Dresden - Wie soll die neue Carolabrücke aussehen? Da die Präsentation der vier Planer-Büros geheim war, das Rathaus nur eingeschränkt Bilder und Details bekanntgab, könne sich die Öffentlichkeit nicht fundiert damit auseinandersetzen - dabei ist die Debatte längst im Gange, kritisiert die Initiative Carolabrücke. Auch fachlich fordert der Verein Nachbesserungen.
Anders als ursprünglich geplant, will das Rathaus erst ab 13. Juni zum Start der Bürgerbeteiligung im Stadtforum alle Unterlagen öffentlich machen.
Damit fachkundige Dresdner die Möglichkeit haben, sich nun mit allen Einzelheiten fundiert auseinanderzusetzen, müsse die Stadt jetzt alle Wettbewerbsunterlagen freigeben, fordert Bertrand Zunker (33) von der Brücken-Initiative (40 Vereinsmitglieder).
"Es gibt keinen Grund, die vollständigen Entwürfe noch länger als geheime Verschlusssache zu behandeln." Denn so könnten sich auch Brückenstatiker, Architekten, Bauingenieure in den eigenen Reihen nicht voll an der längst entbrannten Diskussion beteiligen.
Der Verein selbst hatte keinen der 26 Sitze im Begleitgremium erhalten, war also bei der ganztägigen Vorstellung der Entwürfe in der vergangenen Woche nicht dabei gewesen.
"Aus dem Wettbewerb für die neue Carolabrücke sind großteils gute Grundlagen für die weitere Planung hervorgegangen", so Zunker. Er lobt, dass alle vier Entwürfe Bögen über die Elbe spannen. "Die derzeitigen Arbeitsstände zeigen aber noch nicht die Qualität, die ein Bauwerk mitten im Herzen Dresdens haben muss." Leider seien bei keinem der Entwürfe Merkmale wie Kanzeln, kleinteiliges Stahlfachwerk oder auskragende Pfeiler vereint.
Carolabrücke in Dresden: Entwürfe werden aktuell noch geprüft
Der Entwurf von FHECOR/TSSB nutze einen Pfeilerstandort der historischen Carolabrücke von 1895 am Neustädter Elbufer und damit ein Pfeilerpaar mehr als die anderen Entwürfe.
Das ermögliche zwar schönere Bögen, entspreche aber nicht den Vorgaben und könne dazu führen, dass die Brücke nicht mehr als Ersatzneubau (muss ähnlich der eingestürzten Brücke sein) durchgehe und sich der Bau damit um Jahre verzögere.
Das hatte auch ein Rechtsgutachten im Auftrag der Stadt für den Wiederaufbau so angeführt.
Architekt Jan Tröber (51) vom Dresdner Büro TSSB sieht das "in der Gesamtschau" anders, nennt Vorteile wie die mit 32,50 Metern Breite schmalste aller präsentierten Varianten.
Laut Rathaus würden die Entwürfe aktuell noch geprüft.