Alice Schwarzer warnt: Soziale Medien setzen junge Frauen unter Druck

Von Torsten Holtz

Berlin - Alice Schwarzer (83) ist der Ansicht, dass junge Frauen heute einem größeren Druck ausgesetzt sind als in den 1970er-Jahren – nicht zuletzt aufgrund des Einflusses sozialer Medien.

Laut Alice Schwarzer (83) wollen viele junge Frauen Subjekt und Objekt zugleich sein.
Laut Alice Schwarzer (83) wollen viele junge Frauen Subjekt und Objekt zugleich sein.  © Jens Kalaene/dpa

In ihrer Lebensführung hätten sie zwar scheinbar freie Wahl, aber die Rollenzwänge seien jetzt stärker als in den 70er-Jahren, sagte die Publizistin und Gründerin der Zeitschrift "Emma" bei der Vorstellung ihres neuen Buchs "Feminismus pur. 99 Worte" in einem Berliner Kino vor etwa 400 Gästen.

Es habe damals, als sie Feministin wurde, zum Beispiel keine Influencerinnen gegeben, die schädliche Schönheitsideale bewerben und heutzutage bei vielen Mädchen Selbstzweifel und Unsicherheit einpflanzten.

Viele junge Frauen wollten Subjekt und Objekt zugleich sein – und säßen damit schon in der Falle. Sie verteidige dagegen den "wahren Feminismus", betonte sie.

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Es gehe darum, "erhobenen Hauptes dem anderen Geschlecht gegenüberzutreten" und sich niemandem anzubiedern, sagte Schwarzer.

Alice Schwarzer: Zwischen Buchpremiere und Protesten

Alice Schwarzer (83) ist Autorin und Herausgeberin von 48 Büchern.
Alice Schwarzer (83) ist Autorin und Herausgeberin von 48 Büchern.  © Jens Kalaene/dpa

Das neue Buch zieht auch eine Bilanz ihres jahrzehntelangen Engagements. Genau 99 Begriffen widmet die wohl bekannteste Feministin Deutschlands je eine Buchseite – von A wie Arbeit und Alter über I wie Influencerinnen und Islamismus, M wie MeToo bis hin zu R wie Rassismus oder S wie Sexualität. Schwarzer ist Autorin beziehungsweise Herausgeberin von 48 Büchern.

Vor der Lesung gab es Proteste von etwa 40 queeren Feministinnen und Feministen. In ihrem Aufruf zur Demonstration vor dem Kino heißt es, Schwarzer hetze gegen Transpersonen und verbreitete falsche Informationen über sie. Zudem verbreite Schwarzer "rassistischen Müll".

Empörung hatten zuletzt wohlwollend klingende Worte Schwarzers über AfD-Chefin Alice Weidel (47) im "Spiegel" ausgelöst.

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Diese seien aber aus dem Zusammenhang gerissen, betonte sie nun. Sie stehe links. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht den Verdacht erweckt, dass ich mit einer rechten Partei sympathisiere."

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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