Obwohl anders beschlossen: Bauplaner arbeiten heimlich an zweispuriger Carolabrücke

Dresden - In exakt zwei Wochen startet die Bürgerbeteiligung zur neuen Carolabrücke. Im Vorfeld sorgt noch immer ein Stadtratsbeschluss für Wirbel, wonach die neue alte Elbquerung wenigstens vier Autospuren breit sein soll. Jetzt pirscht Brücken-Professor Steffen Marx (56) in der Diskussion vor - und verrät, dass nicht mal die Planer mit vier Spuren rechnen.

Der Siegerentwurf des Studentenwettbewerbs. In zwei Wochen können sich Bürger einbringen.
Der Siegerentwurf des Studentenwettbewerbs. In zwei Wochen können sich Bürger einbringen.  © Technische Universität Dresden

"Die beauftragten Büros sind erstaunt, wie toll die Stadt die Planung hinbekommt", sagte Marx am Montag im Dresdner Presseclub. Über ein "Relikt" ärgert sich der Direktor des Massivbau-Instituts an der TU aber: "Der Stadtrat hat als technische Lösung vier Spuren bestellt. Die entschieden wurden auf der Basis von gar nichts!"

Im letzten Juni folgte der Rat den Empfehlungen des Bauausschusses und beauftragte vier Büros, Entwürfe für eine vierspurige Brücke vorzulegen. "Das geht auch wesentlich preiswerter zwei- oder dreispurig, wenn wir die Kreuzungsbereiche umbauen."

Denn "langfristig kostet jeder Quadratmeter Brückenfläche Geld für die Pflege! Wenn ich die doppelte Brückenbreite baue, ohne dass wir sie brauchen, ist das eigentlich dumm."

Steffen Marx (56) ist der Direktor des Instituts für Massivbau an der TU.
Steffen Marx (56) ist der Direktor des Instituts für Massivbau an der TU.  © Thomas Türpe
Neue Kreuzungen statt vierter Autospur?
Neue Kreuzungen statt vierter Autospur?  © Petra Hornig

Auf 100 000 Einwohner in Dresden kommen 100 schwerverletzte Radfahrer

Dresden bleibt die gefährlichste Stadt für Radfahrer.
Dresden bleibt die gefährlichste Stadt für Radfahrer.  © Holm Helis

Noch seien die konkreten Pläne streng geheim, so Marx, der mit einer eigenen Firma Hunderte Bauwerke in ganz Deutschland prüft. Erst am 18. März sollen Bürger mit den Büros im Stadtforum diskutieren.

Doch Marx verriet, dass sich die Planer vor allem mit der "Interpretation der Stadtratsbestellung" beschäftigen: So würden einzelne Autospuren durchaus zusammen mit Straßenbahnschienen gedacht, wie etwa auf der Albertbrücke.

"Weil Fahrradfahrer in Dresden ausgesprochen schlechte Bedingungen haben, müssen Autos auch mal auf Straßenbahnspuren ausweichen. Wir haben in Dresden 100 schwerverletzte Radfahrer pro 100 000 Einwohner. Das ist einsame Spitze in Deutschland."

Titelfoto: Fotomontage/Technische Universität Dresden/Thomas Türpe

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