Dresdner dürfen mitreden: Erste Entwürfe für den Neubau der Carolabrücke
Dresden - Dresden auf der Zielgeraden zur neuen Carolabrücke: Vier Planungsbüros buhlen um den Auftrag für eine neue Elbquerung im Herzen der Landeshauptstadt. Was ist ihre Vision? Zum Startschuss der Bürgerbeteiligung sprachen sie am Mittwoch erstmals öffentlich!
Laut Stadtratsbeschluss sollen die Dresdner mitreden dürfen, wie die neue Carolabrücke aussehen soll. Hunderte von ihnen kamen dem schon am Mittwoch nach, drängten sich ins Stadtforum, diskutierten mit den Planern über Materialien, Form und Autospuren. Dabei blieben manche Planer vage - andere wurden sehr konkret.
"Wir wollen eine Bogenbrücke schaffen. Dabei kombinieren wir ein Stahltragwerk mit Sandsteinpfeilern, die Brücke soll luftig sein und die Sicht nicht versperren", erklärte Architekt Jan Tröber (50, FHECOR Deutschland und TSSB Architekten). Man spiele auch mit der Idee von weniger Autospuren, plane in alle Richtungen.
Auch die Planer von Schüßler-Plan/DKFS Architekten liebäugeln mit einer schmaleren Brücke - zum Missfallen manchen Bürgers.
Architekt Dirk Krolikowski (49) ehrlich: "Ein Taxifahrer hat das direkt kritisiert. Wichtiger als die Spuren ist uns auch etwas anderes." Man wolle einen effizienten und eleganten Hybrid bauen, die Flutbrücke aus Beton, den Rest als Stahlbrücke. "Diese Konstruktion beschleunigt das Bauen."
Stadtrat muss sich erst im Herbst entscheiden
Vage blieb die Planungsgemeinschaft Leonhardt, Andrä und Partner/Knight Architects/Querfeldeins. "Uns geht es darum zu verstehen, was die Dresdner wollen", so Brückendesignerin Anthea Schneider (34).
"Unserer Gestaltungsfreiheit sind aber Grenzen gesetzt." Um das geforderte Lichtraumprofil (Raum unter der Brücke) einzuhalten, sei eine Hängebrücke denkbar, fürs Stadtbild eine Sandsteinverkleidung.
Noch weniger festlegen wollte sich Bauingenieur Hans Grassl (54, Ingenieurbüro Grassl). "Die Brücke muss zu Dresden passen. Wir untersuchen verschiedene Möglichkeiten, wollen Anregungen aufnehmen."
Auf Klebezetteln notierten die beteiligten Dresdner ihre Brücken-Wünsche: "Technisch auf dem Stand der Zeit, aber mit historischem Bezug", schrieb einer, andere forderten einen sparsamen Umgang mit Baumaterialien, eine gute Elberadweg-Anbindung. Und immer wieder zwei - oder eben vier - Autospuren.
Bis zum 26. Mai müssen die Entwürfe stehen. Danach schauen ein Begleitgremium (aus Verbänden, Interessengruppen, Stadträten) und eine Fachjury drüber. Im Sommer sind Sie wieder gefragt - bevor sich der Stadtrat im Herbst für einen Entwurf entscheiden muss...
Titelfoto: Norbert Neumann

