Dresden - Missachten die Brückenplaner den Willen des Stadtrats? Der sieht eine neue Carolabrücke mit vier Autospuren vor. Doch am Mittwoch machten Architekten keinen Hehl daraus, auch an Entwürfen mit weniger Spuren zu arbeiten. Oder wird der Beschluss etwa noch gekippt?
Im Juni 2025 beschloss der Stadtrat, dass die Entwürfe für die neue Brücke "weiterhin vier Fahrspuren für den MIV vorzusehen" haben. MIV steht für motorisierten Individualverkehr, sprich Autos, Motorräder, LKW. Können Planungsbüros diese Entscheidung ignorieren?
Nach der Bürgerbeteiligung am Mittwoch zeigte sich Grünen-Stadträtin Susanne Krause (43) "beeindruckt" davon, dass manches Planungsteam die Stadtratsvorgaben infrage stellt.
"Das Geld, das in überflüssige Fahrspuren versenkt wird, fehlt bei den Elementen, die aus einem technischen Bauwerk eine schöne Brücke machen".
Auch die anwesenden Bürger hatten mehrfach den Wunsch nach einer zweispurigen Carolabrücke auf Klebezetteln notiert.
Stadtrat Engel: "Wäre nicht das erste Mal, dass der Stadtrat seine Meinung ändert"
Davon nichts wissen wollen die Fraktionen CDU, Team Zastrow (TZ) und AfD. "Wir haben einen gültigen Stadtratsbeschluss", sagt Stadträtin Bettina Kempe-Gebert (61, CDU).
"Aktuell brauchen wir vier Autospuren für einen leistungsfähigen Verkehr." Parteikollege Steffen Kaden (56): "Es werden am Ende nur Entwürfe bezahlt, die den Vorgaben entsprechen."
Stadtrat Thomas Ladzinski (37) von der AfD sieht das genauso. TZ-Fraktionschef Holger Zastrow (57): "Was zählt ist der Ratsbeschluss, und die Stadtratsmehrheit für die Vierspurigkeit steht weiterhin. Wer den Beschluss ignoriert, riskiert den Zuschlag."
Ist das letzte Wort wirklich schon gesprochen? SPD-Stadtrat Stefan Engel (33) sagt: "Es wäre nicht das erste Mal, dass der Stadtrat seine Meinung ändert."
Sicher ist: Die Debatte ist lange nicht vorbei - weder über das Aussehen der Brücke, noch über die Anzahl ihrer Autospuren.