Ärzte suchen nach Krebs, doch im Gehirn des Patienten machen sie eine unerwartete Entdeckung

Villarreal (Spanien) - Mit zunehmenden Kopfschmerzen und auffälligen Verhaltensänderungen suchte ein 60-jähriger Mann in Spanien ein Krankenhaus auf. Was die Ärzte auf den ersten CT-Aufnahmen sahen, ließ sie zunächst an einen weit fortgeschrittenen Krebs denken: Mehrere Veränderungen im Gehirn erinnerten stark an Metastasen.

Was zunächst wie Hirnmetastasen aussah, entpuppte sich als seltene Parasiteninfektion.  © Emerging Infectious Diseases

Der außergewöhnliche Fall wurde jetzt im Fachjournal Emerging Infectious Diseases veröffentlicht.

Eine umfassende Tumorsuche begann, doch alle Untersuchungen verliefen ohne Befund - ein Tumor war nirgends zu finden.

Erst eine MRT-Untersuchung brachte die überraschende Erklärung. Die Mediziner entdeckten zahlreiche flüssigkeitsgefüllte Zysten im Gehirn.

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In einigen war sogar der sogenannte Scolex, der Kopf einer Bandwurmlarve, zu erkennen - ein eindeutiger Hinweis auf eine Neurozystizerkose. Ein spezieller Antikörpertest bestätigte schließlich den Verdacht.

Der Mann war jedoch nie in einem Land unterwegs gewesen, in dem der sogenannte Schweinebandwurm verbreitet ist. Die behandelnden Mediziner vermuteten deshalb, dass er sich bereits vor Jahren unbemerkt infiziert haben könnte.

Während seiner Zeit als Bauarbeiter teilte er regelmäßig Mahlzeiten und Sanitäranlagen mit Kollegen aus Regionen, in denen der Schweinebandwurm häufig vorkommt. Dort könnte es zu einer unbemerkten Übertragung gekommen sein.

Der Patient erhielt schließlich antiparasitäre Medikamente. Die Behandlung verlief ohne Komplikationen und seine Beschwerden besserten sich.

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Die sogenannte Neurozystizerkose wird durch die Larven des Schweinebandwurms verursacht. (Symbolfoto)  © 123RF/tonaquatic19

Der Fall liefert eine wichtige Erkenntnis

Nach Angaben der Autoren ist eine im Inland erworbene Neurozystizerkose in Westeuropa äußerst selten. Zwischen 1990 und 2011 wurden lediglich 18 bestätigte Fälle dokumentiert. Gerade deshalb könne die Erkrankung leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden.

Nach Ansicht der Autoren sollten Ärzte selbst bei Patienten ohne Auslandsreisen an eine Neurozystizerkose denken. Eine frühe Diagnose könne unnötige Krebsdiagnostik und invasive Eingriffe vermeiden.

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