Von Sabine Dobel
München - Alkohol, Drogen, Tabak, Medikamente, soziale Medien: Wie ist das Suchtverhalten bei Jugendlichen? Daten der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) in Bayern zeigen: Alkohol ist zwar weiter stark verbreitet, aber ebenso wie der Konsum von Zigaretten, Cannabis und illegalen Drogen eher rückläufig.
Mehr als ein Drittel der Jugendlichen (38,5 Prozent) hat der Studie zufolge schon einmal Tabak konsumiert, in den 30 Tagen vor der Erhebung war es jeder Fünfte (20,8 Prozent).
Es werden deutlich weniger Zigaretten geraucht als noch vor 20 Jahren. Dafür greifen Jugendliche vermehrt zu E-Zigaretten. Fast jeder Zweite (47,3 Prozent) hat das mindestens einmal probiert, in den 30 Tagen vor der Befragung hatte fast jeder Dritte E-Zigaretten geraucht (30,0 Prozent).
Vier von fünf Jugendlichen haben im Jahr vor der Erhebung Alkohol getrunken, knapp zwei Drittel auch in den 30 Tagen vor der Befragung. Zwar setzt sich der langfristige Rückgang des Alkoholkonsums fort.
Dennoch hatte fast jeder Zweite (46,9 Prozent) schon einmal einen Rausch. Alkohol als eine Art Problemlösung war demnach eher für Mädchen ein Thema.
Der Cannabiskonsum sank zwar im Vergleich zu 2019 insgesamt. Doch die Zahl der Jugendlichen, die Cannabis in problematischer Weise konsumieren, stieg im Jahr 2024 deutlich. Das betraf knapp zwei Prozent aller Befragten.
Bei illegalen Drogen bleibe es oft beim Probieren. Dennoch sei das Thema weiter relevant. Am häufigsten würden neue psychoaktive Substanzen konsumiert, gefolgt von Amphetaminen und Kokain.
Glücksspiele aufgrund von Online-Angeboten ein wachsendes Problem
Der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Tranquilizern nimmt unter Bayerns Jugendlichen den Angaben zufolge deutlich zu – und erfolgt oft sogar ohne ärztliche Anordnung.
Positive Effekte wie Angstlinderung sowie steigende psychische Belastungen, teils durch intensive Nutzung sozialer Medien, begünstigten den Trend. Teils würden Medikamente mit Alkohol eingenommen. Manche Jugendlichen nahmen auch Schmerzmittel.
Das soziale Leben Jugendlicher verlagere sich zunehmend in virtuelle Räume. Eltern sei es oft nicht möglich, die Inhalte vollständig zu beaufsichtigen. Es seien Maßnahmen nötig, um negative Konsequenzen einzudämmen.
Knapp 81 Prozent der Jugendlichen geben sogar selbst an, zu viel Zeit mit sozialen Medien zu verbringen, Mädchen noch häufiger als Jungen. Bei Computerspielen war mehr als ein Drittel der Jugendlichen und damit deutlich mehr als im Jahr 2015 selbst der Meinung, zu viel Zeit damit zu verbringen (37,9 Prozent). Ob das mehr Selbstreflexion oder mehr Konsum bedeutet, ist unklar.
Bei Jungen (52,2 Prozent) war das häufiger der Fall als bei Mädchen (23,9 Prozent). Unter allen Befragten verbrachten Mittelschüler im Durchschnitt mehr Stunden mit Computerspielen als Gymnasiasten oder Realschüler.
Glücksspiele mit Geldeinsatz seien trotz Altersbeschränkung unter Jugendlichen verbreitet; Online-Angebote erleichterten den Zugang.