Dresden - Mehrheitlich stimmte der Stadtrat am Donnerstag für den Entwurf des Planungsteams FHECOR/TSSB und damit für den Gewinner der Bürgerabstimmung. Damit steht dem Bau einer neuen Carolabrücke mit vier Autospuren also nichts mehr im Wege. Oder?
Nicht ganz, denn den unterlegenen Planungsbüros bleibt mit der Einreichung eines Nachprüfungsauftrags bei der Vergabestelle ein letztes Mittel, um den eigenen Entwurf doch wieder ins Rennen schicken zu können.
Dieses Mittel plane das Ingenieurbüro Grassl auch einzusetzen, wie der geschäftsführende Gesellschafter Hans Grassl (54) gegenüber TAG24 erklärte: "Wir halten die Aufklärung für unsere Pflicht."
Grassl begründete diesen Schritt damit, dass die Bewertungskriterien im Vergabeprozess "nicht nachvollziehbar angewendet" worden seien. So sei es "unerheblich", ob sich der Stadtrat letztlich für den Entwurf von FHECOR/TSSB oder den vom Begleitgremium empfohlenen LAP-Entwurf entschieden hätte.
Das Risiko auf ein Planfeststellungsverfahren sei in beiden Fällen "maximal" und beim eigenen Entwurf "minimal", sagte Grassl und verwies etwa auf die niedrigere Höhe der eigenen Brücke.
Um den Nachprüfungsantrag einzureichen, habe Grassl jetzt noch knapp zwei Wochen Zeit.
LAP: Planungsbüro will Entscheidung "sorgfältig prüfen"
Auch LAP kündigte bereits an, die Entscheidung des Stadtrats "sorgfältig prüfen" zu wollen. LAP-Prokurist Tobias Mansperger (47) betonte in einer Mitteilung aber auch: "Unabhängig davon hoffen wir, dass Dresden schnell und zuverlässig eine neue Carolabrücke bekommt."
Und wie reagieren die Sieger auf mögliche rechtliche Schritte, die den Bau einer neuen Carolabrücke weiter verzögern könnten?
Siegerentwurf für neue Carolabrücke: Planer wittert "keine große Gefahr"
"Ich sehe hier keine große Gefahr", erklärte TSSB-Architekt Jan Tröber (51) gegenüber TAG24 und betonte, dass der Konkurrenz das Recht zustehe, einen Nachprüfungsantrag einzureichen.
Die Diskussionen über mögliche Risiken beim TSSB-Entwurf habe die Faktenlage aus seiner Sicht in den Hintergrund gestellt. Tröber sagte selbstbewusst: "Wir haben das beste Angebot." Der jüngste Stadtratsbeschluss sei die Bestätigung dafür.
Nach der Entscheidung des Stadtrats ist derweil geplant, dass FHECOR/TSSB die weiteren Planungsarbeiten, darunter die technische Ausarbeitung des Entwurfs, noch im September vorantreibt.
Der Startschuss für den Wiederaufbau soll dann im Mai 2028 fallen.