Wie werden wir in Zukunft fliegen? Hamburg setzt sich die "grüne Luftfahrt" als Ziel

Hamburg – Wie werden wir in Zukunft fliegen? Und wie schaffen wir es, die Luftfahrt nachhaltiger zu gestalten? Im Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) in Hamburg-Finkenwerder haben am Mittwochvormittag sechs Unternehmen ihre von der Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) geförderten Projekte vorgestellt, die sich genau mit diesen Fragen beschäftigen.

Michael Westhagemann (parteilos, l.) und Martin Jung mit den Projektleitern und Mitarbeitern des ZALs im Acoustic Flight-LAB.
Michael Westhagemann (parteilos, l.) und Martin Jung mit den Projektleitern und Mitarbeitern des ZALs im Acoustic Flight-LAB.  © Madita Eggers/TAG24

"Im April 2020 war es mit der Luftfahrtindustrie zu Ende", begann Michael Westhagemann (65, parteilos), Wirtschaftssenator in Hamburg, seine Ansprache. "Kein Flieger hob mehr ab und uns als Luftfahrtstandort Hamburg stellte sich die Frage, wie geht es jetzt eigentlich in der Corona-Krise für uns weiter?"

Schnell sei klar geworden, es brauche etwas Neues und Innovatives als Signal, das es in der Luftfahrt weitergeht. In Zusammenarbeit mit der IFB Hamburg und einer finanziellen Unterstützung des Senats von 25 Millionen Euro ist dann das Förderprogramm "GATE – Green Aviation Technologies" entstanden.

Ausgewählt wurden dafür sechs Unternehmen, die inzwischen seit drei Monaten an ihren jeweiligen Projekten arbeiten und am Mittwoch ihren ersten Stand präsentierten. Im Fokus steht ganz klar die "grüne Luftfahrt".

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Doch welche Innovationen müssen dafür eigentlich getroffen werden?

Wasserstoff-Brennzellen als neue Antriebsmethode

Das Projekt "H2 Finity" stellt ihren skalierbaren Brennstoffzellenantrieb vor.
Das Projekt "H2 Finity" stellt ihren skalierbaren Brennstoffzellenantrieb vor.  © Madita Eggers/TAG24

Eines wurde auf jeden Fall deutlich: Wasserstoff wird eine große Rolle spielen. Ob als H2-Brennzelle oder flüssiger Treibstoff.

Das Projekt "H2 Finity" beschäftigt sich zum Beispiel mit einem "skalierbaren hybrid-elektrischen Antriebsstrang mit H2-Brennstoffzelle" für Drohnen ab 25 Kilo.

"Mit der H2-Brennzelle kombinieren wir endlich die Vorteile des leisen und umweltfreundlichen Antriebes einer Elektro-Drohne mit der Leistungsfähigkeit einer benzinbetriebenen Drohne", so Martin Spieck von der Firma "Thelsys" gegenüber TAG24.

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Eine in Zukunft mögliche Hilfe bei der Bekämpfung von Waldbränden: "Durch das Monitoring durch Drohnen können wir die Feuerwehr sehr schnell auf Brände aufmerksam machen."

Gibt es bald schwebende Sitze in den Flugzeug-Kabinen?

Das Modell von "FairCraft" präsentiert die Flugzeugkabine von Morgen.
Das Modell von "FairCraft" präsentiert die Flugzeugkabine von Morgen.  © Madita Eggers/TAG24

Es wird davon ausgegangen, dass die neuen Arten des Wasserstoff-Antriebs die Rückkehr der Propeller erfordern, die eine Lautstärke produzieren würden, die laut dem Flugzeughersteller Airbus in keinem Vergleich zu der "Stille" heutzutage an Board stünde.

Um dennoch den Passagierkomfort von heute zu bewahren, setzt sich das Projekt "CATECO" schon jetzt mit der Akustik-Problematik auseinander, auch um frühzeitig bei der Entstehung neuer Designs mitwirken zu können.

Ebenfalls mit den Kabinen beschäftigt sich die Designstudie "FairCraft". Hier wird das gesamte Kabinenkonzept aus Nachhaltigkeitsperspektive gedacht. "Erst heute wurde mir gesagt, dass eine Kabine bei 'Ryanair' nach nur vier Jahren komplett ausgetauscht werden muss und nichts davon wird recycelt", so Christian-Andrè Keun von der Firma "CompriseTec".

Ziel sei es, leichtere und recycelbare Materialien einzusetzen, denn in der Luftfahrt bedeute ein geringeres Gewicht auch weniger Treibstoffverbrauch. Die erste Idee sind an der Decke angebrachte Textil-Sitze, die nur halb so schwer wie die vorrangig verwendeten Aluminium-Sitze seien.

Senator Westhagemann zeigte sich begeistert von so viel Innovation

Michael Westhagemann (parteilos, r.) und Martin Jung verfolgen die Erläuterungen von Christian Thomas (M.), Projektleiter Akustik, im Acoustic Flight-LAB bei einem Besuch im Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) in Finkenwerder.
Michael Westhagemann (parteilos, r.) und Martin Jung verfolgen die Erläuterungen von Christian Thomas (M.), Projektleiter Akustik, im Acoustic Flight-LAB bei einem Besuch im Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) in Finkenwerder.  © Madita Eggers/TAG24

Mit der Frage "Wie und wo baut man einen Wasserstofftank am besten in ein Flugzeug ein?" beschäftigt sich unter anderem das Projekt "MIWa". Das Projekt "CCH2" untersucht Ansätze für Testszenarien und -umgebungen, damit neue Materialien ausreichend geprüft werden können.

Und das Projekt "Hydroleak" entwickelt neue Sicherheitskonzepte, denn Wasserstoff ist hoch flüchtig und explosiv. Damit Fliegen auch weiterhin als sicherstes Verkehrsmittel gelte, seien neue Methoden erforderlich, Wasserstoff Leckagen in Tanks oder Rohre so schnell wie möglich aufspüren zu können.

"Wie zielen darauf, Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu unterstützen, die am Ende wirklich zu marktfähigen Produkten führen können. Es geht auch darum, dass die Unternehmen Geld verdienen, wieder neue Arbeitsplätze entstehen und so die Förderung durch Steuereinnahmen wieder an die Stadt Hamburg zurückfließt", so Martin Jung von der IFB Hamburg.

Westhagemann zeigte sich regelrecht begeistert von den einzelnen Projekten: "Mein Eindruck ist, dass wir hier hochinnovative Start-ups am Start haben, die sich jetzt wirklich intensiv mit dem klimaneutralen Fliegen auseinandersetzten", sagte der Senator gegenüber TAG24.

Auch für die Stadt Hamburg sei das Förderprogramm enorm wichtig: "Wir wollen untermauern, dass wir nicht nur ein großer Luftfahrtstandort weltweit sind, sondern wir wollen diese Situation ausbauen. Und das geht nur mit Innovationen und da sind wir auf einem echt guten Weg."

Titelfoto: Madita Eggers/TAG24

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