Groß, klein, schlaff oder steif: Hier bekommt jeder den passenden Penis!

Norderstedt – Ob groß oder kleiner, mit oder ohne Vorhaut, schlaff oder erigiert - Sofia Koskeridou (56) stellt in ihrem Institut jede Art von Penis her.

Sofia Koskeridou modelliert aus Wachs einen Penis, der dann zu einer individuellen Silikon-Epithese wird.
Sofia Koskeridou modelliert aus Wachs einen Penis, der dann zu einer individuellen Silikon-Epithese wird.  © Markus Scholz/dpa

Die 56-Jährige ist Epithetikerin. Das heißt, sie ist Expertin für auflegbare Prothesen, die auf die Haut geklebt werden. Sie könnte auch Nasen, Ohren und Augen formen, doch die gebürtige Griechin hat sich vor rund elf Jahren auf männliche und weibliche Geschlechtsteile konzentriert.

Eigentlich wollte die Zahntechnikermeisterin damals nur für ihre kranke Schwester eine neue, schöne Brust formen. Doch das war nicht mehr möglich, weil sie vorher starb. Die Neugier auf die Epithesen blieb. Nach einer zufälligen Anfrage formte Koskeridou wenig später ihren ersten Penis.

In ihrem Institut in Norderstedt liegt der Geruch von geschmolzenem Wachs in der Luft. Mit einem Bunsenbrenner hat Koskeridou mehrere rosafarbene Wachsplatten in einem Metalltopf erhitzt. Mit dem flüssigen Wachs modelliert sie nun geschickt einen Penis für einen Trans-Mann.

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Der Penis ist durchschnittlich groß, hängt nach unten und liegt auf den ebenfalls mit Wachs geformten Hoden auf. Schon jetzt sind Hautfalten und kleine Adern zu erkennen.

Die Penisse sollen keine Dildos werden, sondern Genitalien, die dem Träger wieder ein Stück Alltag zurückgeben können. Deshalb müssen sie so lebensecht wie möglich aussehen..

Penisse sind Maßanfertigungen

Die 56-Jährige zeigt in ihrer Werkstatt eine Penis- und eine Vagina-Epithese.
Die 56-Jährige zeigt in ihrer Werkstatt eine Penis- und eine Vagina-Epithese.  © Markus Scholz/dpa

Doch bevor die Geschlechtsteile mehrfarbig hautfarben und aus Silikon sein werden, vergehen viele Stunden, Tage und Wochen. Die Epithesen werden aus Silikon gefertigt.

Nicht nur die Herstellung der Epithesen ist zeitintensiv, sondern auch die Zusammenarbeit und Betreuung mit den Patienten. Bevor die mit dem Penis Koskeridous Institut verlassen können, waren sie zwei- bis dreimal für mehrere Stunden dort.

Es beginnt mit einer individuellen Beratung. Der Patient erzählt, wie sein Wunschpenis aussehen soll. Es erfolgt eine Abformung des Genitalbereichs, dann wird ein Wachsmodell hergestellt und an den Patienten angepasst.

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Ist die Epithese aus Silikon fertig, bekommen die Patienten noch die Klebetechnik genau erklärt. In der Regel dauert es drei Monate vom ersten Termin bis zur fertigen Epithese.

Die Penisse sind Maßanfertigungen, die genauestens an die Anatomie und die Wünsche der Patienten angepasst werden.

Auch Geschlechtsverkehr ist möglich!

Die Griechin ist Epithetikerin. Das heißt, sie ist Expertin für auflegbare Prothesen, die auf die Haut geklebt werden.
Die Griechin ist Epithetikerin. Das heißt, sie ist Expertin für auflegbare Prothesen, die auf die Haut geklebt werden.  © Markus Scholz/dpa

Denn bei den Epithesen geht es nicht nur um Ästhetik, sie sollen auch die Funktionen eines Penis erfüllen. Das heißt: Urinieren im Stehen und Geschlechtsverkehr mit integrierter eigener Stimulanz soll möglich sein.

Auch Kinder mit angeborenen Genital-Defekten und Trans-Kinder gehören zu Koskeridous Patienten.

Von Trans-Männern wird Sofia Koskeridou für ihre Arbeit geschätzt, wie Julia Monro von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität der dpa sagt.

"Dabei geht es meistens um das eigene Körpergefühl. Die sehen ja so täuschend echt aus." So fühle sich ein Trans-Mann mit Penis beispielsweise in einem Saunabereich oder nach dem Sport in der Dusche oft deutlich wohler. "Einfach, damit man nicht schief angeguckt wird, wenn man als Mann keinen Penis hat."

Koskeridou mag ihren zeitintensiven Job, wie sie sagt. Meist arbeite sie mehr als 60 Stunden in der Woche. "Ich habe es nie bereut. Ich sehe die leuchtenden Augen der Betroffenen und erfahre, wie viel Lebensqualität sie durch die Epithesen erhalten"

Titelfoto: Markus Scholz/dpa

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