Dresden - Nächste Runde im Pfeilerstreit um die neue Carolabrücke. Dass der FHECOR/TSSB-Entwurf ein zusätzliches Pfeilerpaar am Neustädter Elbufer vorsieht, war bekannt. Laut der Initiative Carolabrücke sei das mit einem Ersatzneubau jedoch unvereinbar und würde den Baustart um Jahre verzögern, womit auch die Verwaltung intern schon rechne. Das Rathaus widerspricht.
Grundlage für die Sicht der Initiative ist ein Rechtsgutachten vom April 2025, das die Stadt selbst beauftragt hatte.
"Eine Erhöhung der Anzahl der Pfeiler führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Planfeststellungspflicht ...", heißt es darin (Seite 45).
Das sei unmissverständlich, so Bertrand Zunker (34) von der Initiative. "Hinter den Kulissen hat sich die Stadtverwaltung bereits von der Idee eines Ersatzneubaus verabschiedet - entgegen dem Stadtratsbeschluss." Damit würde sich der Baustart um drei bis sechs Jahre verschieben.
Die Verwaltung dementiert das: "Die Stadt Dresden hält weiter am Prinzip Ersatzneubau fest", teilt eine Sprecherin mit.
Zuvor hatte bereits das Expertengremium (kürte den Entwurf auf Platz zwei von vier) mitgeteilt, der Zusatzpfeiler bringe fürs Verfahren zwar ein Risiko, dieses sei aber kontrollierbar.
Versucht die Initiative etwa mit Falschinformationen Angst zu schüren?
"Laut Rechtsgutachten ist ein zusätzlicher Pfeiler sehr wohl in Ordnung, wenn er statisch relevant ist", betont "Brücken-Generälin" Grit Ernst (57). "Der Pfeiler von FHECOR/TSSB ist für die Statik notwendig." Es werde kein langwieriges Plangenehmigungsverfahren geben, egal mit welchem Entwurf.
Auch die Planer widersprechen. "Wir gehen weiter davon aus, dass unser Entwurf als Ersatzneubau möglich sein wird, wie es uns auch die Jury und Ämter bestätigt haben, mit denen wir uns auch darüber austauschen", sagt TSSB-Architekt Jan Tröber (51).
Die Initiative versuche mit Falschinformationen Angst zu verbreiten und Einfluss zugunsten der Wettbewerber zu nehmen. Laut Zunker bevorzuge die Initiative den GRASSL-Entwurf aus rein fachlichen Gründen.