Mega-Schlag gegen Drogen-Hersteller: Auch drei Labore in NRW ausgehoben

Von Christoph Driessen

Köln - Im bisher größten Schlag gegen die Hersteller synthetischer Drogen haben Ermittler in Deutschland sechs Labore ausgehoben und 45 Verdächtige festgenommen. In ganz Europa wurden 24 Labore entdeckt und 85 Menschen festgenommen.

In Nordrhein-Westfalen sind drei Drogen-Labore ausgehoben worden.
In Nordrhein-Westfalen sind drei Drogen-Labore ausgehoben worden.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die deutschen Drogenlabore befanden sich nach Angaben von Polizei und Zoll in Kerpen, Hagen und Neunkirchen-Seelscheid in Nordrhein-Westfalen, in Wolfenbüttel in Niedersachsen, in Nauen in Brandenburg und in Quickborn/Kummerfeld in Schleswig-Holstein. Bundesweit wurden über 800 Kilogramm synthetische Drogen und etwa 160.000 Liter hochgiftige Chemikalienabfälle sichergestellt.

Bei zwei abschließenden Durchsuchungen an einem "Action Day" vergangenen Freitag wurden in Papenburg in Niedersachsen 15.000 Liter Chemikalienabfälle sichergestellt und eine professionelle Cannabisplantage mit etwa 1350 Pflanzen im Kreis Borken entdeckt. In Papenburg kam es zu einer weiteren Festnahme. Die europaweiten Fahndungsmaßnahmen wurden von Europol koordiniert.

"Dieser Schlag europäischer Sicherheitsbehörden im Kampf gegen synthetische Drogen ist in dieser Dimension bislang einmalig", sagte Friedo de Vries, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück. Eine Osnabrücker Ermittlungsgruppe habe dabei eine zentrale Rolle gespielt. Die Ermittlungsergebnisse zeigten, dass Kinder und Jugendliche besser vor dem Konsum von synthetischen Drogen geschützt werden müssten: "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

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Der Leiter des Zollkriminalamtes, Tino Igelmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Ermittlungen hätten ihren Ausgang genommen von einem Unternehmen in Polen, das die Chemikalien für die synthetischen Drogen verkauft habe.

In Laboren mixen Köche die Drogen zusammen

Synthetische Drogen gelten als gesundheitsschädlich und belastend für die Umwelt.
Synthetische Drogen gelten als gesundheitsschädlich und belastend für die Umwelt.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Produziert worden seien die Chemikalien überwiegend außerhalb der Europäischen Union, etwa in China. "Dieses Unternehmen in Polen hat die Chemikalien vertrieben." Die Stoffe seien von dort entweder in Zwischenlager oder direkt in die Drogenlabore gebracht worden.

In den Laboren seien aus den Chemikalien die Drogen hergestellt worden. Dabei handele es sich um "komplexe chemische Prozesse", sagte Igelmann. "Da muss man sich schon auskennen." Diejenigen, die die Drogen zusammenmixen, werden als "Köche" bezeichnet. Bei den Arbeiten in den "Drogenküchen" besteht nach Angaben der Ermittler durchaus auch die Gefahr von Explosionen.

Die verschiedenen Labore hätten miteinander in Kontakt gestanden, sagte Igelmann. "Es ist aber nicht so, dass quasi eine Bande oder eine Organisation das gesamte Verfahren von der Produktion über den Vertrieb der Chemikalien bis zur Herstellung der synthetischen Drogen betreibt." Man teile sich den Markt vielmehr ein Stück weit auf.

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Igelmann betonte, dass alle Drogen gesundheitsschädlich seien, bei den synthetischen Drogen komme aber noch dazu, dass man nie genau wisse, was darin enthalten sei.

"Das ist rein chemisch und insofern sehr gefährlich." Dazu komme die Umweltproblematik: "Durch die Produktion dieser synthetischen Drogen hat man sehr viele Chemikalienabfälle, das geht auch wirklich in den Bereich von mehreren 1000 Litern." Diese Abfälle würden oft einfach im Wald abgeladen. "Das ist für die Umwelt extrem schädlich."

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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