Trotz hoher Brandgefahr in Gohrischheide: Ministerium "klaut" Feuerwehr ein Fahrzeug

Zeithain (Meißen) - Großaufgebot bei der Freiwilligen Feuerwehr Zeithain: Das THW, der ASB und die Kameraden zeigten zuletzt einer Delegation des Innenausschusses, was sie haben. Im Raum stand vor allem das, was sie nicht haben: ein nagelneues Löschfahrzeug, welches das Innenministerium kurz zuvor abzog. Obwohl die Gemeinde mit ihrer Gohrischheide schwer von Waldbränden gezeichnet ist.

Die Freiwillige Feuerwehr Zeithain fährt zu einem Einsatz in die Gohrischheide. Flammen richten hier immer wieder schwere Verwüstungen an.  © Norbert Neumann

Verkohlte Birken zieren karges Ödland, was zuletzt Gohrischheide hieß. 2400 Hektar brannten im vergangenen Jahr nieder, insgesamt ist das ganze Naturschutzgebiet nur 2850 Hektar groß. "Seit Kaisers Zeiten haben hier Armeen residiert", resümiert Gemeindewehrleiter Steve Prokop vor Ort.

Von kleinen Patronenhülsen bis zu Geschossen größer als sein Stiefel finden die Kameraden hier regelmäßig alles am Wegesrand. Ihre Beräumung sei zu teuer, wird immer wieder festgestellt.

Doch das daraus ausgetretene Phosphor (brennt ab 37 Grad von selbst) sei Hauptgrund für die Brände der vergangenen Jahre gewesen.

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Auch deshalb erhielt die Gemeinde vor einem Jahr ein spezialisiertes Löschtankfahrzeug vom Innenministerium, investierte selbst 50.000 Euro.

Zusammen mit einem Geländewagen und vier baugleichen Löschfahrzeugen aus Thiendorf, Großdittmannsdorf und Krögis bildete es eine Katastrophenschutz-Einheit, an der die ehrenamtlichen Retter lange ausgebildet wurden.

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Gemeindewehrleiter Steve Prokop (36, l.) und sein Stellvertreter Michael Weiß (43).  © Norbert Neumann
Die Zeithainer Kameraden müssen nun mit einem Einsatzfahrzeug weniger auskommen.  © Norbert Neumann

Der Landkreis Leipzig forderte ein Tanklöschfahrzeug zurück

Flächenbrand Anfang Juli 2025: Tagelang loderten die Flammen in der Gohrischheide.  © DPA

Das war nun umsonst. Der Grund: Derzeit werden zwei Waldbrand-Löschzüge in Mittelsachsen und Leipziger Land aufgebaut. Zeithains Fahrzeug wird dafür gebraucht, hieß es aus dem Innenministerium.

"Um zügig zusätzliche Einsatzkapazitäten aufzubauen, wurden die neuen Einheiten zunächst nach der bisherigen Struktur geplant", so ein Sprecher.

Für den Landkreis Leipzig wurde der Landkreis Meißen aufgefordert, ein Tanklöschfahrzeug zurückzugeben.

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Das Landratsamt habe sich für das in Zeithain stationierte Tanklöschfahrzeug entschieden. Begründung: Am Standort sei bereits ein kommunales Tanklöschfahrzeug stationiert.

Tatsächlich investierte die Gemeinde fast 400.000 Euro in ein zusätzliches Fahrzeug - weil sie ja weiß, dass es im nächsten Sommer brennen wird.

"Wir werden dafür bestraft, unsere Hausaufgaben gemacht zu haben", ärgert sich Prokop.

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