Hantavirus-Schiff auf dem Weg nach Teneriffa: WHO-Chef appelliert an Menschlichkeit
Genf/Teneriffa - Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus (61), hat sich direkt an die Bevölkerung von Teneriffa gewandt und versucht, die angespannte Gemütslage vor der Ankunft des vom Hantavirus geplagten Kreuzfahrtschiffs "MV Hondius" zu beruhigen.
"Es ist nicht üblich, dass ich direkt an die Menschen einer einzelnen Gemeinschaft schreibe, aber heute fühlt es sich nicht nur angemessen an, sondern notwendig", eröffnete der WHO-Chef seinen Appell in einem Beitrag auf X am Samstagnachmittag.
Er sei sich im Klaren darüber, dass die Bevölkerung besorgt darüber sei, dass ein Schiff, auf dem das gefährliche Hantavirus ausgebrochen ist, nun am Hafen auf den Kanarischen Inseln anlegen soll.
Das Kreuzfahrtschiff wird dort am frühen Sonntagmorgen erwartet und soll an einem Industriehafen "fernab der Wohngebiete" anlegen. Bis dato wurden acht Infektionen gemeldet, drei Menschen starben. Es handelt sich um eine seltene Virus-Variante, die von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Ghebreyesus betonte, dass die Einheimischen keinen Kontakt zu den Passagieren des Schiffs haben würden. Die rund 150 Menschen würden durch einen "abgesperrten Korridor" erst vom Schiff und dann in ihre Heimatländer transportiert. Zudem gebe es aktuell keine Person an Bord, die Symptome einer Infektion aufweise.
Während die Menschen auf Teneriffa zuletzt gegen die Entscheidung, das Schiff dort anlegen zu lassen, lautstark protestierten, verwies der WHO-Direktor auf die Rechtmäßigkeit dieses Entschlusses: "Nach diesen Regeln muss der nächstgelegene Hafen mit ausreichender medizinischer Kapazität identifiziert werden, um die Sicherheit und Würde der Menschen an Bord zu gewährleisten.
Aus diesem Grund sei Teneriffa gewählt worden, sagte der 61-Jährige: "{...} Weil es die medizinische Kapazität, die Infrastruktur und - das weiß ich - die notwendige Menschlichkeit hat, um ihnen zu helfen, einen sicheren Ort zu erreichen."
Titelfoto: Bildmontage: Arilson Almeida/AP/dpa/Carsten Koall/dpa
