Katze auf dem Baum: Wann muss die Feuerwehr Tiere wirklich retten?
Von Jan Härtel und Raik Bartnik
Chemnitz - Die Katze auf dem Baum oder ein Vogel in einer Dachrinne: Mehrmals wöchentlich wird die Feuerwehr Chemnitz zu Tierrettungen alarmiert. Doch braucht es wirklich jedes Mal die Feuerwehr?
Feuerwehr-Amtsleiter René Kraus (52) stellt klar: "Neben der Rettung von Menschen gehört es genauso zu unseren Aufgaben, Tieren in Not zu helfen." Ob tatsächlich ein Notfall vorliegt, sei jedoch nicht immer leicht zu erkennen.
Das zeigte kürzlich ein Einsatz auf der Glockenstraße. Eine Katze saß scheinbar ausgesperrt auf einem Fenstersims. Als sich die Feuerwehr mit der Drehleiter näherte, flüchtete die vermeintlich hilflose Samtpfote drei Fenster weiter in eine Wohnung. "Die Passanten haben es gut gemeint, die Lage aber falsch eingeschätzt", sagt Kraus.
Häufig werden auch vermeintlich verlassene Jungvögel, Rehkitze oder junge Hasen gemeldet. "Das sind Einsätze, die meistens unnötig sind", erklärt der Feuerwehrchef.
Die Tiere würden in der Regel weiterhin von ihren Eltern versorgt. Wer sie hochnehme oder wegtrage, könne sie dadurch erst in Gefahr bringen.
Sandra Kögel (50) rät zu Ruhe und gesundem Menschenverstand
Ist ein gerettetes Haustier seinem Halter zuzuordnen, kann dieser für den Feuerwehreinsatz zur Kasse gebeten werden. Abgerechnet wird nach Einsatzdauer und eingesetzten Kräften und Fahrzeugen. Bei Wildtieren trägt meist die Allgemeinheit die Kosten.
Sandra Kögel (50) von der Tierrettung Chemnitz rät zu Ruhe und gesundem Menschenverstand. Eine Katze auf einem Fensterbrett oder Baum müsse nicht automatisch gerettet werden.
"Anders sieht es aus, wenn es 35 Grad im Schatten sind und die Katze am zweiten Tag noch immer dort oben sitzt", sagt Kögel.
Wer keine akute Gefahr erkennt, aber unsicher ist, sollte sich zunächst beraten lassen. Feuerwehr und Tierrettung arbeiten dabei eng zusammen. Kögel: "Dann können wir gemeinsam entscheiden, ob die Feuerwehr tatsächlich ranmuss."
Titelfoto: Jan Härtel

