen", hieß es.

Burkhard Naumann (38) hat als Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft viel Verständnis für die Schulstreiks.
Burkhard Naumann (38) hat als Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft viel Verständnis für die Schulstreiks.  © Stefan Häßler

Das Ministerium betont die Möglichkeit, das Wehrpflicht-Gesetz im Unterricht zu thematisieren. Es lädt ausdrücklich die Schulen ein, fundierte Debatte zu ermöglichen.

Titelfoto: Thomas Türpe

Mehr zum Thema Demonstrationen: