Linke gegen Linke - Connewitz droht "Schlacht um Gaza"

Leipzig - Zehn Jahre nach dem Neonazi-Überfall auf Connewitz droht dem linksalternativen Stadtteil erneut radikale Gewalt. Nur diesmal stehen sich Linke und Linke gegenüber. Antiimperialisten wollen gegen Antideutsche demonstrieren, eine neu formierte "Migrantifa" die alteingesessene Antifa aus dem Kiez verjagen. Die Polizei bereitet für den 17. Januar einen Großeinsatz vor.

Ein erklärtes Ziel des linksradikalen Protestes: das LinXXnet-Büro der Landtagsabgeordneten Juliane Nagel (47, Linke).
Ein erklärtes Ziel des linksradikalen Protestes: das LinXXnet-Büro der Landtagsabgeordneten Juliane Nagel (47, Linke).  © Alexander Bischoff

Der eigentliche Brandherd ist knapp 3000 Kilometer von Connewitz entfernt. Es geht um den Gaza-Konflikt und dessen Interpretation aus der Ferne.

Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zieht sich ein tiefer Riss durch die linke Szene in Sachsen. Der im Szenejargon "Antideutsche" genannte Flügel unterstützt Israel, die andere Fraktion, die sich als "Antiimperialisten" sieht, unterstützt die Anliegen der Paläsinenser.

Für Letztere ist das alte Connewitz mit seiner Kiez-Ikone Juliane Nagel (47) zum Hassobjekt geworden.

Demo gegen Polizeigewalt: Transparent sorgt für Aufsehen
Demonstrationen Demo gegen Polizeigewalt: Transparent sorgt für Aufsehen

Seit Wochen werden die Linke-Landtagsabgeordnete und deren LinXXnet-Büro für ihre pro-israelische Haltung in sozialen Medien scharf angegriffen.

Auch der Szene-Club Conne Island, der die Anerkennung des Existenzrechts Israels zur Bedingung für den Eintritt gemacht hat, steht im Fadenkreuz des neuen linksradikalen Blocks aus Handala-Bewegung, "Migrantifa" und der Vereinigung "Students for Palestine".

Den Connewitzern wird unter anderem Rassismus vorgeworfen, weil sie angeblich keine Palästinensertücher (Kufiya) in ihrem Kiez dulden.

Rot gegen Pink: links der Flyer der Connewitzer Oldschool-Antifa, rechts der Mobilisierungsaufruf der neuen Linksradikalen aus Handala, "Migrantifa" und "Students for Palestine".
Rot gegen Pink: links der Flyer der Connewitzer Oldschool-Antifa, rechts der Mobilisierungsaufruf der neuen Linksradikalen aus Handala, "Migrantifa" und "Students for Palestine".  © Montage: Antifa; Migrantifa

Hubschrauber und Hundertschaften - Polizei will Puffer zwischen Linken bilden

Gewaltaufruf an einer Hauswand in Connewitz - "17.1.: Antisemiten aufs Maul!"
Gewaltaufruf an einer Hauswand in Connewitz - "17.1.: Antisemiten aufs Maul!"  © Alexander Bischoff

Für den 17. Januar haben diese Gruppen nun zu einer Großdemo in Connewitz aufgerufen - Motto: "Antifa heißt Free Palestine". Die Mobilisierung läuft deutschlandweit.

Protestiert werden soll unter anderem vor Nagels LinXXnet-Büro und vor dem Conne Island.

Die Connewitzer Antifa ruft ihrerseits zur Gegendemo auf. Offiziell lautet deren Slogan "Antisemiten raus aus dem Viertel". Die Graffiti an den Hauswänden lassen erahnen, dass es keine verbale Auseinandersetzung wird - "17.1.: Antisemiten aufs Maul!", heißt es dort.

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"Wir wissen um die Brisanz der Lage und bereiten uns entsprechend darauf vor", antwortete Polizei-Sprecher Moritz Peters auf TAG24-Anfrage. Ein Großaufgebot aus sächsischer Bereitschafts- und Bundespolizei sowie der Inspektion Zentrale Dienste soll einen Puffer zwischen den verfeindeten Lagern bilden.

Auch Hubschrauber werden an diesem Tag über Connewitz im Einsatz sein, so Peters.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Polizei an diesem Tag auch noch den Bundesliga-Knaller zwischen RB Leipzig und Bayern München abzusichern hat.

Wie Zuzug und Zuwanderung die linke Szene zersplittern

Links das bekannte Logo der Oldschool-Antifa, rechts das Logo der neuen "Migrantifa".
Links das bekannte Logo der Oldschool-Antifa, rechts das Logo der neuen "Migrantifa".  © Montage: Alexander Bischoff; Antifa; Migrantifa

Der Konflikt um Connewitz wirft ein Schlaglicht auf die Entwicklung der linken Szene in der Stadt.

Die ideologische Konformität vergangener Jahrzehnte, die im "Kampf gegen rechts" ihren verbindenden Spirit hatte, ist durch überwiegend studentischen Zuzug und Zuwanderung einer neuen Heterogenität gewichen.

Der Eisenbahnstraßen-Kiez im Leipziger Osten und die studentischen Quartiere im Westen (Plagwitz, Lindenau) haben sich zu Zentren des neuen Linksextremismus entwickelt, der wesentlich partikularistischer agiert als die Connewitzer Oldschool-Antifa und dabei noch radikalere Ansichten vertritt - bis hin zur Verherrlichung eines totalitären kommunistischen Gesellschaftsmodells.

Titelfoto: Montage: Alexander Bischoff; Antifa; Migrantifa

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