Von Stefan Kruse
Berlin - Berlins Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (50, SPD) rechnet 2026 mit einem steigenden Bedarf an Unterkünften für Flüchtlinge in der Stadt.
Die Zahl der geflüchteten Menschen sei zwar 2025 wie schon im Jahr davor zurückgegangen. "Unsere Prognosen gehen aber von einem wachsenden Platzbedarf aus", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
Zu Begründung verwies sie darauf, dass von 39.874 Plätzen in Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) 38.087 belegt seien - mehr als 95 Prozent (Stand 18. Dezember). Ein Problem sei, dass viele Geflüchtete, über deren Anträge entschieden wurde, weiter dort lebten, obwohl sie in reguläre Wohnungen umziehen könnten. Sie fänden keine bezahlbare neue Bleibe.
Das betrifft auch viele Geflüchtete aus der Ukraine. "Wir verzeichnen seit einigen Monaten einen Anstieg bei den ukrainischen jungen Männern", nannte Kiziltepe einen weiteren Grund für einen aus ihrer Sicht steigenden Bedarf an Unterbringungskapazitäten.
Diese dürften seit geraumer Zeit ihr Land, das sich seit fast vier Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg wehrt, legal verlassen. "Und das hat sich natürlich in unseren Zahlen widergespiegelt. Wir hatten zum Beispiel im Frühjahr 300 bis 400 Zugänge aus der Ukraine pro Monat, aktuell sind es 1300 Zugänge."
Kiziltepe setzt auf Containerdörfer als langfristige Lösung
Während also bestehende Unterkünfte voll seien und dort wenig Fluktuation herrsche, sei auch 2026 weiterhin mit neu ankommenden Geflüchteten zu rechnen.
"Für diese Entwicklung muss Berlin gewappnet sein und auch darauf reagieren können", so Kiziltepe. "Es ist unsere Pflicht, diese Menschen menschenwürdig unterzubringen. Es gilt das Grundrecht auf Asyl."
Die Senatorin kündigte vor diesem Hintergrund an, weitere Hostels anzumieten, wenn es nötig ist. Schon jetzt gibt es nach ihren Angaben knapp 3300 Plätze in rund 20 Hostels, von denen Mitte Dezember 3100 belegt waren. Kiziltepe machte deutlich, dass das nicht die Lösung ist, die sie ursprünglich angestrebt habe.
Sie habe vielmehr - nicht zuletzt aus Kostengründen - auf ein vom Senat 2024 beschlossenes Programm zum Aufbau von bis zu 16 dezentralen und qualitätsgesicherten Containerdörfern gesetzt.